Festakt am 8. März

800 Jahre Löhlbach: Feuer, Kriege und großer Fleiß

Dorf des Handwerks: Die Arbeit der Zimmerleute aus Löhlbach, hier ein Foto aus der Zeit kurz nach 1900 im Werk Wilhelmi, wurde in der ganzen Region wegen ihrer Qualität geschätzt.

Löhlbach. Auf acht bewegte Jahrhunderte mit Armut, Kriegen, Dorfbränden, Fleiß und großem Aufbauwillen schaut Löhlbach in diesem Jahr zurück.

Ein Festakt am kommenden Sonntag ab 13.30 Uhr im Bürgerhaus ist der offizielle Auftakt der 800-Jahr-Feier.

Vor 800 Jahren gaben die Zisterziensermönche die Aulesburg auf und legten den Grundstein für ihr künftiges Kloster in Haina, aber ihre Untertanen im benachbarten Dorf „Louvelbach“ blieben zurück. In einer Klosterurkunde von 1215 wird diese vermutlich schon sehr viel ältere Siedlung erstmals erwähnt, Grund für die Löhlbacher in diesem Jahr, sich bei einer Jahrhundertfeier noch einmal die bewegte, manchmal geradezu dramatische Geschichte ihres Dorfes vor Augen zu führen.

In den Jahrhunderten zuvor hatten Territorialstreitigkeiten, Kriege und Hungersnöte Löhlbach mehrfach bedroht: 1260 brannten die Vögte von Keseberg nach einem Streit um die Gerichtsbarkeit mit dem Kloster Haina das Dorf kurzerhand nieder, viele Häuser und die Kirche wurden im Dreißigjährigen Krieg stark beschädigt, nach überstandenem Siebenjährigem Krieg rafften die „schwarzen Blattern“ (Pocken) zwischen 1763 und 1784 fast über 80 Einwohner dahin. Ab 1816 gab es mehrere so großer Hungersnöte, dass aus den Nachbargemeinden Brot gespendet werden musste. Viele Bürger suchten ihr Heil in der Auswanderung.

„Die hiesigen Einwohner zeichnen sich vor vielen anderen durch einen regen Fleiß aus, und sie scheuen keinen Weg und keine Beschwerde, um in der Nähe und in der Ferne ihren Lebensunterhalt zu erwerben“, heißt es in einer Befragung aus dem Jahr 1860, als in Löhlbach 128 Familien mit „864 Seelen“ lebten. Kleinbäuerliche Landwirtschaft in schwieriger Mittelgebirgslage, nicht ausreichende Mengen an Brotgetreide, 35 Handwerker, von denen viele ihre Arbeit auch außerhalb des Dorfes suchen mussten, lange Fußwege zur nächsten Poststation in Haina - das Leben in Löhlbach war hart und entbehrungsreich.

Am 9. Mai 1896 vernichtete eine Brandkatastrophe innerhalb von zwei Stunden 30 Häuser, von 950 Einwohnern wurden 111 obdachlos. Man begann sofort mit dem Wiederaufbau, mehr noch: 1900 erhielt Löhlbach eine neue Schule, 1904 eine Wasserleitung, bis 1913 wurde mit einer Verkoppelung Voraussetzungen für eine moderne Landwirtschaft geschaffen. Zwei Weltkriege mit vielen Opfern brachten wieder große Rückschläge.

Doch dann gab es im 20. Jahrhundert auch Gewerbeansiedlungen, nach 1955 blühte der Fremdenverkehr auf, 1970 lud ein beheiztes Schwimmbad ein. Als Ortsteil von Haina nach der Gebietsreform ab Oktober 1971 ging es weiter aufwärts mit Feuerwehrhaus, Ortstraßenbau, Kanalisation, Fremdenverkehr und Bau eines neuen Bürgerhauses.

Von Karl-Hermann Völker 

Dass um 1800 Löhlbacher Männer Einzugsgeld bezahlen mussten, wenn sie Frauen aus anderen Dörfern heirateten, dass bei der letzten noch halbwegs freien Reichstagswahl am 5. März 1933 in Löhlbach den 138 NSDAP-Stimmen immer noch 184 für die SPD und 146 für die KPD entgegen standen und viele weitere Informationen über die Geschichte des Ortes, lesen Sie in der gedruckten Freitagausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

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