Strenge Regeln wegen Corona-Pandemie

Warum Kirchengemeinden erst nach Pfingsten wieder Gottesdienst feiern

ARCHIV - 03.05.2020, Sachsen, Grimma: Mit Sicherheitsabstand sitzen Gläubige in einem Gottesdienst in der Frauenkirche in Grimma. (zu dpa "Kirchgemeinden hoffen auf Pfingsten - Gottesdienste und Konzerte") Foto: Peter Endig/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Symbolfoto aus einer Kirche in Corona-Zeiten.

An Pfingsten werden in einigen Orten Gottesdienste gefeiert - wegen der Corona-Regeln aber oft draußen im Freien. Andere Kirchengemeinden warten bewusst bis nach Pfingsten.

In den meisten evangelischen Kirchengemeinden im Oberen Edertal haben im Mai noch keine Gottesdienste in den Kirchen stattgefunden. In Hessen sind sie zwar seit dem 1. Mai wieder erlaubt, die Vorschriften dafür zum Schutz vor Corona-Infektionen seien vielen Kirchengemeinden aber zu aufwendig, sagt LaisasPfarrer Stefan Peter.

„Wir haben mit den Pfarrern im Oberen Edertal darüber gesprochen, wie es weitergeht“, berichtet Peter. „Auch die Kirchenvorstände haben getagt. Sie entscheiden, wann sie wieder Gottesdienste feiern wollen.“

Die Kirchengebäude würden zwar für die ersten Gottesdienste nach der Corona-Pause vorbereitet, doch das brauche Zeit. Deshalb hätten sich viele Kirchenvorstände bewusst dafür entschieden, an Himmelfahrt und Pfingsten noch nicht wieder in die Kirchen zurückzukehren. 

Stefan Peter, Pfarrer aus Laisa

„An den Feiertagen wären wahrscheinlich viele Menschen gekommen, aber wir wären noch nicht geübt darin gewesen, wie wir mit den Vorschriften umgehen“, erklärt Peter und verweist auf Mindestabstände und Desinfektionsmittel, die auch in den Kirchen verpflichtend sind. Ein Mundschutz muss beim Rein- und Rausgehen getragen werden, aber nicht am Sitzplatz. Und die Gemeinde muss eine Liste über die Teilnehmer führen.

Vor allem die Abstandsvorschriften seien ein Problem: „In Laisa werden nicht mehr als 20 Leute in die Kirche passen, in Berghofen vielleicht ein paar mehr. In Battenfeld sind es 18 – und bis zu 26, wenn Familien kommen, die zusammensitzen dürfen“, berichtet der Laisaer Pfarrer.

„Einige Kirchengemeinden bitten auch um Voranmeldung, um niemanden wegschicken zu müssen“, sagt Peter. „In Laisa und Berghofen machen wir das nicht. Wir appellieren an das Verständnis, dass vielleicht nicht alle in die Kirche dürfen.“ In Battenfeld werden sonntags zwei Gottesdienste gefeiert. 10.30 Uhr und 17 Uhr.

Abstand und Mundschutz

Und es gibt weitere Vorschriften: Die Kirchenvorstände müssen bei den Gottesdiensten die Besucher zu den Plätzen führen und die Plätze desinfizieren. Um jeden Platz herum muss 1,50 Meter Abstand bleiben. Trotzdem darf nicht gesungen werden. Der Pfarrer muss vier Meter von der Gemeinde wegstehen; damit man ihn verstehen kann, muss er keinen Mundschutz tragen.

Wegen all dieser Vorschriften hatten sich fast alle Kirchengemeinden im Landkreis für den Himmelfahrtstag für Gottesdienste im Freien entschieden. Auch dort musste zwar auf Abstände geachtet werden, „die Vorgaben sind aber nicht so hoch“, sagt Stefan Peter.

In Laisa wird der erste Gottesdienst erst nach Pfingsten stattfinden, am Sonntag, 7. Juni. Es soll eine Sommerandacht auf der Wiese neben der Kirche werden, kündigt der Pfarrer an. Dort sollen Stühle aufgestellt werden. 

Gesang ist nicht erlaubt

„Da nicht gesungen werden darf, wird der Gottesdienst keine Dreiviertelstunde dauern“, sagt er. Trotzdem werden Predigt, Lesung, Gebete, ein Psalm und vielleicht Musik vom Band zur Liturgie gehören.

Weil das alles anders sein wird als in einem normalen Kirchen-Gottesdienst, hat Stefan Peter durchaus Verständnis, sagt er, wenn Leute lieber zuhause bleiben und vielleicht einen Fernsehgottesdienst anschauen oder eine Andacht lesen. Im neuen Gemeindebrief werde es auch wieder eine Andacht für zuhause geben, sagt er. „Und wir werden die Kirchen jetzt sonntags immer offen lassen, das kommt gut an.“ 

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