Betreuung im Palliativnetzwerk

37-Jähriger aus Volkmarsen im Kampf gegen schwere Krankheit

Tobias Homann leidet an einer lebensbedrohlichen unheilbaren Krankheit und wird von Ehefrau Sabrina nach Kräften unterstützt und versorgt. Da die Ersparnisse aufgebraucht sind , hat die evangelischen Gemeinde Volkmarsen eine Spendenaktion begonnen.
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Tobias Homann leidet an einer lebensbedrohlichen unheilbaren Krankheit und wird von Ehefrau Sabrina nach Kräften unterstützt und versorgt. Da die Ersparnisse aufgebraucht sind , hat die evangelischen Gemeinde Volkmarsen eine Spendenaktion begonnen.

Tapfer kämpft ein 37-jähriger Volkmarser gegen eine schwere Autoimmunkrankheit, gestützt durch seine Familie.

Volkmarsen – „Es ist hart, so aus dem Leben genommen zu werden“, sagt Tobias Homann. In dem 37-jährigen Familienvater ist 2019 eine unheilbare und lebensbedrohliche Krankheit diagnostiziert worden. Inzwischen wird er vom Palliativ Netz Waldeck-Frankenberg versorgt.

Zellen werden zerstört

Polyarteriitis nodosa lautet die medizinische Diagnose. Bei der Autoimmunkrankheit, bei der der Körper eigene Zellen zerstört, entzünden sich die Blutgefäße im Körper, bilden sich Knoten und Thrombosen, sodass Gewebe abstirbt. Lebenswichtige Organe sind davon betroffen.

Die Krankheit ist Ende des 19. Jahrhunderts erstmal beschrieben worden, eine Therapie zur Heilung gibt es immer noch nicht. Von einer Million Menschen können statistisch drei daran erkranken. Auch die Ursache ist nicht bekannt.

Hilfe gegen Schmerzen

„Das Leben hat sich um 180 Grad gedreht“, sagt Tobias Homann, der kürzlich mit Ehefrau Sabrina und den Kindern Luke (5) und Lina (14) in eine größere Wohnung umgezogen ist, die zum gleichen Mietpreis zu bekommen war, dem schwer kranken Vater aber ein eigenes Zimmer als Rückzugsraum bietet.

Tobias Homann ist auf 63 Kilo abgemagert, wird über einen Port unter Umgehung des stark geschädigten Magen-Darm-Traktes ernährt und durch eine Medikamentenpumpe mit Hydromorphon versorgt. Das starke Arzneimittel dämpft die ansonsten unerträglichen Schmerzen.

Im Hubschrauber zur Uniklinik

Schwere Operationen hat er hinter sich. Zweimal schien alles am Ende zu sein. Doch durch Reanimation wurde Homann wieder in sein Leben zurückgeholt. Die auf Heilen ausgerichtete Therapie ist bereits übergegangen auf die palliativmedizinische und pflegerische Versorgung.

Bei besonders schweren Schüben wird Homann mit dem Hubschrauber vom Stadtbruch zur Universitätsklinik nach Göttingen geflogen. In der Nähe steht auch die Klinik in Warburg bereit. Wichtig ist die Versorgung durch das Palliativnetz Waldeck-Frankenberg, für das der Facharzt Volker Barth in Korbach federführend tätig ist und in Abstimmung mit dem Hausarzt von Homann die Versorgung steuert.

Junger Familienvater

Spezielle Pflegekräfte aus dem Netzwerk sind eingebunden in die tägliche Betreuung. Doch auch die als Pflegerin ausgebildete Ehefrau Sabrina ist eingebunden.

Für Tobias Homann ist es schwer zu fassen, aus einem normalen, unbeschwerten Leben herausgerissen worden zu sein. Seit 15 Jahren sind die Eheleut einander verbunden. Vor zehn Jahren begann er als Teamleiter in dem Mineralwasser-Abfüllbetrieb in Breuna. „Ein toller Job“, blickt Homann zurück.

Das leistet die Familie

Mindestens so wichtig wie die medizinische Versorgung ist der Rückhalt in der Familie. Nächste Ziele sind die Einschulung von Luke und im Sommer die Konfirmation der Tochter. Und die Eheleute möchte sich nach der standesamtlichen Trauung 2013 auch den kirchlichen Segen geben lassen. „Wir wollen in guten wie in schlechten Tagen zusammenhalten“, sagt Sabrina Homann.

Viel Halt bekommt die Familie von der Pfarrerin Britta Holk. „Ich will noch lange leben“, sagt Tobias Homann und zeigt sich dabei genauso taff wie die tapfere Ehefrau. Und er hofft, dass es doch noch eine Therapie geben könnte.

Spendenkonto beim Kirchenkreis

Viele Kosten werden im Sozialsystem getragen, doch Ersparnisse sind aufgezehrt. Gerne würden die Eheleute dem Jungen zum Schulstart eine Schultüte mit auf den Weg geben. Und Lina möchten sie zur Konfirmation ein Kleid geben. Nun streikt das Familienauto.

Hier möchte Pfarrerin Holk Hilfe organisieren. Spenden können auf das Konto Kirchenkreisamt Waldeck-Frankenberg, IBAN DE31 5206 0410 0001 1001 06, Stichwort: Volkmarsen T. Homann überwiesen werden. Kontaktmöglichkeiten unter der Rufnummer 05693/358 oder per E-Mail: pfarramt.volkmarsen@ekkw.de

Betreuung durch Palliativ Netz

Tobias Homann wird daheim in Volkmarsen durch das Palliativnetz Waldeck-Frankenberg versorgt. Als Facharzt für Anästhesiologie und Zusatzausbildungen in Palliativmedizin und Notfallmedizin steuert Volker Barth die ambulante Betreuung. Sieben speziell ausgebildete Pflegekräfte für Palliativ Care aus dem Netzwerk stehen bereit.

Psychosoziale Betreuung hat zum Ziel, über die palliative Therapie hinaus Lebensqualität zu fördern. Für die Betreuung wird eine 24-Stunden-Rufbereitschaft bereitgehalten. Das Palliativnetz arbeitet mit neun niedergelassenen Hausärzten zusammen.

Wenn Heilbehandlung endet

Im Juli 2018 ist die Satellit Palliativnetz gGmbH als Teil des Palliativ-Teams DRK-Kliniken Nordhessen gegründet worden, seit 2019 ist Volker Barth als hauptamtlicher Arzt und Geschäftsführer am Sitz der Gesellschaft in Korbach tätig.

2020 haben er und seine Kollegen mit dem Palliativ Care-Team 348 Fälle betreut. In erster Linie Menschen über 60 Jahren. In der laufenden palliativen Tätigkeit sind es um die 20 Personen. Kinder werden von dem Netzwerk „Kleine Riesen“ betreut.

Dem Leben Qualität bieten

Die Palliativversorgung beginnt dann, wenn alle Heilbehandlungen abgeschlossen wurden, die Linderung von Schmerzen und von Beschwerden im Mittelpunkt steht und sowohl in medizinischer als auch in psychologischer und in spiritueller Hinsicht so weit wie möglich Lebensqualität geboten werden soll. (Armin Haß )

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