Kakteen ragen ins Glasdach

Botanischer Garten in Marburg benötigt Millionen für Gewächshaus-Sanierung

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Die acht Schau-Gewächshäuser des Neuen Botanischen Gartens auf den Marburger Lahnbergen müssen dringend saniert werden.

Die Schau-Gewächshäuser des Neuen Botanischen Gartens auf den Marburger Lahnbergen entführen auf die Kanaren, in die Tropen und die Wüste. Doch die Glashäuser müssen dringend saniert werden. Ein Viertel der Kosten muss durch Spenden aufgebracht werden.

Im Wüstenhaus ragen meterhohe Säulenkakteen bis an die gläserne Decke. Im Teich des Wasserpflanzenhauses blüht die Victoria-Seerose, deren Blätter so groß sind, dass sie kleine Kinder tragen kann. Im Farnhaus schwebt der Geweihfarn wie eine riesige, künstlerische Skulptur in der Höhe. Wie Bananen, Ananas, Papayas und Kakao in der Natur wachsen, zeigt das Nutzpflanzenhaus. In den acht Schaugewächshäusern des Uni-Gartens können die Gäste quasi eine Weltreise unternehmen.

„Man sieht die Pflanzen nicht nur, man riecht und fühlt sie auch“, sagt Leiter Dr. Andreas Titze. So ist es heiß und feucht im zwölf Meter hohen Tropenhaus, wo sich Orchideen und Lianen dem Licht entgegenstrecken. Im Australienhaus riecht es wie im fernen Outback nach ätherischen Ölen.

Doch die acht Schaugewächshäuser und die 23 Anzucht- und Sammlungshäuser stammen noch aus den 70er-Jahren. Damals wurden sie ebenso wie der gesamte Garten von Günther Grzimek konzipiert, einem Neffen des berühmten Zoologen. Heute stehen die Glas-Stahl-Konstruktionen unter Denkmalschutz. Die Beschattungen sind defekt, die Belüftung fällt ständig aus und vor allem: Die Häuser sind kaum mehr tragbare Energiefresser.

Geplant ist eine Sanierung, deren Kosten auf fünf Millionen Euro geschätzt werden. 1,25 Millionen Euro sollen von Spenden finanziert werden. Deshalb werden stellvertretend für die 8000 Pflanzenarten im Botanischen Garten ebenso viele Pflanzenfreunde gesucht, die sich ab 35 Euro für das Spenderbeet engagieren können. Neben dem Bienenpavillon werden in diesem Beet ab Herbst 8000 insektenfreundliche Stauden und Frühjahrsblüher gepflanzt, sodass dort Krokusse, Wildtulpen, Zierlauch, Königskerzen, Astern, Salbei, Thymian und Witwenblumen erblühen.

Geworben wird natürlich auch für Großspender aus Wirtschaft, Universität und Stiftungen. So kann zum Beispiel gezielt für die Orchideenhäuser, die Arnika-Anzucht, das Kanaren- oder das Schmetterlingshaus gesponsert werden. Schirmherrin der Kampagne ist Floria von Hessen, eine entfernte Nachkommin der heiligen Elisabeth und leidenschaftliche Gärtnerin.

Frühestens 2022 werden dann die Handwerker aktiv, um mehr als 5000 Quadratmeter Glas und Sprossen auszutauschen, Sockel und Träger zu festigen sowie die Elektrik komplett zu modernisieren. Darüber hinaus soll es ein neues Eingangshaus mit einem kleinen Shop sowie einen modernen Seminarraum für die „Grüne Schule“ geben, die Workshops über Kakao, Kaffee, den Regenwald oder Heilpflanzen für Schulklassen, Kitas und Gruppen bietet.

Angesichts der Corona-Krise können die Schaugewächshäuser aktuell nur von außen besichtigt werden. Als Ausflugsziel offen steht aber der große Park, der sich über 20 Hektar erstreckt. Iris Rubinich von der Uni-Stabsstelle Fundraising (Beschaffung von Spendengeldern): „Das ist eine Oase der Ruhe für Menschen, die keinen Garten haben – wie ein Kurzurlaub.“

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Der Neue Botanische Garten auf den Marburger Lahnbergen ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Die Eintrittspreise wurden wegen der Corona-Einschränkungen auf zwei Euro für Erwachsene und ein Euro für Studierende und Jugendliche ab 15 Jahren gesenkt. Kinder haben freien Eintritt. Weitere Informationen zur Spendenkampagne: Iris Rubinich, Tel. 0 64 21/ 28 25 038, ich-blüh-für-dich.de.

Das Wüstenhaus ist eines der spektakulären Schaugewächshäuser.

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