Waldeckische Domaniaverwaltung steht vor großer Herausforderung

Jagd neu regeln, Waldbesucher lenken: Ist der Wald noch zu retten?

Mitten im Wald ist ein Zaun gezogen. Links stehen große Fichten. Rechts davon sind viele jüngere Bäume zu erkennen.
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Verjüngungsfläche im Wald: Innerhalb des wilddichten Zaunes (rechts) finden sich junge Tannen, Buchen, Fichten, Bergahorn und Birken, außerhalb des Zaunes sind kaum junge Bäume vorhanden.

Einschränkungen für die Jagd und die touristische Nutzung des Waldes stehen an, um die Wiederaufforstung im Bereich des waldeckischen Domanialwaldes nicht zu gefährden. Dazu schreibt der stellvertretende Leiter der Domanialverwaltung, Hendrik Block.

Waldeck-Frankenberg – Die vergangenen drei Jahre mit häufigen Stürmen und Trockenheit in Verbindung mit Rekordtemperaturen haben deutliche Spuren im Wald hinterlassen. Windwurf, Borkenkäfer und Trockenstress haben rund 20 Prozent der Waldbestände in unserer Region zerstört oder stark geschädigt.

Vom Kommunalwald im Landkreis bezogen (insgesamt 35 148 Hektar, eingeschlossen 19.000 Hektar der Domanialverwaltung) sind schätzungsweise mehr als 6000 Hektar Waldbestände abgestorben, die in den nächsten Jahren zur Wiederbewaldung anstehen.

Wald erfüllt viele wertvolle Funktionen

Die schnelle Wiederherstellung der Waldfunktionen und der Umbau des Waldes zu einem klimastabilen Mischwald muss im öffentlichen Wald oberste Priorität haben, da der Wald mit seinen vielfältigen Funktionen (Lebensraum, Trinkwasserspeicher, Klimaschutz, Erholungs- und Wirtschaftsraum, etc.) eine wichtige Lebensgrundlage für Mensch und Natur darstellt.

Auf vielen Standorten ist das ausschließliche Setzen auf Naturverjüngung keine Option, da entweder Samenbäume in der Nähe fehlen. Auf ehemals fichtendominierte Standorten sind daher Kulturanlagen erforderlich.

Die Kosten für diese Wiederbewaldung sind hoch und mit Risiken wie trockenen Frühjahren verbunden. Damit die Waldbesitzer die Wiederbewaldung überhaupt bewältigen können, muss diese aus der Kombination geeigneter Naturverjüngungen, Ergänzungspflanzungen und Neuanlagen von Kulturen bestehen. Ziel ist es, auf 60 Prozent der Flächen mit Naturverjüngung zu arbeiten.

Wild bevorzugt junge Pflanzen und junge Triebe

Für die restlichen 40 Prozent sind dann immer noch rund 30 Millionen Euro öffentliches Geld notwendig, um die Schäden in den Kommunalwäldern zu bewältigen.

Bei der Entwicklung einer artenreichen Naturverjüngung und auch bei der Einbringung von Mischbaumarten ist in vielen Bereichen des Landkreises der Einfluss durch Schalenwild wie Reh-, Rot-, Muffel- und Damwild ein bedeutender Faktor. Die Pflanzen werden auf vielen Flächen vom Wild stark verbissen.

Ein slowakischer Pflanzer bringt mit seinen Kollegen junge Eichen in den freigeräumten Boden im Mengeringhäuser Stadtwald. Hier haben Stürme, Borkenkäfer und Trockenheit den Wald vernichtet.

Die jungen Bäume haben dort keine Chance sich zu etablieren, da die Keimlinge im ersten Jahr entweder direkt gefressen werden oder die Wachstumseinbußen durch wiederholtes Zurückbeißen so stark sind, dass die Hauptbaumarten oder krautige Begleitvegetation sie überwachsen. Es entsteht eine Entmischung der Baumarten und ein Verlust der ökologischen Vielfalt.

Jagd neu regeln, Waldbesucher lenken 

Aktuell müsste die Domanialverwaltung rund zehn Millionen Euro für den Schutz vor Wildverbiss aufwenden, damit klimastabile Mischbaumarten sich auf den Aufforstungsflächen überhaupt etablieren können. Vor diesem Hintergrund hat die Domanialkommission entschieden, dass zukünftig die Jagd im Domanialwald an den Zielen der Wiederbewaldung und des Waldumbaues beispielhaft ausgerichtet werden soll.

Zum einen soll eine erfolgreiche Wiederbewaldung mit angemessen niedrigen Kosten für Schutz vor Wildverbiss gelingen und zum anderen ein gesunder, angepasster Wildbestand angestrebt und erhalten werden, der seinen Lebensraum bestmöglich nutzen kann.

Verzicht auf Neuverpachtung

Dazu sollen verschiedenen Maßnahmen gesetzt werden. Als Grundlage werden für die gesamte Fläche standörtlich angepasste Wiederbewaldungsziele festgelegt. Die Erreichung dieser Ziele wird mit einem Monitoringsystem aus Probeflächenpaaren - einmal wilddicht umzäunt und einmal ohne Zaun - überwacht. So kann der tatsächliche Einfluss des Wildes auf die Zielerreichung ermittelt werden.

Bei einer Gefährdung der Ziele durch Wildeinfluss können entsprechende jagdliche Maßnahmen gesetzt werden. Um die Konzepte eines ganzheitlichen Schalenwildmanagements großflächig umsetzen zu können, werden im Laufe der nächsten Jahre bestimmte Jagdreviere nicht weiterverpachtet und als sogenannte Regiejagd geführt werden.

Auf Wiederaufforstungsflächen schwerpunktmäßig jagen

Innerhalb der Regiejagden wird die Jagd anhand wildbiologischer Erkenntnisse so gestaltet, dass der Jagddruck auf das Wild möglichst gering ist und das Wild den Lebensraum möglichst gut nutzen kann. Dazu gehören Schwerpunktbejagung auf Wiederbewaldungsflächen, Jagdruhezonen in nicht gefährdeten Bereichen und eine Intervalljagd, um dem Wild auch immer wieder Ruhe zu gewähren.

Auch durch forstliche Maßnahmen soll die Wildschadensanfälligkeit des Waldes verringert werden und der Lebensraum durch Nahrung, Deckung und Ruhe für das Wild insgesamt verbessert werden.

Verbissschäden müssen verhindert werden

Für die Schaffung von Wildruhezonen muss aber nicht nur die Jagd ruhen, sondern auch der Besucherdruck, vor allem beim Vorkommen von Rotwild in diesen Bereichen reduziert werden. Dazu sollen Besucherlenkungskonzepte mit den Akteuren des Tourismus und den Kommunen entwickelt werden.

Diese Maßnahmen tragen dazu bei, dass das Wild das natürliche Äsungsangebot besser nutzen kann und so letztendlich auch der Verbiss an den Waldbäumen verringert wird.

Förster und Jäger müssen zusammenarbeiten

Ganz wichtig wird es sein, dass die Jäger die Waldbesitzer bei der Bewältigung der Schäden im Wald unterstützen. In den Regiejagden werden örtliche Jäger bei der Jagd beteiligt und in den verpachteten Revieren soll eine intensive und partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Förstern und Jägern erfolgen.

Dazu soll - sobald es die Corona-Lage zulässt - ein Forst- und Jagddialog etabliert werden. Dort sollen auch die anderen Waldnutzer wie beispielsweise die Tourismusakteure mit einbezogen werden, um gemeinsam Lösungen die dem Wald, dem Wild und den Menschen zugutekommen zu erarbeiten.

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