Wintereinbruch sorgt für Probleme

Kampf gegen die Schneemassen in Waldeck-Frankenberg

In den Straßen in Frankenberg war der Räumdienst des Betriebshofs den ganzen Tag unterwegs – hier Swen Jäger in der Wilhelmstraße.
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In den Straßen in Frankenberg war der Räumdienst des Betriebshofs den ganzen Tag unterwegs – hier Swen Jäger in der Wilhelmstraße.

Der heftige Wintereinbruch hat auch in Waldeck-Frankenberg für Beeinträchtigungen auf den Straßen und Schienen sowie für einen Dauereinsatz bei den Streu- und Räumdiensten gesorgt.

Waldeck-Frankenberg - Wegen des Berufsverkehrs stellte sich die Situation vielerorts am Montag noch schwieriger dar als am Sonntag. Hier ein Überblick über die Situation in Waldeck-Frankenberg.

Polizei: Wenige Unfälle

Trotz der schwierigen Straßenverhältnisse wegen Eis und Schnee blieben schlimme Unfälle in Waldeck-Frankenberg aus, berichtete die Polizei auf Anfrage. Zum einen hätten viele Menschen im Landkreis ihr Fahrzeug lieber stehen gelassen. „Auf der anderen Seite fuhren diejenigen, die auf Fahrten angewiesen waren, sehr langsam und vorsichtig“, sagte Pressesprecher Dirk Richter. Es sei generell auch unmöglich gewesen, bei diesen Straßenverhältnissen in normalem Tempo unterwegs zu sein.

Letztlich verzeichnete Polizei in den zurückliegenden Tagen ein Dutzend kleinerer Karambolagen nach Rutschpartien sowie Behinderungen durch steckengebliebene Lastwagen. Am Sonntagnachmittag sei gegen 17 Uhr ein BMW auf der Landesstraße zwischen Ernsthausen und Roda wegen Glätte von der Fahrbahn abgekommen. „Der Mann war allerdings auch alkoholisiert“, berichtete Dirk Richter. In Gemünden kam es am frühen Montagmorgen zu einem Alleinunfall auf der Landesstraße 3073. Ein Auto kam von der Fahrbahn ab und rutschte in den Graben.

In Frankenau rutschte ein Linienbus gegen eine Parkbank. An Steigungstrecken mussten Lkw-Fahrer unfreiwillige Pausen einlegen, um auf den Räumdienst zu warten. Dabei kam es zu Verkehrsbehinderungen – etwa auf der B 253 zwischen Löhlbach und Hundsdorf und der Landesstraße zwischen dem Abzweig Willersdorf und Rosenthal.

Räumdienste

Die Räumfahrzeuge der Straßenmeistereien und der Kommunen waren im Dauereinsatz. „Die Fahrer tun, was sie können. Aber sie kommen bei diesen Schneemengen einfach nicht hinterher“, sagte ein Sprecher der Frankenberger Polizei und bat um Verständnis.

In Viermünden waren Ulrich Grebe (links) und Uwe Engel von der Stadt Frankenberg im Einsatz.

„Hundertprozentige Zufriedenheit kriegt man da nicht rein“, sagte Rosenthals Bürgermeister Hans Waßmuth. Die Bauhof-Mitarbeiter seien pausenlos im Einsatz, trotzdem gebe es einige Anrufe von Bürgern, die nachfragten, warum denn erst „so spät“ geräumt werde. Man könne nicht überall sofort sein, sagte Waßmuth. Aufgrund der Schneemassen und der niedrigen Temperaturen wirke das Salz auch nicht optimal. Probleme beim Schneeschieben gebe es auch immer wieder wegen parkender Autos, die die Räumfahrzeuge behinderten. „Hoffentlich kommt das Müllauto am Dienstag durch“, sagte er. Waßmuth schätzt, dass in Rosenthal zirka 10 bis 15 Zentimeter Schnee liegen. „Die Kinder freuen sich darüber.“

Laut Betriebshofleiter Martin Hecker hätten die Salzvorräte der Stadt Frankenberg an den vergangenen Tagen zwar erheblich abgenommen, einen Engpass gebe es aber nicht, betonte er: „Wir bekommen morgen früh eine neue Lieferung von 75 Tonnen“, kündigte er an.

Winterdienst im Schichtbetrieb

Bei Hessen-Mobil sind seit Samstagnachmittag rund 50 Mitarbeiter rund um die Uhr in Waldeck-Frankenberg im Einsatz, um die Bundes-, Landes- und Kreisstraßen von Eis und Schnee zu befreien. Das teilte Hessen-Mobil-Sprecher Marco Lingemann am Montag mit. Gearbeitet werde generell im Schichtbetrieb. „Pro Straßenmeisterei sind immer bis zu sechs Räumfahrzeuge im Dauereinsatz unterwegs, also rund 24 im Landkreis.“ Es gebe feste Routen, geräumt werde aber auch vorrangig vor medizinischen und pflegerischen Einrichtungen.

„Natürlich bleiben bei solch einem heftigen Wintereinbruch die Straßen nicht lange schneefrei, weil es einfach zu stark schneit. Aber die Mitarbeiter tun alles, was in ihrer Macht steht. Wenn der Schneefall geringer wird, entspannt sich die Lage auf den Straßen wieder“, sagte Lingemann zu dem Hinweis unserer Zeitung, dass in den vergangenen Tagen Menschen beispielsweise auf Facebook ihren Unmut über den aus ihrer Sicht unzureichenden Winterdienst geäußert hatten.

Am frühen Montagnachmittag waren laut Lingemann alle Bundes-, Landes- und Kreisstraßen in Waldeck-Frankenberg befahrbar. Der Hessen-Mobil-Sprecher wies in diesem Zusammenhang aber auch darauf hin, dass eine angepasste Geschwindigkeit und die entsprechende Winter-Ausstattung notwendig seien, um bei solch einer Wetterlage sicher über die Straßen zu kommen.

Harry Kirschner, der Leiter der Straßenmeistereien in Korbach und Frankenberg, habe berichtet, sagte Lingemann, dass man alles im Griff habe und die Motivation bei den Mitarbeitern weiterhin hoch sei.

Räumpflicht der Bürger

Nicht nur die Straßenmeistereien und Bauhöfe waren am Montag wegen der Schneemassen im Einsatz, auch für viele Hauseigentümer und Mieter war am frühen Montagmorgen Schneeschaufeln angesagt, um zumindest die Gehwege halbwegs passierbar zu machen. Dafür gilt eine Räum- und Streupflicht.

In Frankenberg heißt es zum Beispiel: „Für jedes Hausgrundstück ist ein Zugang zur Fahrbahn und zum Grundstückseingang in einer Breite von mindestens 1,25 Metern zu räumen. (...) Diese Verpflichtungen gelten für die Zeit von 7 bis 20 Uhr, sie sind bei Schneefall jeweils unverzüglich zu erfüllen. (...) In Straßen, wo nur auf einer Seite ein Gehweg vorhanden ist, haben in Jahren mit ungerader Endziffer die Verpflichteten den Gehweg zu reinigen, an deren Grundstück der Gehweg liegt. In Jahren mit gerader Endziffer die Verpflichteten der dem Gehweg gegenüberliegenden Grundstücke.“

Busse und Bahnen

Im Landkreis kam am Montag der Bus- und Bahnverkehr zum Erliegen. Grund für die Sperrungen der Bahnstrecken waren vereiste und zugewehte Weichen sowie Gleise. „In Richtung Süden kam auch verstärkt Regen hinzu, was bei dieser Kälte zu vereisten Oberleitungen führte. Außerdem war es auch für einige Zugbegleiter, Lokführer und Busfahrer wegen der Wetterlage nicht möglich, zum Einsatzort zu kommen“, berichtete Sabine Herms, Pressesprecherin beim Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV). Erst im Laufe des Montags habe sich die Lage etwas entspannt.

In Bad Wildungen wurde der Stadtbusverkehr eingestellt. Wegen der Straßenverhältnisse war ein Linienbetrieb aus Sicherheitsgründen nicht möglich, hieß es. Bad Wildungen ist mit Steigungen und Gefällstrecken wie in Altwildungen, an der Rummelskoppe, in Reinhardshausen oder in den Stadtteilen bei Schneeglätte eine besondere Herausforderung.

NVV-Servicetelefon

Welche Busse und Bahnen wieder fahren, darüber informiert der NVV täglich ab 5 Uhr telefonisch unter seiner kostenfreien Servicenummer 0800/9390800.

Pakete und Briefe

„Heute wird kein Postbote rausgehen. Das oberste Prinzip lautet: Sicherheit hat Vorrang“, teilte Post-Pressesprecher Thomas Kutsch am Montag mit. Er verwies darauf, dass die Brief- und Paketzustellungen in Waldeck-Frankenberg an diesem Tag komplett eingestellt worden seien. Angesichts nicht passierbarer Autobahnen funktioniere die Zustellung nicht, für das Briefaufkommen sei der Montag ohnehin der schwächste Tag der Woche. Wie das Wetter sich entwickele, sei kaum zu sagen. Aber bislang laute der Plan, Dienstag wieder Post auszutragen.

Nichts geht mehr: verschneite Lieferfahrzeuge an der Filiale der Deutschen Post in Bad Arolsen.

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