Interview mit Al-Wazir zur B252: "Tempo 30 aus gutem Grund"

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Der Hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne)

Frankenberg. Anlässlich seines Besuchs in Frankenberg hat die HNA ein Interview mit dem Hessischen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir geführt.

Dabei ging es um verkehrspolitische Themen im Landkreis wie die Bahnstrecke Frankenberg-Korbach, die am 14. September in Betrieb geht und die geplanten Ortsumgehungen der B 252 zwischen Dorfitter und Lahntal.

Herr Al-Wazir, eigentlich ist kein Güterverkehr auf der neuen Bahnstrecke vorgesehen. Können Firmen wie Viessmann, Continental oder Finger-Haus, die viele und große Waren transportieren, irgendwann auch die Bahnstrecke nutzen? 

Tarek Al-Wazir: Bei der Reaktivierung der Strecke geht es in erster Linie darum, den Personennahverkehr und den Tourismus in der Region zu stärken. Wenn es aus der lokalen Wirtschaft Anfragen geben sollte, auch mal einen Güterzug vereinzelt auf der Strecke fahren zu lassen, wird die Kurhessenbahn dies sicher prüfen. Wenn man dadurch Verkehr von der Straße bekommt, spricht da aus meiner Sicht auch nichts dagegen. Aber um das dazuzusagen: Für überregionalen Güterverkehr ist diese nicht elektrifizierte Strecke ungeeignet - nicht zuletzt wegen der eingleisigen Streckenführung. Und einen konkreten Bedarf haben die Firmen auch noch nicht angemeldet. Also, wir wollen jetzt erstmal den Personenverkehr zum Laufen bekommen.

Derzeit wird die B 253 über die Sackpfeife ausgebaut, die B 252 bekommt bei Dorfitter und zwischen Münchhausen und Lahntal Umgehungen. Wie geht es dort weiter? 

Al-Wazir: Der Bundesverkehrsminister hat vor einer guten Woche für beide Bauabschnitte die Mittel freigegeben, insgesamt 85 Millionen Euro. Für Hessen-Mobil heißt das, sie können jetzt mit den konkreten Bauvorbereitungen beginnen. Und die sind in diesem Fall ziemlich umfangreich. Auf der Strecke von Münchhausen nach Lahntal muss beispielsweise eine große Gasleitung verlegt werden. Da muss man viel beachten, nicht zuletzt Sicherheitsaspekte. Baubeginn könnte im Herbst 2016 sein.

Von der geplanten Ortsumgehung der B252 bei Ernsthausen hat man lange nichts mehr gehört. 

Al-Wazir: Bislang haben wir kein Signal vom Bund, dass er für diese Strecke die notwendigen Mittel bereitstellt. Deshalb treibt Hessen-Mobil derzeit auch vorrangig andere Projekte voran, für die es eine konkrete Finanzierungsperspektive gibt. Im Klartext: Es werden erstmal die Strecken fertig geplant, wo die Bagger dann auch absehbar rollen können. Sobald der Bund uns einen Hinweis gibt, dass er Geld für den Abschnitt zwischen Burgwald und Ernsthausen freigibt, wird Hessen-Mobil darauf reagieren.

Ein Ärgernis für viele Autofahrer ist die „Blitzermeile“ auf der B252 zwischen Münchhausen und Lahntal. Bleiben die Tempo30-Zone dort, bis die Ortsumgehungen fertig sind? 

Al-Wazir: Ja, so ist das derzeit vorgesehen. Und offen gesagt, halte ich das auch für richtig. Denn die Tempo-30-Schilder ärgern zwar viele Autofahrer, aber sie stehen da ja aus einem bestimmten Grund. Es geht hier um den Schutz der Anwohner vor übermäßigem Verkehrslärm. Im Übrigen gilt die Geschwindigkeitsbeschränkung auf der gesamten Strecke nur für die Nacht, zusätzlich in Niederwetter aus Gründen der Verkehrssicherheit auch am Tag. Und da die Mittel für die Ortsumgehungen jetzt bereitstehen ist ja auch klar, dass die langfristige Lösung des Problems bald angegangen wird.

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