Diskussion in Waldeck-Frankenberg

Keine zusätzlichen Schulbusse frei? Busfirmen widersprechen dem Landkreis

Schüler der Edertalschule und der Ortenbergschule in Frankenberg drängen nach Schulschluss zu den Bussen in der Geismarer Straße. Viele Schüler, Eltern und Lehrer beschweren sich über überfüllte Busse, Nichteinhalten der Maskenpflicht und schlechtes Timing.
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Schüler der Edertalschule und der Ortenbergschule in Frankenberg drängen nach Schulschluss zu den Bussen in der Geismarer Straße. Viele Schüler, Eltern und Lehrer beschweren sich über überfüllte Busse, in denen kein Corona-Abstand eingehalten werden kann.

Angesichts voller Schulbusse in Waldeck-Frankenberg und der dort kaum einzuhaltenden Corona-Abstände hatte der Landkreis mitgeteilt, dass keine zusätzlichen Busse und vor allem keine Fahrer zur Verfügung stünden. Busunternehmen sehen das anders.

Waldeck-Frankenberg – Auf unseren Bericht haben sich Busunternehmen bei unserer Zeitung gemeldet. Unter anderem Klaus England von Trümner-Reisen in Gemünden. „Es sind noch Busse und Fahrer da“, sagt er. Auch bei ihm auf dem Hof stünden zwei Busse, die er wegen der Corona-Krise vorübergehend abgemeldet habe und die für den Linien- und Schulbusverkehr geeignet seien. „Mit einem Tag Vorlauf könnte ich die sofort wieder anmelden.“

Auch einige seiner Busfahrer warteten seit März, dass sie endlich wieder fahren können. „Die könnten sofort anfangen“, sagt England und widerspricht damit dem Landkreis, der erklärt hatte, dass zusätzliche Fahrten „leider nicht möglich sind, da weder weitere Fahrzeuge noch Personal zur Verfügung stehen“.

Der Landesverband Hessischer Omnibusbetreiber (LHO) hält eine Ausweitung der Kapazitäten dagegen für möglich. Es seien viele Reisebusse verfügbar, seitdem die Bustouristik wegen Corona weniger gefragt ist, sagt LHO-Geschäftsführer Volker Tuchan auf hessenschau.de. Der LHO befragt in dieser Woche seine Unternehmen, wer wie viele Busse derzeit ungenutzt stehen hat, berichtet Klaus England.

Auch die Wrexer Busunternehmerin Ingrid Sieke erklärte am Donnerstag, dass ihr Unternehmen noch vier Busse in Reserve habe, ihr fehle es allein an Busfahrern. Sie sei aber bereit, Interessierten in ihrer Fahrschule den Busführerschein zu ermöglichen. Schließlich müsse dringend etwas geschehen, um die Misere beim Schülertransport zu beheben.

Auch die Bildungsgewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Hessen fordert wegen der Corona-Pandemie den Einsatz zusätzlicher Busse im Schülerverkehr. Gerade an großen Schulen im ländlichen Raum kämen die Fahrzeuge zeitgleich an, sagte die GEW-Landesvorsitzende Maike Wiedwald der Deutschen Presse-Agentur. „Wenn dann die Schüler auf einmal ins Gebäude strömen, ist Abstand halten schwer.“ Zudem seien die Busse häufig überfüllt. Hier seien Schulträger und Land gefordert, Lösungen zu finden.

In Nordrhein-Westfalen hatte die Landesregierung zum Schulstart 1000 zusätzliche Schulbusse zur Verfügung gestellt. Laut dem Verband Nordrhein-Westfälischer Omnibusunternehmen seien bislang aber erst rund 200 davon abgerufen worden.

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