25-Jähriger gestand Vorwürfe der Staatsanwaltschaft

Zu Bewährungsstrafe verurteilt: Mann hatte Kinderpornos auf dem PC

Marburg. Zu einer Bewährungsstrafe hat das Marburger Amtsgericht einen 25-jährigen Mann verurteilt. Auf seinem PC fand die Polizei mehr als 3000 kinderpornografische Dateien.

Weil der Mann aus dem Frankenberger Land alle Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zugab, stand fest, dass er im September 2015 über eine Internetplattform an sechs Tagen unbekannten Nutzern das Herunterladen kinderpornografischer Dateien ermöglicht hat. Wenig später wurde auf seinem Computer eine Vielzahl an Bild- und Videodateien gefunden, die, wie Staatsanwalt Jonathan Poppe betonte, tatsächlichen schwersten Kindesmissbrauch zeigen.

Seit seinem Auffliegen und einem anschließenden Selbstmordversuch befindet sich der Angeklagte eigenen Angaben nach in Therapie. Dort habe er begriffen, die Kinderpornos zur Bewältigung mangelnden Selbstwertgefühls geschaut zu haben. „Ich habe seit meiner Kindheit alles in mich hineingefressen, um keine Schwäche zu zeigen“, sagte er. Schon in der Schule habe er keine Freunde gehabt.

Bereits mit zwölf Jahren habe er Erwachsenenpornos angeschaut, sei zufällig auf die verbotenen Dateien gestoßen, die ihn angezogen hätten. „Vielleicht, weil sie etwa mein Alter hatten“, so der Mann. „Und ich bin dabei geblieben.“ Aber jetzt stelle er sich seinen Problemen. „Ich versuche, die Sache nicht zu vergessen, aber damit abzuschließen.“ Seine Familie stehe zu ihm und habe ihm auch verziehen, dass sein Vater und sein Bruder im Zuge der Ermittlungen zunächst auch verdächtigt worden sind.

„Ich habe seit meiner Kindheit alles in mich hineingefressen, um keine Schwäche zu zeigen.“

Aufgrund der Therapie, die wie Verteidiger Olav Stalling hervorhob, nicht aus taktischen Gründen erst kurz vor der Verhandlung, sondern sofort und freiwillig begonnen wurde, ging Staatsanwalt Poppe davon aus, dass die besonderen Umstände für eine Bewährung gegeben sind, zudem nichts mehr vorgefallen ist.

Geld an Kinderhospiz zahlen 

Das Gericht unter Vorsitz von Richter Dominik Best sah das genauso. Die Bewährungszeit wurde auf drei Jahre festgelegt und der Angeklagte der Aufsicht eines Bewährungshelfers unterstellt. Als Auflage muss der Mann einen Monatslohn an das Kinderhospiz Marburg zahlen und darf die laufende Therapie nicht ohne ärztlichen Rat abbrechen.

Weil alle Beteiligten Rechtsmittelverzicht erklärten, ist das Urteil rechtskräftig. (kse)

Rubriklistenbild: © dpa

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