Weniger Fälle, mehr Kosten

Kliniken in Waldeck-Frankenberg auch ohne Corona-Patienten belastet

Die Corona-Pandemie verursacht auf der Intensivstation zusätzlichen Aufwand durch stets notwendiges Wechseln der Schutzkleidung. Hier im Stadtkrankenhaus Korbach (von links): Maria Belen Cespon-Perez, Sabrina Stange und Sven Dannenhaus.
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Die Corona-Pandemie verursacht auf der Intensivstation zusätzlichen Aufwand durch stets notwendiges Wechseln der Schutzkleidung. Hier im Stadtkrankenhaus Korbach (von links): Maria Belen Cespon-Perez, Sabrina Stange und Sven Dannenhaus.

Die Krankenhäuser im Landkreis Waldeck-Frankenberg müssen derzeit zwar kaum noch Corona-Patienten behandeln, haben aber mit anderen Problemen zu kämpfen.

Waldeck-Frankenberg – Seit Juni müssen im Landkreis fast keine Corona-Patienten mehr im Krankenhaus behandelt werden. Inzwischen herrsche wieder Normalbetrieb, teilen die Kliniken in Frankenberg, Korbach, Bad Wildungen und Bad Arolsen auf Anfrage unserer Zeitung mit. Doch die Pandemie habe Lücken in der Finanzierung hinterlassen.

„Die finanzielle Situation der Krankenhauslandschaft in Deutschland ist besorgniserregend“, sagt Tanja Jostes, Sprecherin des Stadtkrankenhauses Korbach. Einerseits sei die Zahl der in Kliniken behandelten Patienten 2020 um 13 Prozent im Vergleich zu 2019 gesunken. Andererseits stiegen die Ausgaben für die Häuser um 15 Prozent, sagt sie und verweist auf eine entsprechende Umfrage (Hintergrund). In Korbach liege die Fallzahl elf Prozent unter der von 2019.

Die Gründe für den Rückgang schildert Jostes so: Die Krankenhäuser mussten in der Hochzeit der Pandemie ausreichend Betten für Corona-Patienten zurückhalten. Planbare Operationen wurden verschoben. Patienten vermieden aus Sorge vor Ansteckung einen Krankenhausaufenthalt – manche sogar bei Herzinfarkt und Schlaganfall. Sie nahmen weniger Krebsvorsorge-Untersuchungen wahr, somit gab es weniger Krebsbehandlungen in Kliniken. Dabei sei gerade bei Krebs eine frühe Diagnose und Therapie wichtig.

Das Kreiskrankenhaus Frankenberg verbucht einen Rückgang der Fallzahlen sogar um 14,3 Prozent. Zusätzliche Kosten für Schutzausrüstung, Facharztlabor und Desinfektionsmittel seien aber weitgehend durch Einsparungen bei OP-Bedarf und Mehrwertsteuerabsenkung kompensiert worden, sagt Sprecherin Jutta Muth. Auch die Klinikkette Asklepios, die das Stadtkrankenhaus Bad Wildungen betreibt, folge „dem bundesweiten Trend hinsichtlich der ökonomischen Situation“, sagt Nicole Dietz vom Marketing. „Als Indikator, dass die Patienten ihre Ängste vor einem stationären Aufenthalt weiter abgebaut haben, können wir wieder eine bessere OP-Auslastung verzeichnen, aber auch einen höheren Kostenaufwand, insbesondere für verstärkte Hygienemaßnahmen sowie höhere Aufwendungen im Personalbereich zum Beispiel für kleinere Gruppengrößen bei Therapien.“

Auch die anderen Kliniken im Kreis berichten, dass Patienten, die Eingriffe wie Knieprothese oder Darmspiegelung vor sich herschoben, nun vermehrt Kontakt mit den operativen Abteilungen aufnähmen.

Hintergrund

Unter den 600 größten Krankenhäusern Deutschlands hat sich laut Roland-Berger-Umfrage die ökonomische Situation der Krankenhauslandschaft im Corona-Jahr 2020 weiter verschlechtert. Mit 49 Prozent verbuchte jedes zweite Krankenhaus ein Defizit, 2019 waren es 32 Prozent. 62 Prozent der Klinikmanager erwarten auch für 2021 ein Minus. 83 Prozent der Häuser rechnen mit weiterer Verschlechterung in den nächsten fünf Jahren. mab rolandberger.com/

„Kaum eine Verschnaufpause“

„Im Krankenhaus Bad Arolsen mussten bereits seit mehreren Wochen keine Covid-Patienten mehr stationär versorgt werden. Das gibt uns jetzt die Möglichkeit, elektive Eingriffe verstärkt nachzuholen“, sagt Dr. Nina McDonagh von der Gesundheit Nordhessen.

Nachdem die Corona-Patienten nicht mehr im Fokus stehen, nutzen die Kliniken in Bad Arolsen und Korbach nach eigenen Angaben die Gelegenheit, um aufgeschobene Operationen und Behandlungen nachzuholen. Die Krankenhäuser in Frankenberg und Bad Wildungen melden hingegen, dass die in Spitzenzeiten der Corona-Pandemie verschobenen Operationen bereits nachgeholt worden seien.

Allerdings sind sich alle vier Kliniken im Kreis bewusst, dass sich die Coronasituation „jederzeit wieder ändern kann“, wie es Jutta Muth vom Kreiskrankenhaus Frankenberg formuliert. Bei den aktuell geringen Coronazahlen sei das Kreiskrankenhaus zwar nicht verpflichtet, Betten speziell für Corona-Patienten freizuhalten, weder auf der Isolier- noch auf der Intensivstation. Aber, so ergänzt sie, „das nun schon bewährte hessische Stufen-Konzept, ab welcher Auslastung mit Corona-Patienten welches Krankenhaus wie viele Betten zur Verfügung stellen muss, ist natürlich weiter in Kraft.“

„Es gibt keinen Hebel, den man umlegt und alles läuft wieder wie vor Corona“, schildert Tanja Jostes, Sprecherin des Stadtkrankenhauses Korbach. Die Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz von Patienten und Mitarbeitern vor dem Virus seien in Kliniken nach wie vor hoch: Neben Abstand, Mund-Nasen-Schutz, Lüften und verstärkter Händehygiene werden seit Monaten alle Patienten bei stationärer Aufnahme ins Krankenhaus auf Corona getestet – mittels Antigen-Schnelltest und PCR-Test. Auch Besucher müssen nachweisen, ob sie geimpft oder genesen sind oder einen aktuellen Test eines offiziellen Testzentrums vorweisen.

„Es gibt daher auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Stadtkrankenhaus kaum eine Verschnaufpause. Kliniken können nicht zwei Wochen Betriebsferien machen“, erläutert sie weiter. Hinzu komme deutschlandweit eine personell angespannte Situation, deren Ausmaß in der Pandemie noch deutlicher geworden sei.

Das Bad Arolser Krankenhaus betont: „Wir haben uns personell verstärkt. Dadurch können wir auch zeitnah noch Operationstermine anbieten. Patienten, die sich bisher noch nicht um einen Termin gekümmert haben, sollten die Sommermonate nutzen, um kurzfristig Termine zu vereinbaren. Im Herbst sind bereits viele Termine vergeben.“ Von Martina Biedenbach

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