Jackson Browne: Downhill from Everywhere

Jackson Browns Folkrock mit Tiefe

Jackson Browne: Downhill from Everywhere
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Jackson Browne: Downhill from Everywhere.

Singer-Songwriter Jackson Browne aus Los Angeles veröffentlicht sein 15. Album. „Downhill From Everywhere“ klingt eindringlich, sentimental - wie in den 70ern. 

In der markanten Stimme des heute 72-jährigen liegt immer noch diese tiefe Sehnsucht. Ein Romantiker war der Kalifornier, der in Heidelberg geboren wurde, ja schon Anfang der 70iger. Mit Songs wie „Late for the Sky“ oder „Running On Empty“ berührte er, schrieb Hits für viele andere Bands jener Zeit (zum Beispiel „Take it Easy“ für die Eagles) und prägte den Folk- und Countryrock in den USA mit.

Auch die neuen Songs atmen den alten, sanften Zauber. Der Opener „Still Looking for Something“ groovt lässig rund, „My Cleveland Heart“ gibt rockiger Gas, und „Minutes to Downtown“ oder „Love is Love“ laden zum Träumen und Mitwippen. Das poppige „The Dreamer“ bietet neben dem schönen, mehrstimmigen Gesang einen sonnigen Latino-Einschlag - im typischen LA-Westcoast-Sound. Besonders spannend klingt der „Song for Barcelona“ – eine fast neunminütige, relaxt-feurige Liebeserklärung an die katalonische Metropole im Rumba-Rhythmus. Emotionaler Höhepunkt ist die Piano-Country-Ballade „A Human Touch“, Jacksons Duett mit der Brooklyner Sängerin Leslie Mendelson – eine atmosphärisch dichte Streicheleinheit mit Hitverdacht.

Der schlanke Retro-Sound ist auf das Wesentliche konzentriert. Stimme, Schlagzeug, Bass, Piano und Gitarre - das genügt. Besonders stimmungsvoll sind die auf den Punkt gespielten E-Gitarren- und Pedal Steel-Soli von Greg Leisz und anderen Gast-Gitarristen, auch wenn sie nicht die Virtuosität des Spiels von David Lindley, Jackson Browns altem Wegbegleiter, haben. Diese Mixtur aus Pop, Rock, Folk, Blues und Country zündet trotzdem zeitlos – ein schöner Background für biografische Tiefe, aber auch für gesellschaftskritischen Biss. Der Links-Intellektuelle der amerikanischen Songwriterszene und bekannte Umweltaktivist nimmt erneut gesellschaftliche und ökologische Missstände aufs Korn. Geradlinig schroff rockend widmet er sich beim Titelsong dem zerrütteten Traum von Trumps Amerika und mahnt zum respektvollen Umgang mit den Weltmeeren. Also, insgesamt kein modern klingendes, aber brandaktuelles Album mit Tiefe.

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