Sven Bulteel setzt auf Sympathie

Lollys und Gummibärchen als Dankeschön im Bad Arolser Corona-Testzentrum

Das sympathische Testteam in Bad Arolsen (von links): Josefine Salzmann, Josia Jaschko, Sven Bulteel, Ina Telenius und Fabian Konopka.
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Das sympathische Testteam in Bad Arolsen (von links): Josefine Salzmann, Josia Jaschko, Sven Bulteel, Ina Telenius und Fabian Konopka.

Das Corona-Testzentrum von Sven Bulteel im ehemaligen Mobilfunk-Shop in Bad Arolsen hat sich etabliert. Das Team setzt auf Sympathie, das entspannt.

„Das kriegen wir hin“, ist die Devise von Sven Bulteel und seinen Mitarbeitern, wenn im Testzentrum in der Bahnhofstraße 41 die Warteschlange länger als erwartet ist, ein Kunde Sonderwünsche oder keinen Termin hat. Wer ängstlich ist, wird – unabhängig vom Alter – getröstet, und jeder – ob groß oder klein – wird nach dem Test mit einem Lolly oder Gummibärchen beschenkt.

Im Mai 2020 eröffnete Sven Bulteel das Testzentrum in der Arolser Bahnhofstraße. „Ich komme ursprünglich aus der häuslichen Pflege und musste den Beruf wegen eines Unfalls aufgeben. Meine Mutter ist gelernte Krankenschwester. Natürlich war Corona von Anfang an ein Gesprächsthema in der Familie. Irgendwann kam dabei die Idee auf, ein Testzentrum zu eröffnen. Die Räume und der Standort waren ideal. Wir haben sofort mit den Vorbereitungen angefangen und konnten sehr schnell loslegen“, erzählt Bulteel.

Ein Geschäft auf Zeit

Neben der gemeinsamen räumlichen Umgestaltung machten alle Mitarbeiter eine Testschulung bei Dr. Matthias Unnewehr in Bad Arolsen. „Wir stellten das Hygienekonzept dem Gesundheitsamt vor, das den Antrag zur Eröffnung ohne Komplikationen genehmigte“, so Bulteel.

Jörg Syring lässt sich regelmäßig testen.

Inzwischen arbeiten zwei festangestellte Mitarbeiter im Team mit neun Aushilfen, darunter drei Krankenschwestern. Der Slogan ‚Testen mit Sympathie’ soll, so stellt es sich Sven Bulteel vor, für Kunden und Team gleichermaßen gelten. Da die Tests überall kostenlos sind, will er sich mit hellen Räumen, unkomplizierter Terminbuchung, Testsicherheit und Testgeschwindigkeit – aber auch mit der Freundlichkeit des Teams von den Mitbewerbern abheben.

„Wir kennen uns zum Teil schon aus der Schule oder haben uns über andere Freunde kennengelernt. Ich fühle mich deshalb nicht nur wirtschaftlich, sondern auch für die Team-Familie verantwortlich“, betont der Pfleger und Geschäftsmann.

Josefine Salzmann legt ein neues Kundenkonto an.

Der Betrieb eines Testzentrums ist ein Geschäft auf Zeit, dass wissen alle. Immer abhängig von den Coronaregeln, liegt in Bad Arolsen die Zahl der täglich Getesteten zwischen 70 und 400. Mit den Testzahlen und damit den Verdienstmöglichkeiten in einer Großstadt könne man sich hier in der Kleinstadt natürlich nicht vergleichen. „Das politische Hin und Her ist meine Kopfschmerzparade“, sagt Sven Bulteel und berichtet: „Im März wurden die Tests über die Kassenärztliche Vereinigung inklusive der Testleistung mit 18 Euro vergütet. Seit Juli sind es insgesamt nur noch 11,80 Euro. Als dann im Oktober die Tests auch noch kostenpflichtig wurden und kaum einer mehr kam, dachten wir, es geht nicht mehr weiter. Knapp vier Wochen später mussten wir jedoch den Turbo hochfahren, so stark war der Andrang.“

Diskussionen und Verständnis

Jörg Syring ist Stammgast im Testzentrum. Aus gesundheitlichen Gründen kann er sich nicht impfen lassen und braucht etwa drei Mal in der Woche einen offiziellen Test, um nicht dauerhaft von der 2G-Regel ausgeschlossen zu sein. „Das klingt einfach, aber ich werde immer angesprochen, ob ich denn ein Rechter oder Coronaleugner sei. Es hilft auch nicht, wenn ich eine ärztliche Bescheinigung vorzeige, das ist alles gesetzlich geregelt“, sagt er und betont: „Das ist sehr belastend, ich spüre auch den Druck und die Angst der Menschen. Ich antworte schon gar nicht mehr darauf und gehe einfach weg. Es macht mich traurig zu erleben, wie gespalten die Gesellschaft ist. Wenn ich hier bin, sind aber alle entspannt und meistens gut gelaunt.“

Das mit der guten Laune klappt draußen nicht immer. Vor allem wenn die Warteschlange lang ist, wird genau darauf geachtet, dass jeder an der richtigen Stelle steht. Auch über die Coronaregeln und die Politik wird viel diskutiert.

Josefine Salzmann, von Anfang an mit dabei und inzwischen Teamleiterin, kennt diese Diskussionen und spürt: „Die Menschen sind mehr und mehr belastet“. Sie meint: „Auch wir werden politischer. Die Politik hat in unserer Gesellschaft viel kaputt gemacht. Ich habe jüngere Geschwister und erlebe, wie belastet sie sind. Ich hoffe so sehr, dass wir irgendwann wieder ohne die vorgeschriebene Distanz miteinander umgehen können. Die meisten der Kunden sind aber freundlich und positiv eingestellt. Sie verstehen, dass wir nicht diejenigen sind, die entscheiden. Sie sehen, dass wir für sie da sind und erkennen unseren Einsatz an.“

Das Testzentrum in der Arolser Bahnhofstraße hat im Mai 2020 eröffnet.

Wie lange das Testzentrum ein sicherer, fairer Arbeitsplatz bleiben kann, weiß keiner der Beteiligten. Kalkulieren kann Sven Bulteel nur von Woche zu Woche und will auf keinem Fall den richtigen Zeitpunkt für den Ausstieg verpassen. Er arbeitet schon an neuen Geschäftsideen, sein Team will er mitnehmen. Für Josefine Salzmann und ihre Freunde ist aber klar: „Wir bleiben zusammen, wir machen alles mit was hier in Zukunft passiert. Wir sind das beste Team ever.“      Barbara Liese

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