Traumatische Erlebnisse

Vor 70 Jahren: Erinnerungen an den Tiefflieger-Angriff auf Rennertehausen

Erinnern an die Bombardierung: (von links) Walter Sellmann, Werner Beykirch, Helene Inacker (85 Jahre), Christine Born geb. Dauber (85 Jahre) mit einem Foto ihres Elternhauses, Erika Hesse (64 Jahre), Helene Wolf (80 Jahre) und Erwin Hofmann (73 Jahre). Christine Born verlor bei dem Angriff zwei Schwestern und ihre Großmutter. Im Hintergrund das wieder aufgebaute Haus. Foto: Hoffmeister

Rennertehausen. Bei einem Fliegerangriff auf den heutigen Allendorfer Ortsteil Rennertehausen wurden am 6. Oktober 1944 neun Menschen getötet. Es war für alle Betroffenen ein traumatisches Erlebnis: Zeitzeugen erinnern sich.

Vor 70 Jahren, am 6. Oktober 1944, wurden bei einem Tieffliegerangriff neun Menschen in Rennertehausen getötet. Zwei Wohnhäuser und drei Scheunen gingen in Flammen auf. Besonders heftig traf es die Familie Dauber: Die heute 85-jährige Christine Born, geb. Dauber, verlor ihre Schwestern Louise (21) und die gerade einmal zwei Jahre alte Elisabeth. Im Wohnhaus der Daubers verbrannte Großmutter Helene Dauber (73). Kühe und Schweine wurden getötet. Der Vater und der älteste Bruder waren im Krieg. „Das war so schwer“, sagt Christine Born, wenn sie an die schlimme Zeit zurück denkt.

Wenige Tage vor dem Jahrestag der Bombardierung hatte der pensionierte Rektor Walter Sellmann einige noch lebende Zeitzeugen in Rennertehausen zusammengebracht. Gastgeber für die Gesprächsrunde waren die Eheleute Inge und Werner Beykirch, die das Haus der Familie Dauber heute bewohnen.

Historisches Foto: So sah der Grünweg im Allendorfer Ortsteil Rennertehausen während des Zweiten Weltkrieges aus. Früher war es die Bahnhofstraße. Links das Haus der Familie Dauber. Repro: off

„Als die Flieger kamen, war ich mit meiner Mutter auf dem Acker und sollte Dickwurz ausmachen“, erinnert sich Christine Born. Schutz vor den Tieffliegern suchte sie in einem Graben, die Mutter flüchtete unter einen Wagen. Wenig später sah Christine Born Feuer im Dorf, ahnte aber noch nichts von der Tragödie. „Ich ging direkt an der Bahnlinie hoch. Wir dachten, unser Haus sei nicht betroffen“, berichtet Christine Born. „Da stand der Zug. Verwundete lagen dort und schrieen vor Schmerzen. Ich sah aber bloß unser Wohnhaus in Flammen. Die Nordwand war umgefallen. Von außen konnte man die Möbel sehen.“

An der Straße, dem heutigen Grünweg (früher: Bahnhofstraße) fand die damals 14-jährige Christine Dauber ihre beiden Schwestern. Eine war bereits tot, die zweite starb wenig später im Frankenberger Krankenhaus. Innerhalb des Gebäudes war Großmutter Helene Dauber bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.

Von Thomas Hoffmeister

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