Corona: Mutter fordert regelmäßige Tests - Behörden erklären, warum es die nicht gibt

Keine Testpflicht in Waldeck-Frankenberger Kindergärten

Gurgeln, spucken, lutschen: Es gibt verschiedene Corona-Tests für Kinder.
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Gurgeln, spucken, lutschen: Es gibt verschiedene Corona-Tests für Kinder.

Warum gibt es an den Schulen in Hessen verpflichtende Corona-Tests für die Kinder, in den Kindergärten aber nicht? Das fragt die Mutter eines Vierjährigen, der in die Kita in Schreufa geht. „Kitakinder können genauso infektiös sein wie ältere Schulkinder, die der sehr konsequenten Testpflicht unterliegen“, sagt sie.

Frankenberg – Deshalb hatte sie in einer E-Mail „dringend“ an die Stadt Frankenberg appelliert, „analog zu der konsequenten Regelung an den Schulen eine wöchentlich zwei- bis dreimalige Corona-Testpflicht an den städtischen Kitas einzuführen und dafür zu sorgen, dass ungetesteten Kindern kein Zutritt mehr in jene Einrichtungen gewährt wird“.

Es sei ja sicherlich das Anliegen der Stadt, die Kitas längstmöglich offen zu halten, sagt die Mutter. Es sei deshalb „unumgänglich, verpflichtende Lolli-Tests oder vergleichbare Tests unverzüglich einzuführen und sich womöglich nicht länger dem Druck jener testablehnenden Eltern zu beugen, die mit großer Wahrscheinlichkeit am ehesten ihren Unmut lautstark kundtun, falls eine Kita tatsächlich wegen einer Infektion mit Covid-19 komplett schließen muss“.

In der Kita in Schreufa, in die der Sohn der Frau geht, gibt es den Lolli-Test seit dem 30. August, berichtet Leiterin Martina Schneider. Die Teilnahme sei jedoch nicht zwingend, betont sie. „Die Eltern haben die Wahl, ob es ein oder zwei Mal die Woche sein soll, und dürfen dabei sein.

Für die Kinder sei der Test überhaupt kein Problem, berichtet Schneider: „Die machen das super, die finden das toll.“ Im Laufe der Zeit seien sogar noch mehr Kinder dazu gekommen, die gerne mitmachen wollten. Abgenommen werde der Test von einer Mutter, die medizinische Vorbildung habe.

Einen positiven Befund habe es in der Kita dabei noch nicht gegeben. Es komme schon mal vor, dass das Ergebnis nicht eindeutig sei, dann werde der Test wiederholt. „Falls wir tatsächlich mal einen positiven Fall haben, informieren wir die Eltern, veranlassen einen PCR-Test und schalten das Gesundheitsamt ein.“

Mit ihrem Anliegen zu den Corona-Tests an Kitas hatte sich die Mutter des Jungen nicht nur an die Stadt gewandt, sondern auch an den Landkreis und das Land Hessen, ohne allerdings etwas erreicht oder eine für sie zufriedenstellende Antwort bekommen zu haben. Sie hat sich deshalb bei der HNA gemeldet. Auch die Redaktion hat die drei Behörden zu dem Thema angeschrieben:

Das sagt die Stadt

Die Stadt Frankenberg biete für alle Kindertagesstätten im Stadtgebiet Lolli-Tests für eine regelmäßige Testung an und leiste damit bereits „einen wichtigen Beitrag zur frühzeitigen Erkennung von Infektionen“, teilte Pressesprecher Florian Held mit. Dieses Angebot sei für die Kinder kostenfrei, bedürfe aber der Zustimmung der Eltern. Diese Tests würden zur Hälfte vom Land finanziert.

Gemäß Coronaschutzverordnung gelte die Pflicht zum Negativnachweis grundsätzlich und ausdrücklich nicht „für Kinder unter 6 Jahren und nicht für Kinder, die noch nicht eingeschult sind“, erklärt Held. Darüberhinausgehende Regelungen auf örtlicher Ebene müsste der Landkreis als Träger der örtlichen Jugendhilfe sowie als Gesundheitsbehörde mit den Kommunen festlegen – zum Beispiel auf der Grundlage des Infektionsgeschehens. Held: „Damit gibt es keine Rechtsgrundlage für eine Testpflicht als Zugangsberechtigung in die Kita. Daran wird sich die Stadt Frankenberg auch weiter halten.“

Die Stadt stehe hinsichtlich des Infektionsschutzes in den Kitas in engem Kontakt mit dem Landkreis (Gesundheitsamt, Jugendamt, Fachaufsicht) sowie weiteren Behörden und stimme sich über die Vorgehensweise ab.

Das sagt der Landkreis

„Grundsätzlich regelt die aktuell geltende Corona-Schutzverordnung des Landes Hessen den rechtlichen Rahmen für Corona-Regeln“, sagt Ann-Katrin Heimbuchner, die Pressereferentin des Landkreises. Das Infektionsschutzgesetz räume dem Landkreis in Sonderfällen die Möglichkeit ein, weitergehende Maßnahmen anzuordnen, die über die Landesverordnung hinausgehen – sofern diese angemessen seien und es die Pandemielage erfordere.

Heimbuchner: „Im Zusammenhang mit Kindertagesstätten gibt es in Waldeck-Frankenberg bisher nur vereinzelt Infektionen. Der Landkreis sieht nach medizinischer Einschätzung des Fachdienstes Gesundheit daher aktuell vorerst von der Anordnung verpflichtender Testungen in Kindertagesstätten ab. Die Lage wird aber weiterhin tagesaktuell beobachtet; es wird dann ggf. entsprechend reagiert.“

Das sagt das Land

„In Hessen entscheiden die für die Kinderbetreuung zuständigen Kommunen selbstständig über das Testverfahren, das sie für sinnvoll und durchführbar halten“, teilt die Pressestelle des Sozialministeriums in Wiesbaden mit. Die Landesregierung unterstütze die unterschiedlichen Herangehensweisen und übernehme die Kosten für Tests für Kinder zur Hälfte. Mittel dafür seien den örtlichen Trägern der öffentlichen Jugendhilfe bereits zur Verfügung gestellt worden. Dieses Angebot wurde bis zum Ende des Schulhalbjahres verlängert. „Eine Testpflicht für Kita-Kinder wird derzeit nicht diskutiert“, stellt das Ministerium klar.

Der Mutter aus Frankenberg hatte das Ministerium als einen Grund dafür mitgeteilt: „Im Gegensatz zu den meisten Kindern im Grundschulalter sind Kita-Kinder altersbedingt überwiegend nicht in der Lage, einen Test unter Aufsicht selbstständig durchzuführen. Auch einfach zu handhabende nicht invasive Tests werden von sehr jungen Kindern nicht selten abgelehnt. Eine Testpflicht als Voraussetzung der Betreuung kann Kinder unter unangemessenen Druck setzen.“

Zu Corona-Tests für Erzieher in Kindertagesstätten schreibt das Ministerium auf unsere Anfrage: Alle in hessischen Kindertageseinrichtungen tätigen Personen sowie die in Hessen tätigen Kindertagespflegepersonen können sich zweimal in der Woche unkompliziert, kostenfrei und freiwillig selbst testen. Seit dem 26. Juli könne die Bestellung der kostenfreien Tests durch Kitas selbst mittels eines Onlinetools erfolgen.

„Eine Pflicht zur Testung für Erzieher in hessischen Kindertageseinrichtungen gibt es nicht. Vorteil der freiwilligen Lösung ist, dass sie eine Testung zu Hause ermöglicht, wobei der Kontakt mit der Kita bei einem positiven Ergebnis bis zur endgültigen Abklärung vollständig vermieden werden kann.“

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