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Corona-Impfungen: Nachfrage steigt auch in Waldeck-Frankenberg

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Von: Elmar Schulten, Philipp Daum, Thomas Hoffmeister, Cornelia Höhne, Martina Biedenbach

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Auffrischungsimpfungen gegen Corona werden derzeit ebenso stark nachgefragt wie Impfungen gegen Grippe oder andere Krankheiten.
Auffrischungsimpfungen gegen Corona werden derzeit ebenso stark nachgefragt wie Impfungen gegen Grippe oder andere Krankheiten. © Stratenschulte/DPA

Das Interesse an Corona-Auffrischungs-Impfungen steigt auch in Waldeck-Frankenberg teilweise wieder an. Wie unsere Zeitung auf Nachfrage bei einigen Ärzten im Landkreis erfuhr, liegt dies vor allem an dem neuen Impfstoff, der an die Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 angepasst ist.

„Die Anzahl der Auffrischungs-Impfungen nimmt stark zu. Die Nachfrage ist sehr hoch, die Logistik anspruchsvoll“, sagt Stephan Eisfeld, Hausarzt in Frankenberg. Für die Festlegung des idealen Zeitpunkts sei eine Erfassung der Impf-Abstände, der Impfstoffe und erfolgten Infektionen erforderlich. Der ideale Abstand für die Auffrischung betrage sechs Monate zur Vorimpfung oder zu einer Infektion. „Ich gehe in unserer Praxis von 200 Corona-Auffrischungs-Impfungen im Oktober aus. Weitere werden im November folgen“, sagt Eisfeld. Er verwende in seiner Praxis den Impfstoff der Varianten BA.4 und BA.5 von Biontech-Pfizer. Die Ständige Impfkommission schätze die neuen, bivalenten Impfstoffe als sicher und gut verträglich ein.

Der Allgemeinmediziner Dr. Johannes Nolte berichtet aus der Bad Arolser Hausärztepraxis Emde und Nolte, dass das Interesse an Auffrischungsimpfungen vor allem bei Patienten über 60 Jahren vorhanden sei – wenn auch nicht mehr in dem Maße wie vor einem Jahr. „Bei den Jüngeren und durch die tägliche Berichterstattung gut Informierten ist die Angst vor dem Virus geringer geworden“, sagt Dr. Nolte. Die für die Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 optimierten Impfstoffe seien reichlich vorhanden. Es gebe keine Mangellage mehr. Es mache eher den Anschein, als übertreffe das Angebot die Nachfrage. Nolte: „Wer Interesse hat, bekommt kurzfristig einen Termin.“

Dr. Johannes Nolte, Hausarzt in Bad Arolsen
Dr. Johannes Nolte, Hausarzt in Bad Arolsen © Elmar Schulten

Ähnlich sieht es auch in der Praxis des Korbacher Allgemeinmediziners Dr. Peter Koswig aus. „Die aktuellen Impfstoffe sind ausreichend vorhanden und lassen sich problemlos über unsere Apotheken mit einwöchigem Vorlauf bestellen“, berichtet er und ergänzt: Wir verimpfen für die Auffrischungen nur noch die aktualisierten Impfstoffe, die gegen die aktuellen Virusvarianten einen besseren Schutz versprechen. Die Verträglichkeit scheint dabei eher besser zu sein, als bei den Grundimmunisierungen.“

„Höherer Beratungsbedarf“

In der Ernsthäuser Gemeinschaftspraxis für Allgemeinmedizin steigt seit zwei, drei Wochen die Nachfrage nach Impfungen – sowohl nach Auffrischungsimpfungen zum Schutz vor Corona als auch nach der üblichen Grippeimpfung im Herbst. „Fast jeder zweite Patient fragt nach einer der Impfungen“, sagt Anne Karacoban-Rauhio, die mit Dr. Rainer Kittel und Frank Schneider zum dreiköpfigen Ärzteteam gehört.

Bei der Coronaschutzimpfung verlangten die Patienten ihren Angaben nach nur noch die neuen, an die Virusvarianten BA.4 und BA.5 angepassten Impfstoffe, obwohl die an BA.1 angepassten Seren „nicht deutlich unterliegen“. Diese Seren seien vor allem während der Coronawelle im Sommer zur Auffrischungsimpfung nachgefragt gewesen. Kaum noch Nachfrage gebe es an einer Grundimmunisierung gegen Corona, also an einer Erst- und Zweitimpfung. Für alle über 60 Jahre empfehle die Ständige Impfkommission eine vierte Impfung, also die zweite Boosterimpfung.

Mit der aktuellen Impfwelle gehe ein hoher Beratungsbedarf bei den Patienten einher. „Das ist anders als bei den ersten Auffrischungsimpfungen Ende 2021. Damals war unsere Empfehlung für die allermeisten Patienten, sich impfen zu lassen“, schildert Anne Karacoban-Rauhio. Jetzt sei der Beratungsaufwand wesentlich höher. Denn es gebe die verschiedensten Varianten bei der Anzahl von Impfungen und Infektionen: Zum Beispiel Patienten, die zweifach geimpft und zweimal infiziert waren, Patienten die dreifach geimpft und einmal genesen sind. Hinzu kommen besonders gefährdete Patienten, die schon zwei Auffrischungsimpfungen haben und nach einer fünften fragen. „Das muss alles sehr individuell betrachtet werden und braucht entsprechend Zeit“, sagt die Fachärztin für Innere Medizin.

Größer als sonst sei auch die Nachfrage nach der üblichen Grippeimpfung, die allen ab 60 Jahren empfohlen werden. „Viele fragen von sich aus danach“, sagt die Ärztin. Denn alle paar Jahre gebe es auch bei der Grippe Wellen mit schwereren Verläufen. Eine solche Welle liege nun fünf Jahre zurück. Die Medizinerin weist darauf hin, dass laut Ständiger Impfkommission eine Doppelimpfung gegen Corona und Grippe möglich sei. „Die eine Spritze kommt in den rechten, die andere in den linken Arm.“

Weder die Corona- noch die Grippeschutzimpfung schützten komplett vor einer Infektion, aber sie schützen in der Regel vor einem schweren Krankheitsverlauf, betont Karacoban-Rauhio. Die Ernsthäuser Gemeinschaftspraxis vergebe im Monat rund 100 Impftermine, aber nur an die eigenen Patienten. Die Termine seien schon jetzt gut gebucht.

Mit Blick auf den mit den Corona-Impfungen verbundenen, zusätzlichen Arbeitsaufwand sagt Stephan Eisfeld, Hausarzt in Frankenberg: „Wir haben die Abläufe weitgehend digitalisiert. Dennoch kommen wir mit unserem Praxis-Team an die Grenze der Belastbarkeit, weil die alltägliche medizinische Arbeit unter den erschwerten Bedingungen ebenfalls anliegt.“ Grippeimpfung, Pneumokokken-Impfung und Herpes-Zoster-Impfung (z. B. gegen Gürtelrose) seien auch stark nachgefragt und in der betroffenen Patientengruppe im richtigen zeitlichen Abstand genau zu koordinieren. Viele Impfungen würden bei Hausbesuchen verabreicht.

Eisfeld: „Selbstverständlich akzeptieren wir es, wenn Patienten eine Impfung ablehnen. In vielen Fällen denken die Betroffenen aber noch einmal darüber nach, wenn die medizinischen Fakten erörtert werden. Die Bundesregierung hat ausreichend antivirale Medikamente zur Behandlung von Covid-Infektion beschafft. Dafür sind wir dankbar.

„Impfstoffe sind ausreichend vorhanden“

Beim Bad Wildunger Kinderarzt Dr. Mathias Bauer ist die Nachfrage nach Booster-Impfungen verhalten: „Momentan stagniert es noch mit den Impfzahlen. Wir müssen leider mehr wegwerfen, als wir verimpfen können“, sagt er. Im Impfzentrum am Bahnhof, das die Praxis aufgebaut hat und in dem Kinder und Erwachsene gegen Corona immunisiert werden, wurden laut Dr. Bauer im April beispielsweise 100 Impfungen verabreicht, aktuell seien es 35. Dabei seien Impfstoffe ausreichend und von verschiedenen Herstellern verfügbar. Vier Produkte seien allein von Biontech am Markt – darunter die zwei neuen, an die Omikron-Variante angepassten Impfstoffe. Aus Sicht des Mediziners sind beide gleichwertig. Er rät daher allen Impfwilligen: „Das nehmen, was verfügbar ist.“

Im Hinblick auf die Infektionszeit im Winter mache die Auffrischungsimpfung Sinn. „Gerade bei älteren Menschen und Risikogruppen sollte die Corona-Impfung denselben Stellenwert haben wie eine Grippeimpfung“, so Dr. Bauer.

Auch beim Korbacher Hausarzt Dr. Peter Koswig „ist die Nachfrage verhalten, da alle Impfinteressierten längst drei oder vier Mal geimpft sind“. Wobei die Erkrankung als eine Impfung gewertet werden könne. Oft nachgefragt werde eine fünfte Impfung. Die Datenlage dazu sei aber noch schwach, die Empfehlung schwammig. Koswig: „Wenn sechs Monate seit der letzten Impfung oder Erkrankung vorbei sind, halte ich die fünfte Impfung bei besonders gefährdeten Personen, wie zum Beispiel Altenheim-Bewohnern, für sinnvoll.“

Das empfiehlt die Ständige Impfkommission

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt grundsätzlich, für alle Auffrischimpfungen (Booster) ab zwölf Jahren vorzugsweise einen der zugelassenen und verfügbaren Omikron-adaptierten bivalenten mRNA-Impfstoffe einzusetzen. Im Einzelnen spricht die STIKO folgende Empfehlungen aus:

- Allen Personen ab zwölf Jahren wird grundsätzlich eine Auffrischimpfung (dritte Impfung) empfohlen, vorzugsweise mit einem Omikron-adaptierten bivalenten mRNA-Impfstoff, die im Regelfall sechs Monate nach abgeschlossener Grundimmunisierung, oder durchgemachter Infektion verabreicht wird;

- Ab dem Alter von zwölf Jahren kann die Impfstoff-Variante „Comirnaty Original/Omicron BA.1“ oder „Comirnaty Original/Omicron BA.4/BA.5“ eingesetzt werden;

- Ab dem Alter von 30 Jahren kann alternativ auch mit „Spikevax bivalent Original/Omicron BA.1“ geimpft werden.

Unter anderem für folgende Personengruppen wird eine weitere Auffrischimpfung (vierte Impfung) empfohlen, vorzugsweise mit einem Omikron-adaptierten bivalenten mRNA-Impfstoff, im Abstand von sechs Monaten zum letzten immunologischen Ereignis (Impfung oder Corona-Infektion):

- Personen ab dem Alter von 60 Jahren;

- Personen im Alter ab zwölf Jahren mit erhöhtem Risiko für schwere Corona-Verläufe infolge einer Grunderkrankung;

- Personal in medizinischen Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen;

- Bewohner in Einrichtungen der Pflege;

- Personen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf in Einrichtungen der Eingliederungshilfe.

Weitere Infos dazu gibt es unter: rki.de

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