Die Schauspielerin schilderte die intensive Ensemblearbeit

Iris Berben sprach in Frankenberg über „Das Zeugenhaus“

Literaturkritiker trifft Filmstar: Der bekannte Schriftsteller und Journalist Willi Winkler kam mit dem Publikumsliebling Iris Berben in ein lebhaftes Gespräch über das Leben der Schauspielerin und ihr Verhältnis zur Zeitgeschichte. Foto:  Völker

Frankenberg. „Großes Kino in einer kleinen Stadt" stellte Festival-Organisatorin Christiane Kohl fest, als sie am letzten Tag des „Literarischen Frühlings 2015" in Frankenbergs traditionsreichem Thalia-Filmtheater der Familie Ortwein den Publikumsliebling Iris Berben begrüßte.

Ergriffen, beklommen, schweigend hatte das Publikum auf die Filmszenen mit Tätern und Opfern der Nürnberger Prozesse im „Zeugenhaus“ reagiert, und erst als die Hauptdarstellerin den Kinosaal betrat, löste sich diese Spannung in herzlichen Beifall auf.

Die Schauspielerin, die anschließend mit dem Schriftsteller Willi Winkler den Film wie auch Stationen ihres Lebens reflektierte, gewann sofort mit ihrer ebenso ehrlichen wie charmanten Art die Sympathien der Besucher. Ja, die Figur der Gräfin Belavar, „die die Zuschauer an der Hand nimmt, die Türen öffnet und sie durch die Stuben führt“, habe sie verunsichert, weil sie sich für die Rolle selbst habe „total reduzieren“ müssen, gab Iris Berben zu.

Sie schilderte die intensive Ensemblearbeit, immer auf der Suche nach der „kraftvollsten Form, diesen Stoff zu präsentieren“. Motive aus dem dokumentarischen Roman „Das Zeugenhaus“ von Christiane Kohl dienten dem Film als Vorlage (Artikel links oben).

Ehrlichkeit auch hier: „Ich habe nie eine Schauspielschule besucht“, gestand Iris Berben auf Winklers Frage, woher sie die Fähigkeit nehme, sich in jede Rolle einzufühlen, denn „Sie können ja alles!“ Sie beobachte Menschen sehr sorgfältig und höre ihnen zu, berichtete die Schauspielerin.

Und so habe sie von „guten Kollegen, die ihr Handwerk beherrschen, sehr viel gelernt“. Sehr vorsichtig habe sie sich beispielsweise der Figur der Cosima Wagner („Der Clan“), einer „Frau des Antisemitismus in seiner ausgeprägtesten Form“, angenähert.

Mit 18 Jahren ist Iris Berben mit Freunden zum ersten Mal nach Israel gereist und dabei einer Frau begegnet, die noch die eintätowierte KZ-Nummer auf ihrem Arm trug. Seitdem habe sie die moralische Verantwortung gegenüber den Opfern des Nazi-Regimes, die in ihrem eigenen Geschichtsunterricht noch kein Thema gewesen seien, nicht mehr losgelassen. Auch als Schauspielerin wolle sie auf ihre Rechte in der Demokratie - dazu gehöre unter anderem ihre Unterstützung der SPD - nicht verzichten, sondern klare Haltungen und Konturen zeigen.

Produziert wurde „Das Zeugenhaus“ von ihrem Sohn Oliver. „Er hatte das Buch gelesen. Es ist seiner Hartnäckigkeit zu verdanken, dass dieser wichtige Stoff verfilmt wurde“, unterstrich Iris Berben. „Und ich wollte daran gern teilhaben.“ Auf ihr Mutter-Sohn-Verhältnis beim Filmschaffen befragt: „Wir gehen auf gleicher Augenhöhe sehr professionell miteinander um.“ Moderator Winkler: „Sie beide sind wirklich eine ganz besondere Symbiose.“ (zve)

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