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Junger, verletzter Wanderfalke wird derzeit gesund gepflegt

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Von: Julia Janzen

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Drei junge Wanderfalken
Verletzter Wanderfalke: Eines dieser Jungtiere hat sich, wahrscheinlich bei einem Flugversuch, an der Hüfte verletzt. © Thorsten Kleine/NABU Korbach

Seit einigen Jahren leben wieder Wanderfalken in Korbach. Das Brutpaar, das derzeit drei Jungtiere hat, ist in der Altstadt Zuhause. Dort wurde kürzlich einer der jungen Vögel verletzt gefunden. Das Tier, das eine lädierte Hüfte hat, wird derzeit wieder gesund gepflegt.

„Mittlerweile haben wir in Korbach die größte Wanderfalken-Kolonie Nordhessens“, sagt Dr. Peter Koswig, Vorsitzender des Korbacher Naturschutzbundes NABU. Seit gut sieben Jahren gebe es die Population und damit erstmals seit Jahrzehnten überhaupt wieder Wanderfalken in der Kreisstadt. Ende Mai wurde ein, so schätzt Koswig, drei bis vier Wochen alter Falke gefunden. Die Finder hätten sich Sorgen gemacht, weil das Tier humpelte. Zudem hatte sich bereits eine Katze herangepirscht. Die besorgten Bürger riefen das Korbacher Tierheim an.

Dort sei der Vogel kurzzeitig aufgenommen worden, berichtet Nadine Hankel vom Tierheim. „Wenn das Tier nicht verletzt gewesen wäre, wären wir gar nicht tätig geworden“, sagt sie. Es sei nämlich durchaus normal, dass sich junge Vögel auch mal am Boden befinden in der Zeit, in der sie das Fliegen lernen. „Der erste Flugversuch geht manchmal in die Hose“, sagt auch Peter Koswig. In der Regel würden sich die Tiere dabei nicht verletzen.

Bei dem jungen, gefundenen Falken war das anders. Mitarbeiter des Tierheims hatten ihn zunächst zur Vogelpflegestation in Marsberg-Essentho gebracht. Betreiber Wilfried Limpinsel hat den Vogel untersuchen lassen, dabei wurde die Verletzung an der Hüfte festgestellt. Der Tierarzt habe daraufhin empfohlen, den Falken zunächst weiter in Essentho zu versorgen. Er sei auf dem Weg der Besserung, sagt Limpinsel, und „wird an seinem Fundort freigelassen, sobald er ganz gesund und selbstständig ist“.

Bis dahin könnte der Familienverbund allerdings zerfallen sein, wie es bei den Tieren nach einer gewissen Zeit üblich ist. Als er gefunden wurde, sei er so gut wie ausgewachsen gewesen. Der NABU habe die Brut „sehr gut im Blick“, sagt Koswig. Immer wieder kontrolliere man, ob es den Tieren gut gehe.

Denn das ist nicht selbstverständlich, die Tierart erholt sich in Europa zwar, heißt es auf der Internetseite des NABU. Doch insgesamt sei es „eine seltene Tierart“, so Koswig. Früher seien Wanderfalken in Deutschland teils sogar bewacht worden, auch weil es immer wieder zu Abschüssen und Vergiftungen gekommen sei. Auch Eier seien manches Mal gestohlen worden. Das bestätigt auch Silke Hartmann. Die gebürtige Korbacherin ist Vogelexpertin und berichtet, dass in Deutschland leider immer wieder Greifvögel beispielsweise vergiftet würden.

Bei Vögeln – egal welcher Art – die am Boden entdeckt werden, rät sie dazu, diese nicht mitzunehmen. „Sie brauchen in der Regel keine Hilfe“, betont sie. Eine Ausnahme sei, wenn ein Tier sichtbar verletzt sei. Nadine Hankel vom Korbacher Tierheim sagt, dass häufig angerufen werde, wenn jemand einen Vogel am Boden sieht. Eingreifen müssen die Tierschützer in der Regel nicht. jj

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