Mehrheitlicher Beschluss

Gefriergemeinschaft Hatzfeld löst sich zum Jahresende auf

Abstimmung an der frischen Luft: Auf dem Bürgerhausparkplatz sammelten Silvia Müller (links) und Hans Tatzel das Abstimmungsergebnis ein. Ergebnis: 35 Stimmen für eine Beendigung und zwei Stimmen für eine Fortführung der Gefriergemeinschaft.
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Abstimmung an der frischen Luft: Auf dem Bürgerhausparkplatz sammelten Silvia Müller (links) und Hans Tatzel das Abstimmungsergebnis ein. Ergebnis: 35 Stimmen für eine Beendigung und zwei Stimmen für eine Fortführung der Gefriergemeinschaft.

Am 31. Dezember 2020 müssen alle 80 noch genutzten Fächer geräumt sein. Dann wird der Strom abgeschaltet. Diese Entscheidung haben die Mitglieder der Hatzfelder Gefriergemeinschaft Möllenbach mit großer Mehrheit getroffen.

Hatzfeld - 35 Mitglieder stimmten mit Handzeichen für die Beendigung und zwei für die Fortführung ihrer Gefriergemeinschaft. Enthaltungen wurden nicht abgefragt. Laut Teilnehmerliste waren 59 Personen anwesend.

Die Gefrieranlage war von der Stadt Hatzfeld im Untergeschoss des damaligen Kindergartens neben dem Bürgerhaus eingerichtet und nach der Inbetriebnahme am 5. März 1963 an die zuvor gegründete Trägergemeinschaft der Gemeinschafts-Gefrieranlage mit 90 Fächern übergeben worden. Zur Deckung der Kosten zahlten die Mitglieder 30 Deutsche Mark im Jahr. Zuletzt waren es 38 Euro.

„Weil sich die Eigentumsverhältnisse des Gebäudes, in dem sich die Gefrieranlage befindet, 2019 geändert haben und Besitzer jetzt die Familie Gelbach ist, ergeben sich Veränderungen, über die wir heute mehr erfahren werden“, informierte Silvia Müller vom Vorstand der Gefriergemeinschaft. Das Hatzfelder Ehepaar Gelbach gab bekannt, dass im Obergeschoss des Gebäudes eine Kampfsportschule und ein Studio für Bewegungstherapie eingerichtet werden soll.

Aber auch die Nutzungsrechte der Gefriergemeinschaft müssten angepasst werden. Dazu gehören eine neue Hausordnung und eine Kostenanpassung, weil Versicherungen wie die Gebäudeversicherung von der Gefriergemeinschaft jetzt mitgetragen werden müssten. Ob der Versicherungsschutz noch erweitert werden muss – etwa durch Schäden, bei denen Kühlmittel in das Grundwasser eindringt – soll kurzfristig noch geprüft werden.

Rege über Pro und Kontra diskutiert

Bevor abgestimmt wurde, wurde noch rege über Pro und Kontra diskutiert. Die gezielte Frage nach zukünftigen Kosten konnte nicht klar beantwortet werden. Klar ist jedoch, dass der Nutzungsbeitrag deutlich über den jetzigen 38 Euro im Jahr liegen würde.

„Einfrieren statt Pökeln und Einkochen – diese Errungenschaft hatte die Stadt für uns möglich gemacht. Die Fächer waren sehr begehrt“, blickte Silvia Müller in die 1960er-Jahre zurück. Sie wies aber auch darauf hin, dass die niedrigen Kosten von 38 Euro im Jahr nur gehalten werden konnten, „weil Gerhard Herling immer wieder Reparaturen selbst erledigte“.

Lang war die Liste der Helfer, die sich für den Abbau der Anlage in Eigenregie haben aufschreiben lassen, und auch derer, die sich um die Verpflegung kümmern wollen.

Hintergrund: Gefrieranlagen

Gemeinschaftsgefrieranlagen, durch die seinerzeit die Landbevölkerung gegenüber den Stadtbewohnern einen Vorsprung zur Frischehaltbarkeit durch Einfrieren hatte, wurden Standard in jedem Dorf. Gefriertruhen, wie sie heute zu jedem Haushalt gehören, waren noch unerschwinglich.

Der Gang zum Gefrierhaus war auch ein Teil der dörflichen Kommunikation, traf man dort doch fast immer jemand zum „Schwätzchen“. Aber es mussten auch Pflichten übernommen werden wie das Putzen – und dabei wollte niemand ins „Geschwätz“ geraden, denn es hatte sich schnell rumgesprochen, wer Putzdienst hatte.

In wenigen Dörfern gibt es weiterhin noch ein „Gefrierhaus“, wie im Hatzfelder Stadtteil Lindenhof, in Battenfeld sowie in der Burgwalddörfern Birkenbringhausen und Ernsthausen. wi

Von Willi Arnold

Einblick: Hier zeigt Vorsitzender Gerhard Herling sein Gefrierfach, das – wie alle anderen auch – bis zum 31. Dezember 2020 geräumt sein müssen.

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