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Kinderpornografie und Missbrauch: Verstärkte Ermittlungen auch in Nordhessen

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Von: Julia Janzen

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Arbeit am Computer: Helena Mann (27) gehört zum nordhessischen Team der BAO Fokus. Zu ihren Aufgaben gehören vor allem Hausdurchsuchungen samt Vorbereitung, das Sichten von Datenträgern und Vernehmungen.
Arbeit am Computer: Helena Mann (27) gehört zum nordhessischen Team der BAO Fokus. Zu ihren Aufgaben gehören vor allem Hausdurchsuchungen samt Vorbereitung, das Sichten von Datenträgern und Vernehmungen. © Julia Janzen

Seit Jahren steigt hessenweit die Zahl der Straftaten beim sexuellen Kindesmissbrauch und bei der Erstellung und Verbreitung von Kinderpornografie.

Vor gut zwei Jahren hat deshalb die Besondere Aufbauorganisation (BAO) Fokus der Polizei die Arbeit aufgenommen. Auch in Nordhessen gibt es ein eigenes Ermittlerteam.

Der Blick in die Kriminalstatistiken Waldeck-Frankenbergs zeigt: Auch hier gibt es jedes Jahr mehr Fälle von sexuellem (Kindes-)Missbrauch und verbreiteter (Kinder-)Pornografie. So registrierte die Polizei 2021 insgesamt 53 Fälle von Missbrauch, 2020 waren es 47. 92 Straftaten zählte die Polizei 2021 aus dem Bereich „Verbreiten pornografischer Schriften“, im Jahr zuvor waren es 65.

Die Zahlen im Landkreis sind auch deshalb gestiegen, weil es durch die Besondere Aufbauorganisation intensivere Kontrollen und deshalb mehr bekannt gewordene Fälle im Bereich der Kinderpornografie gibt. Aber: Auch vermeintliche Spaßbilder, die sich Kinder und Jugendliche schicken, sorgen für gestiegene Zahlen. „Alles wird konsequent verfolgt“, sagt Polizeioberkommissarin Helena Mann.

Die 27-Jährige gehört zum Team der BAO in Kassel, beim dortigen Polizeipräsidium ist das Ermittlerteam für Nordhessen angesiedelt. Von Kassel aus geht es „mehrmals pro Woche“ zu Hausdurchsuchungen aufgrund von Ermittlungen im Bereich der Kinderpornografie. Das Team hat sich aufgeteilt, Mann ist für die Durchsuchungen samt Vorbereitung zuständig, wertet aber auch gefundene Datenträger aus und vernimmt Verdächtige.

Ein tagtägliches Problem für die Ermittler: Die kurze Speicherdauer von IP-Adressen. Für sieben Tagen dürfen dynamische IP-Adressen maximal gespeichert werden. „Die Zeit spielt gegen uns“, sagt die Ermittlerin. Stoße man erst nach dieser Frist beispielsweise auf einen Chat, in dem sich ein Pädophiler einem Kind genähert hat, „haben wir keine Bestandsdaten mehr vorliegen“. Ist die IP-Adresse der einzige Ansatz, gebe es dann keine weitere Möglichkeit zur Verfolgung.

Es sei eine „Schande“, dass den Ermittlern „das dringlichste und wichtigste Ermittlungswerkzeug“ verwehrt sei, sagte Hessens Innenminister Peter Beuth kürzlich. Das müsse die Bundesregierung schnellstens ändern, denn „jedes Zögern (...) verlängert das Leiden Unschuldiger“.

Fast 50 000 Datenträger sichergestellt

Seit etwas mehr als zwei Jahren gibt es in Hessen die Besondere Aufbauorganisation (BAO) namens Fokus (fallübergreifende Organisationsstruktur gegen Kinderpornografie und sexuellen Missbrauch von Kindern). Angesiedelt ist sie beim Landeskriminalamt, in allen hessischen Polizeipräsidien gibt es regionale Ermittler. Die bisherige Erfolgsbilanz: Mehr als 3300 Durchsuchungen, 46 vollstreckte Haftbefehle und fast 50 000 sichergestellte Datenträger. 

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