So gehen Gemeinden mit dem Heizverbot um

Kirchen in Waldeck-Frankenberg bleiben wegen Corona kalt

Frankenaus Pfarrerin Henriette Quapp-Wahl vor der Frankenauer Kirche
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In Kirchen gelten wegen der Corona-Pandemie derzeit nicht nur Mindestabstand und Maskenpflicht, während der Gottesdienste darf auch die Heizung nicht laufen. Frankenaus Pfarrerin Henriette Quapp-Wahl (Foto) empfiehlt, sich eine Decke mitzubringen.

Für Kirchen ist die Corona-Pandemie keine einfache Zeit. Zu Maskenpflicht, Mindestabstand und Gesangsverbot kommt jetzt eine weitere Vorgabe: Die Kirchen dürfen im Gottesdienst nicht geheizt werden, um keine Aerosole und vielleicht Coronaviren zu verteilen.

Waldeck-Frankenberg – Für kuschelige Wohnzimmer-Temperaturen sind Kirchen im Winter ohnehin nicht bekannt. In diesem Jahr wird es in den meisten Kirchen im Landkreis aber noch deutlich kälter als sonst. Denn als eine Folge der Corona-Pandemie darf während Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen nicht mehr geheizt werden – jedenfalls in der überwiegenden Zahl der Kirchen.

Sowohl Evangelische als auch Katholische Kirche haben ihre Gemeinden dazu aufgefordert, die Heizungen spätestens eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst auszuschalten. So sollen thermisch bedingte Luftbewegungen im Kirchenraum vermieden werden. Denn durch Wärmequellen entstehen Luftströme, und mit ihnen könnten Aerosole, die als Übertragungsweg der Corona-Infektion gelten, leichter durch den Raum transportiert werden.

Die Empfehlung zum rechtzeitigen Abstellen gilt für alle Heizungen, die Wärme an einzelnen Stellen in den Raum einbringen, also auch Unterbankheizungen. Ausgenommen sind flächige Fußbodenheizungen. Diese gibt es jedoch nur in wenigen Kirchen – im Kirchenkreis Eder zum Beispiel nur in der Stadtkirche in Gemünden und der Lukaskirche in Reinhardshausen.

„Bei zu erwartenden Temperaturen zwischen 10 und 12 Grad kann ich den Gottesdienstbesuchern nur warme Kleidung ans Herz legen. Und niemand soll sich scheuen, eine warme Decke mitzubringen!“

Petra Hegmann, Dekanin in Frankenberg

„Alle anderen Kirchen bleiben kalt bzw. kälter als gewohnt“, sagt die Frankenberger Dekanin Petra Hegmann. „Bei dann zu erwartenden Temperaturen zwischen vielleicht 10 und 12 Grad kann ich den Gottesdienstbesuchern nur warme Kleidung ans Herz legen. Und niemand soll sich scheuen, eine warme Decke mitzubringen!“

Die Heiz-Empfehlungen der Landeskirche in Corona-Zeiten stellen für die Dekanin des Kirchenkreises Twiste-Eisenberg, Eva Brinke-Kriebel, für die normalen Sonntagsgottesdienste kein Problem dar. Man könne den Kirchenraum schließlich vor einem Gottesdienst heizen und die Heizung rechtzeitig abschalten, erklärt die Korbacher Dekanin. Schwierigkeiten würden sich aber ergeben, wenn mehrere Gottesdienste hintereinander gefeiert würden – zum Beispiel an Feiertagen. Hier müsse man sich dann warm kleiden.

Weiterhin gelten in den Gottesdienst auch die anderen Corona-Vorschriften: Maske, Abstand und kein Gesang. Auch deshalb empfiehlt die Evangelische Kirche derzeit, Gottesdienste in verkürzten Formaten zu feiern. Das dürfte all die Besucher freuen, denen es in den Kirchen ohne Heizung zu kalt ist.

Das sagen Pfarrer aus dem Frankenberger Land

Der Hatzfelder Pfarrer Peter Dersch berichtet von einer Heizverordnung, die besage, dass vor dem Gottesdienst auf mindestens 10 und maximal 15 Grad aufgeheizt werden dürfe. „Mit 30 Personen hier in Hatzfeld und 18 in Holzhausen dürfen wir nach den gegenwärtigen Bestimmungen in beiden Kirchen Gottesdienste feiern“, informiert der Gemeindepfarrer. In der kleinen Kirche im Stadtteil Lindenhof seien nur Außengottesdienste möglich.

Auch die Stadtkirche in Hatzfeld darf wegen der Corona-Pandemie nicht während des Gottesdienstes geheizt werden. Hier Pfarrer Peter Dersch und Kirchenvorstandsvorsitzende Angelika Schmitt.

Für ihn und Angelika Schmitt, die Vorsitzende des Hatzfelder Kirchenvorstandes, ist wichtig, dass die Gottesdienste ohne Anmeldungen stattfinden können. „Das ist hier in Hatzfeld bei normalen Sonntagsgottesdiensten möglich, auch weil wir Taufgottesdienste abgetrennt und im Kreise der jeweiligen Familie auf samstags verlegt haben,“ berichtet Schmitt.

Auch Derschs Kollege Holger Balzer in Battenberg hat sich in den vergangenen Monaten einiges einfallen lassen, um Gottesdienste zu ermöglichen: „In den ersten Gottesdiensten während der Pandemie waren wir open-air unterwegs, danach in der Kirche mit Decken, Tee und Wärmflaschen“, berichtet Balzer angesichts des Heiz-Verbots.

Weil die evangelische Kirche in Battenberg renoviert wird, finden die Gottesdienste aktuell im Gemeindehaus statt, das mit Abstandsregeln 38 Plätze bietet. „Da haben wir eine ganz normale Heizung, die wir auch betreiben dürfen, keine Gebläseheizung wie in der Kirche.“

Für Weihnachten hat Balzer die Battenberger Burgberghalle gemietet. Er plant drei Gottesdienste um 15.30, 19 und 23 Uhr. „Da die Plätze aber nach den Zahlen der letztjährigen Heiligabende nicht ausreichen, werden wir einen oder mehrere dieser Weihnachtsgottesdienste digital übertragen“, sagt Balzer.

Und was ist mit Weihnachten?

Bereits jetzt weist die Korbacher Dekanin Eva Brinke-Kriebel die Menschen darauf hin, dass es in diesem Jahr wohl keine Weihnachts-Gottesdienste in bekannter Weise geben wird. Sollten die Corona-Einschränkungen auch noch an Weihnachten gelten, „wird es wegen der Abstandsregeln viel weniger Plätze in den Kirchen geben“, sagt die Dekanin. Aktuell plane die Landeskirche ein digitales Buchungssystem, mit dem Gottesdienst-Besucher Platzkarten reservieren könnten. 

Auch Peter Dersch und Angelika Schmitt in Hatzfeld haben schon Pläne für Weihnachten: Der Gottesdienst an Heiligabend soll draußen auf dem Platz vor der Kirche, hoch über der Stadt, gefeiert werden. „Es ist ein Segen, dass wir hier ein so verschachteltes Gelände mit Höhenunterschieden haben, wo wir auch bei Einhaltung der Abstandsregelung ausreichend Plätze für diesen besonderen Gottesdienst anbieten können.“ Ob die Hygienevorschriften Derschs Wunsch ermöglichen, den Posaunenchor unterhalb der Kirche vor dem Pfarrhaus spielen zu lassen, bleibt abzuwarten.

Trotz der Corona-Auflagen sei es in den zurückliegenden Sommermonaten, vor allem dank Gottesdiensten im Freien, gut gelungen, das Leben in der Kirchengemeinde aufrechtzuerhalten, stellen Pfarrer Dersch und Angelika Schmitt fest.

Auch in Battenfeld und Rennertehausen ist Pfarrerin Janina Albrecht oft nach draußen ausgewichen. „Wir haben es alle draußen leichter und sind auf der sicheren Seite“, sagt sie über die Corona-Pandemie. Die Sommerandachten seien so gut angenommen worden, dass sie auch im nächsten Jahr stattfinden soll.

Janina Albrecht, Pfarrerin in Battenfeld und Rennertehausen

Zum Heiz-Verbot während der Gottesdienste sagt Albrecht: „Zieht euch warm an! Macht euch keine Gedanken, wie das wirken könnte – bringt euch gerne auch ein Sitzkissen oder eine Decke mit.“ Sie selbst habe schon während einer Andacht Handschuhe getragen, auch eine Mütze habe schon parat gelegen. „Das neue schick ist wetterfest“, laute ihr Motto. Aber grundsätzlich steht für die junge Pfarrerin fest: „Solange die Zahlen der Neuinfektionen es zulassen, wollen wir uns weiterhin treffen.“

Was die heimischen Dekane zu den aktuellen Corona-Vorschriften und zu den Plänen für Weihnachten sagen, lesen Sie in der gedruckten Ausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine vom 12. November.

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