Artenreicher Lebensraum am Fluss

25 Jahre Wintervogelzählung an der Eder: Deutschlandweit einzigartiges Projekt

Lebensraum an der Eder:   Rotkehlchen gehören zu den Wintergästen.
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Lebensraum an der Eder: Rotkehlchen gehören zu den Wintergästen.

Die Wintervogelzählung entlang der hessischen Eder liefert seit 25 Jahren interessante Erkenntnisse über die Artenvielfalt entlang des Flusses.

  • Seit 25 Jahren findet alljährlich die Wintervogelzählung entlang der hessischen Eder statt.
  • Das Projekt ist einzigartig in ganz Deutschland.
  • Die Wintervogelzählung liefert wichtige Erkenntnisse für die Artenvielfalt am Ederfluss.

Edertal – An jeweils zwei Stichtagen zählen zeitgleich rund 50 Vogelkundler alle Vögel entlang der gesamten hessischen Eder. Die Wintervogelzählung ist ein einmaliges ornithologisches Gemeinschaftsprojekt, das in diesem Winter im Zeichen des 25-jährigen Jubiläums steht.

Ergebnisse in den Vogelkundlichen Heften Edertal veröffentlicht

Stefan Stübing, Vogelexperte der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON), sagt: „Es gibt in Deutschland kein vergleichbares Projekt.“ Die Zählung wird alljährlich in den Vogelkundlichen Heften Edertal veröffentlicht. „In jedem Winter gibt es immer wieder spannende Ergebnisse“, betont Gerhard Kalden (Frankenberg), einer der Koordinatoren des Projekts.

Beim ersten Zähltermin Anfang Januar kontrolliert Herbert Niem (Bad Wildungen) den Ederabschnitt zwischen Bergheim und Wellen. Bei bedecktem Himmel fällt zum Teil dünner Schneeregen, es weht ein schwacher Nordwind und die Eder führt relativ wenig Wasser.

Entlang der gesamten hessischen Eder 76 Vogelarten gezählt

Auf fünf Flusskilometern zählt der Ornithologe aber auch – soweit einsehbar – in der Talaue 46 Vogelarten. Entlang der gesamten hessischen Eder beträgt die Artenzahl 76. Das zeigt schon: Wenn man ein vollständiges Bild von dem Winterbestand entlang des Flusses gewinnen will, kann ein Teilabschnitt zu Fehleinschätzungen führen. Dafür einige Beispiele:

Herbert Niem beobachtet zwei Eisvögel. Das sind diesmal die einzigen an der unteren Eder im Kreis Waldeck-Frankenberg. Bei dem Vergleichstermin im vorigen Winter waren es elf. Das Gesamtergebnis entlang der hessischen Eder ergab aber 24 Exemplare der „fliegenden Edelsteine“, im langjährigen Vergleich ein guter Wert.

Wasseramseln und Gebirgsstelzen

Die Wasseramsel war beim Vergleichstermin mit fünf Exemplaren vertreten. Bei dieser Zählung fehlt sie an der unteren Eder des Kreisgebietes ganz. An der oberen Eder, schwerpunktmäßig im Bereich Hatzfeld, wurden aber 23 Exemplare gezählt. Dort hat die Eder eher Bergbachcharakter, der typische Lebensraum der Wasseramsel. Sie ist der einzige Singvogel, der seine Nahrung, vor allem Wasserinsekten, tauchend erbeutet.

Mit drei Exemplaren ist eine andere Bergbach-Vogelart, die Gebirgsstelze, an der Eder zwischen Bergheim und Wellen relativ gut vertreten, an der unteren Eder des Kreisgebietes sind es sechs Exemplare und entlang der gesamten hessischen Eder 16. Das ist bemerkenswert, denn wie Ringfunde aus dem Kreisgebiet belegen, überwintert diese Art meist in Südeuropa.

Zuwachs bei den Amseln

Bei einigen Arten ist die langjährige Bestandsentwicklung interessant – zum Beispiel beim Zwergtaucher, der in den Ederdörfern auch „Duckhühnchen“ genannt wird. Von ihm entdeckt Herbert Niem nur zwei Exemplare. An der gesamten unteren Eder sind es 45, nur einer an der oberen Eder. Bei einigen Zählungen in früheren Jahren waren es über 100, maximal sogar 144. Hier spiegelt sich ein hessenweit schlechtes Brutergebnis wider.

Hervorzuheben ist auch die Situation der Amsel, die jüngst in Teilen Deutschlands von einem Virus betroffen war. Zwischen Bergheim und Wellen zählt Niem 29 Exemplare. Hessenweit sind es 391; die Vergleichszählung im vorigen Winter betrug 264. Auch bei der Wintervogelzählung 2021 des NABU hatte Amsel einen deutlichen Zuwachs zu verzeichnen.

Kohl- und Blaumeisen sind im Ufergehölz der Eder mit jeweils über 400 Tieren gut vertreten – ähnlich wie im Vorjahr. Das bis zum Zähltermin recht milde Winterwetter bedingte auch eine relativ große Zahl von Rotkehlchen: Allein 19 zwischen Bergheim und Wega und insgesamt 126 an der hessischen Eder. (Wolfgang Lübcke)

In Teilen Deutschlands von einem Virus betroffen: Bei der Wintervogelzählung an der Eder hatte die Amsel einen deutlichen Zuwachs zu verzeichnen.
Kohlmeisen halten sich am Eder-Ufer auf.

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