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Hohe Inflation: Passanten in Korbach äußern sich besorgt über steigende Preise

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Von: Stefanie Rösner

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Für einen Beutel voller Lebensmittel müssen auch Verbraucher in Korbach deutlich mehr bezahlen als noch vor wenigen Monaten.
Für einen Beutel voller Lebensmittel müssen auch Verbraucher in Korbach deutlich mehr bezahlen als noch vor wenigen Monaten. © Sarah Volk

Bei einer kleinen Umfrage unserer Zeitung vor einem Lebensmittelgeschäft in Korbach wird deutlich, inwieweit die steigenden Verbraucherpreise die Kaufkraft der Passanten beeinflussen: Die Inflation schlägt voll zu.

Korbach – „Alles wird teurer“, sagt Beate Wagner. Besonders die steigenden Preise fürs Wohnen und für Lebensmittel bereiten ihr Sorgen. „Es ist nicht mehr schön“, sagt sie. Die Inflation ist deutschlandweit auf zehn Prozent geklettert, und Verbraucher spüren das nun täglich.

Beate Wagner ist Taxifahrerin und bekommt nach eigenen Aussagen den Mindestlohn. Als Single muss sie nun umso sparsamer haushalten. „Wenn man alleine ist, weiß man kaum noch, wie man leben kann“, berichtet sie. Nun suche sie sich eine kleinere Wohnung als ihre jetzige in Rhena, um weniger Nebenkosten zahlen zu müssen. „Aber man findet nichts.“ Die Nachfrage nach kleinen Wohnungen ist ihrer Erfahrung nach zurzeit so groß, dass Angebote schnell vergeben seien.

Auswirkungen der Energiekrise

Beate Wagner sitzt nicht gerne bei 19 Grad im Wohnzimmer, berichtet sie. „Ich habe schon mit Jacke auf dem Sofa gesessen.“ Dabei denkt sie auch daran, was die Auswirkungen der Energiekrise für andere bedeuten. „Was machen die Familien mit kleinen Kindern?“

Die Politik sollte noch mehr an die Menschen denken, die wenig haben, findet Beate Wagner. So sollte ihrer Meinung nach die Mehrwertsteuer bei vielen Produkten gesenkt werden.

Die stark gestiegenen Verbraucherpreise machen sich unmittelbar beim Lebensmitteleinkauf bemerkbar. Eine alte Frau, die in Korbach zum Einkaufen geht, bleibt trotzdem gelassen. „Ich habe immer meinen Einkaufszettel dabei und kaufe nur das, was ich unbedingt brauche“, sagt sie. Bislang komme sie auf diese Weise gut zurecht. Wenn dann aber mal besondere Dinge im Einkaufswagen landen, die sie seltener kauft, wie etwa bestimmte Kosmetikartikel, dann mache sich dies deutlich auf der Rechnung bemerkbar.

Sehr auf die Ausgaben achten

Eine Rentnerin, die sich gegenüber unserer Zeitung äußert, aber nicht mit Namen genannt werden will, zeigt sich bedrückt über die aktuellen Entwicklungen. Die 71-Jährige aus einem Diemelseer Ortsteil ist in Korbach wie die anderen auch vor dem Lebensmittelgeschäft anzutreffen und berichtet von dem beklemmenden Gefühl, das steigende Preise bewirken können.

„Ich muss sehr auf die Ausgaben achten“, sagt sie. Da sie auf dem Dorf wohne und häufiger nach Korbach und in andere Orte fährt, sei sie auf ein Auto angewiesen. Viel lieber würde sie öffentliche Verkehrsmittel nutzen. „Das 9-Euro-Ticket habe ich voll ausgenutzt.“ Doch nun mangele es an erschwinglichen Tickets und an verlässlichen, regelmäßigen Verbindungen zwischen den Orten. „Ich würde es begrüßen, wenn es bundesweit einen Nachfolger des 9-Euro-Tickets gäbe.“

An manchen Stellen sparen

Trotz aller Schwierigkeiten ist die 71-Jährige der Auffassung, dass sich die Menschen besser an die aktuellen Gegebenheiten anpassen könnten. „Ich will nicht jammern“, sagt sie. Sie wolle bewusst leben und an so manchen Stellen sparen. „Meine Generation ist es noch gewohnt, etwas herunterzuschrauben.“ Früher sei beispielsweise generell nicht so viel geheizt worden. Gleichwohl betont die Rentnerin: „Wir wollen die Zeit nicht zurückdrehen.“ Aber der Anspruch sei bei vielen Menschen noch unverhältnismäßig hoch. So könne sie nicht verstehen, wenn beispielsweise „immer noch Leute am Wochenende mit dem Auto zum Brötchenholen fahren“.

Bei der Umfrage wird deutlich, dass manche befürchten, dass die Gesellschaft verstärkt in Arm und Reich gespalten werden könnte. Dazu passt die Aussage eines älteren Mannes, die er ernst meint: Die Inflation sei für ihn „kein Thema“. „Ich habe genug Geld. So viel kann ich in meinem Leben nicht mehr ausgeben.“

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