100 Jahre Erster Weltkrieg

Jahreswechsel 1914 verlief „mit großer Zuversicht, Ernst und Würde“

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Auf ein siegreiches Neues Jahr: So grüßte aus Belgien der Gemündener Landsturmmann Jacob Trümner Sivester 1914. Er wünschte sich zugleich „ein gesundes und baldiges Wiedersehen“. Die Karte wird gezeigt im Stadtmuseum Gemünden.

Frankenberg. Die Silvesternacht 1914 verlief im Frankenberger Land ruhig und ohne die sonst üblichen Böllerschüsse. Um Mitternacht läuteten zwar die Glocken der Frankenberger Liebfrauenkirche wie gewohnt, aber „über der sonst in der Stadt ausgebreiteten ernsten Stille“.

Dafür hatten schon Tage zuvor amtliche Bekanntmachungen des Generals Alfred von Haugwitz vom XI. Armeekorps in Kassel, zuständig für innere Sicherheit, Pressezensur und Propaganda, gesorgt.

Die Bevölkerung wurde aufgefordert, den Jahreswechsel angesichts des Kriegszustandes „in fester Zuversicht, aber mit Ernst und Würde zu begehen“. Der General schrieb: „Abgesehen davon, dass ich während der Neujahrsnacht jede Schießerei, sowie das Abbrennen von Kanonenschlägen und Feuerwerkskörpern jeder Art verbiete, sehe ich im übrigen von besonderen Verkehrseinschränkungen ab, indem ich bei dem gesunden und vaterländischen Empfinden der Bevölkerung vertraue, diese werde selbst dafür Sorge tragen, dass alles unterbleibt, was dieser großen und ernsten Zeit nicht würdig ist.“

Das Kasseler Generalkommando erinnerte zum Jahresende an die anfänglichen Erfolge im Westen wie im Osten, wo „unsere tapferen Heere nicht nur die Grenzen unseres Vaterlandes gegen den Ansturm der an Zahl überlegenen Gegner geschützt, sondern sogar durch unvergleichliche Taten den Krieg weit in die Gebiete des Feindes hineingetragen haben“.

Bei allem Stolz darüber „geziemt es dennoch nicht, rauschende Festlichkeiten oder lärmende Kundgebungen zu veranstalten, während Hunderttausende unserer tapferen Krieger zu Wasser und zu Lande ihr Leben für unseres Vaterlandes einsetzen und zahllose Familien den Verlust ihrer Ernährer, ihrer besten Söhne betrauern.“

Noch einige Wochen zuvor war die Stimmung der bürgerlichen Eliten geprägt von Kriegsbegeisterung, Siegesgewissheit und Selbstherrlichkeit. Frankenberger Seminaristen meldet sich begeistert für das Abenteuer Krieg, das eigentlich Weihnachten schon zu Ende sein sollte - diese Euphorie war Silvester 1914 angesichts der Stellungskriege längst verflogen.

Bei aller Opferbereitschaft der Menschen an der „Heimatfront“, denen der Krieg von der Propaganda als notwendige Selbstverteidigung und gerechte Sache dargestellt worden war - allmählich wurden nicht nur die täglichen Verlustmeldungen, sondern auch die wirtschaftlichen Einschränkungen zur schweren Last.

Zum Jahreswechsel 1914/15 appellierte die Heeresleitung auch im Kreis Frankenberg, äußerst sparsam mit den Nahrungsmitteln umzugehen. Während echtes Weizenbrot nur noch „den Kranken und Schwachen“ vorbehalten war, hieß es für alle anderen: „Esst Kriegsbrot!“, kurz „K-Brot“. Ihm wurden 10 bis 20 Prozent Kartoffelmehl, später auch Eicheln oder Kastanien zugemischt.

Die Feldpost war zu Weihnachten und Silvester 1914 mit mehreren Millionen Sendungen täglich für die Soldaten an den Fronten ausgelastet.

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Von Karl-Hermann Völker

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