Kirmes in Laisa: 1500 Besucher bei Versteigerung im Festzelt

„Wer bietet mehr?”: Auktionator Dirk Paulus (rechts) musste alle Gebote im vollbesetzten Kirmeszelt im Blick behalten, während die Kirmesburschen – hier Manuel Wickenhöfer – die bestickten Schnüre in die Höhe hielten. Fotos: zpd

Trachtenborten wurden bei der Kirmes in Laisa versteigert. Die "Schnüre" stehen für 18 junge Frauen. Wer eine "Schnur" ersteigert, darf mit dem jeweiligen Mädchen tanzen.

Laisa. „Und zum Dritten!“ Dirk Paulus lässt den dicken Holzhammer auf ein Bierfass krachen. „Für 45 Euro verkauft an den jungen Mann aus Engelbach“, sagt er ins Mikrofon. Die etwa 1500 Besucher im Laisaer Festzelt applaudieren, und der junge Mann aus Engelbach kommt auf die Bühne, um die 45 Euro zu bezahlen, die er gerade für eine Kirmesschnur geboten hat. Eine schwarze Trachtenborte mit eingestickten Blumen in Lila und Weiß.

Der Engelbächer, Simon heißt er, muss sich jetzt noch etwa eine halbe Stunde gedulden, bis alle 18 Kirmesschnüre versteigert sind. Die Schnüre stehen symbolisch für 18 junge Frauen aus Laisa, die in diesem Jahr bei der Versteigerung mitmachen. Die jungen Männer im Festzelt, die eine Schnur ersteigern, dürfen einen Tanz mit dem jeweiligen Mädchen machen. Wem die Schnur gehört, wissen sie allerdings vorher nicht.

Die meisten bleiben im Dorf

Schon hält Julian Freiling, einer der sieben Kirmesburschen, die die Versteigerung organisieren, die nächste Schnur hoch. Im Festzelt gehen die Arme wieder nach oben. „15, 20, 25 Euro“, ruft Dirk Paulus ins Mikrofon. „Wer bietet 30?“ 85 Euro sind in diesem Jahr das Höchstgebot. Auch andere junge Männer aus Nachbarorten bieten mit. Doch die meisten der 18 Schnüre bleiben im Dorf, denn irgendwann will fast jeder Laisaer Bursche einmal mitmachen bei dieser Tradition und den Zuschlag bekommen für eine der Kirmesschnüre.

„Schöne Tradition“

„Für mich war es selbstverständlich, eine Schnur zu ersteigern“, sagt Kirmesbursche Marco Specht, der für 60 Euro eine Schnur bekommt. „Ich finde gut, dass unsere Burschenschaft diese Tradition vor 20 Jahren wieder aufleben lassen hat“, sagt der Laisaer, der damals, 1995, gerade vier Jahre alt war. Zudem sei die Versteigerung auch ein Spaß, den man einfach mal mitmachen könne.

Spaß macht das auch den 18 Laisaer Mädchen, die ihre Schnüre und sich für einen Tanz zur Verfügung stellen. „Es war aufregend, aber auch lustig“, sagt hinterher Annalena Wickenhöfer. Die 18-Jährige macht zum zweiten Mal bei der Kirmes mit. „Die Schnüreversteigerung ist etwas Besonderes, die es kaum in einem anderen Dorf gibt. Und wir schaffen es immer wieder, dass so viele Mädchen mitmachen“, sagt sie.

Annalena Wickenhöfer gehört die schwarze Schnur mit den lila und weißen Blumen, die Simon, der junge Engelbächer, gleich als erste ersteigert hat. Als sich nach der Versteigerung alle 18 Männer - die Schnüre um den Hals gelegt - auf der Bühne aufreihen und die Mädchen langsam nach oben kommen, fordert Annalena Simon zu „seinem“ Tanz auf. Dass er nicht aus Laisa kommt, ist für die 18-Jährige kein Problem. „Es ist doch schön, dass sich die Auswärtigen dafür interessieren und mitmachen“, sagt sie. „Und so lernt man andere Leute kennen.“ (zpd)

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