Bereitschaft hält sich in Grenzen

Impfungen bei Apothekern, Tier- und Zahnärzten: Letzte Details noch zu klären

Piks gegen das Coronavirus: Neben den Haus- und Betriebsärzten dürfen nun auch Apotheker, Veterinäre und Zahnärzte impfen. Es ist allerdings nicht davon auszugehen, dass dies überall geschieht.
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Piks gegen das Coronavirus: Neben den Haus- und Betriebsärzten dürfen nun auch Apotheker, Veterinäre und Zahnärzte impfen. Es ist allerdings nicht davon auszugehen, dass dies überall geschieht.

Corona-Schutzimpfungen in Apotheken sowie bei Tier- und Zahnärzten: Nach einem Beschluss des Bundestags im Dezember ist dies mittlerweile möglich. Allerdings geht es nicht so schnell, wie es sich Impfwillige womöglich wünschen.

Einige Hürden, darunter Schulungen für das Personal in den Praxen und Apotheken, sind noch zu nehmen – und auch nicht alle Apotheken-Betreiber sowie Zahn- und Tierärzte sind in der Lage, Impfungen anzubieten, da ihnen die Räume dafür fehlen.

„Eine kürzlich von unserem Bundesverband durchgeführte deutschlandweite Umfrage hat ergeben, dass 50 Prozent der Apotheken Impfungen anbieten würden. Das wären bundesweit 700 Apotheken. Allerdings gaben die Betreiber an, dass dafür die Rahmenbedingungen stimmen müssten“, sagt Katja Förster vom Hessischen Apothekerverband. Diese würden in den kommenden Tagen endgültig festgezurrt. Es gehe noch um die Frage, über welches System die Impfungen abgerechnet werden. Außerdem sei das Bestellprozedere für die Impfstoffe noch nicht bis ins letzte Detail geklärt. „Deshalb haben die Corona-Impfungen in den hessischen Apotheken bisher noch nicht begonnen“, so Katja Förster.

Ähnlich äußern sich die anderen Berufsverbände. „„Wir haben kürzlich die niedergelassenen Zahnärztinnen und Zahnärzte um Rückmeldung gebeten, ob sie zu gegebener Zeit bereit wären, ihre Patientinnen und Patienten gegen SARS-CoV-2 zu impfen. Nach-dem unsere Umfrage in der Welt war, erreichten uns innerhalb kürzester Zeit über 1000 Zuschriften von Praxen, die sich zur Impfung bereit erklärt haben“, sagte neulich Dr. Michael Frank, Präsident der Landeszahnärztekammer Hessen. „Wir hoffen, dass nun die weiteren rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen geschaffen werden.“

Dass die Corona-Impfungen in Apotheken, Tier- und Zahnarztpraxen noch nicht begonnen haben, hängt auch mit der Menge des verfügbaren Impfstoffes zusammen. So weist der Bundesverband praktizierender Tierärzte seine Mitglieder darauf hin, dass das Impfen in Tierarztpraxen wegen der derzeitigen Impfstofflimitierung sowie ungeklärter Umsetzungsdetails noch nicht starten könne. Ebenso verweist er auf die notwendigen Schulungen.

Das Problem mit den Impfstoff-Lieferungen bestätigt der Korbacher Hausarzt Dr. Peter Koswig: „Aktuell werden wir ausgebremst durch zu wenig Impfstoff von Biontech. Moderna ist dagegen ausreichend da.“

„Das sollen die Hausärzte machen“

„Ich werde derzeit oft von Tierhaltern gefragt, ob ich jetzt auch Menschen gegen Corona impfe“, sagt unterdessen der Battenberger Tierarzt Dr. Ulrich Graw. Nach seiner Einschätzung geht es darum, dass Tierärzte und Apotheker notfalls in Impfzentren aushelfen sollen – für den Fall, dass überhaupt genügend Impfstoff da ist. „Aber jetzt mal ganz praktisch gedacht: Einen Hund bei mir in der Praxis auf dem Tisch und der zu impfende Mensch sitzend daneben: Ich glaube, dazu wird es nicht kommen. Kapazitätsmäßig ist das für mich auch nicht zu leisten. Also, für mich ist ganz klar: Corona-Impfungen, das sollen die Hausärzte machen“, sagt der Tierarzt.

Dr. Ulrich Graw, Tierarzt in Battenberg

Dr. Ulrich Graw gehört zu einer der Berufsgruppen, die laut verschärftem Infektionsschutzgesetz nun auch Impfungen gegen das Coronavirus durchführen dürfen. Letzte Details für die Umsetzung der Impfkampagne in Apotheken sowie bei Zahn- und Tierärzten sind zwar noch zu klären. Trotzdem wollte unsere Zeitung wissen, wie das Stimmungsbild in Waldeck-Frankenberg ist.

Dr. Jost Weber ist Apotheker in Allendorf/Eder. Er sagt: „Wir testen schon Leute auf Corona. Aber Impfungen? Das kriege ich weder räumlich noch personell hin“, sagt der Inhaber der Edertal-Apotheke. „Der eine oder andere Apotheker mag das vielleicht für eine nette Idee halten“, räumt er ein. Fakt sei jedoch, dass er den im Raum Allendorf/Battenberg niedergelassenen Ärzten derzeit nicht den Impfstoff in den gewünschten Dosen liefern könne. Schon gar nicht wolle er in Konkurrenz zu den niedergelassenen Ärzten treten. „Es ist in meinen Augen auch nicht klar, wie das abgerechnet werden soll, wenn Apotheker impfen“, sagt Dr. Weber. Wie es bei einem möglichen Impfschaden haftungstechnisch aussehe, sei noch eine ganz andere Frage.

Dr. Jost Weber, Apotheker in Allendorf/Eder

Ähnlich sieht es Apotheker Heinz-Dieter Helfer aus Korbach. „Wir haben in den vier Wochen vor Weihnachten rund 1100 digitale Impfzertifikate ausgestellt. Wenn ich mir jetzt vorstellen müsste, ich sollte meine Kunden auch noch gegen das Coronavirus impfen, wäre das schlichtweg nicht zu machen. Wir haben dafür nicht genug Personal – außerdem fehlt uns der dafür notwendige Raum“, sagt der Inhaber der Bären-Apotheke. Er weist zudem darauf hin, dass seine Mitarbeitenden neben den Schulungen auch noch Hepatitis-Impfungen erhalten müssten. Das alles sei zeitlich nicht zu schaffen.

„Die Frage ist auch, was bei Nebenwirkungen geschieht? Wenn ein Impfling beispielsweise einen anaphylaktischen Schock bekommt, können wir in der Apotheke keine Erste Hilfe in dem Sinne leisten, wie sie in einer Arztpraxis möglich wäre. Ich sehe die Corona-Schutzimpfungen daher als ordinäre Aufgabe für die Haus- und Betriebsärzte an“, so Helfer.

Der Bad Wildunger Tierarzt Dr. Philipp Matthes will sich dagegen an der Impfkampagne beteiligen – allerdings nicht mit Immunisierungen in seiner Praxis. Das sei räumlich schwer zu realisieren. Er weist ebenfalls darauf hin, dass eine akute und umfangreiche Behandlung von Impf-Nebenwirkungen in einer Tierarztpraxis nicht möglich seien. Ebenso müsse die Anamnese vor der Corona-Impfung von Allgemeinmedizinern übernommen werden. „Daher sehe ich uns eher als unterstützende Kräfte in Impfzentren. Wenn wir gefragt werden, ob wir auf diesem Weg Impfungen mit übernehmen würden, wären mein Team und ich auf jeden Fall dabei“, so Dr. Matthes.

Karsten Drewes, Zahnarzt in Willingen, würde sich ebenfalls gerne an der Impfkampagne beteiligen. „Das habe ich unserem Verband auch mitgeteilt. Theoretisch könnte ich die Impfungen bei mir in der Praxis machen. Da diese allerdings nicht so groß ist, wäre das mit viel Aufwand verbunden. Deshalb würde ich mich stattdessen an ein mobiles Impfteam andocken oder in einem Impfzentrum mitarbeiten“, sagt er. Allerdings warte er noch auf letzte Infos zum Abrechnungsverfahren, zur Melde-Prozedur an das RKI und zu den Impf-Schulungen.

„Situation ist aktuell gut zu händeln“

Was denkt ein Hausarzt über Corona-Impfungen in Apotheken sowie bei Zahn- und Tierärzten? Diese Frage stellten wir Dr. Peter Koswig aus Korbach. „Ich halte dies in der aktuellen Situation für nicht erforderlich.“Der Allgemeinmediziner weist darauf hin, dass derzeit wenig Impfstoff aus dem Hause Biontech geliefert werde. Moderna sei zwar ausreichend vorhanden, komme nun einmal nicht für jeden in Frage.

Dr. Peter Koswig, Hausarzt in Korbach

„Außerdem sind wir mit dem Boostern gut unterwegs. Die Hauptmenge der Zweit-impfungen lag im Juni und Juli. Die haben wir fast alle auch durchgeboostert. Einen Schub gibt es durch das Heruntersetzen der Wartezeit von fünf auf drei Monate. Die Situation ist aber gut zu händeln“, sagt Dr. Koswig. Impfangebote in Apotheken sowie bei Veterinären und Zahnärzten seien aus Sicht des Hausarztes gegebenenfalls nötig, wenn der Impfstoff wieder in großen Mengen da wäre und eine vierte Immunisierung angeboten sowie gleichzeitig auch stark nachgefragt werden würde.

Hintergrund: Infektionsschutzgesetz bildet die Grundlage

Nach einem entsprechenden Beschluss im Bundestag stimmte der Bundesrat am 10. Dezember 2021 dem verschärften Infektionsschutzgesetz zu. Wegen der steigenden Nachfrage nach Schutzimpfungen gegen das Coronavirus – vor allem auch nach Booster-Impfungen – sind damit zusätzlich zu den Ärzten auch Tierärzte, Apotheken-Betreiber und Zahnärzte zur Durchführung von Impfungen gegen SARS-CoV-2 für einen vorübergehenden Zeitraum berechtigt. 

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