HNA-Serie „Faszination Oldtimer“

Knatternder Weggefährte: Sören Strietzels Trabant weckt Kindheits-Erinnerungen

Wie früher: Mit dem Trabant 601 S verbindet der gebürtige Brandenburger Sören Strietzel schöne Erinnerungen an seine Kindheit. Auch seine Tochter Stina fährt gerne in dem Kleinwagen mit: „Sie findet das cool.“
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Wie früher: Mit dem Trabant 601 S verbindet der gebürtige Brandenburger Sören Strietzel schöne Erinnerungen an seine Kindheit. Auch seine Tochter Stina fährt gerne in dem Kleinwagen mit: „Sie findet das cool.“

Das Thema Mobilität begeistert viele Menschen. Aber dazu zählen nicht nur moderne Fahrzeuge. Eine große Faszination üben Oldtimer aus. In unserer Serie „Faszination Oldtimer“ stellen wir Besitzer mit ihren Fahrzeugen vor.

Frankenberg – Reng-deng-deng-deng: Unverwechselbar ist der Klang eines Autos, das Spötter als solches nicht bewerten. Blass, klein, eng – der Trabant wird oft als Zumutung bezeichnet. Wenn man den Zweitakter einstiger ostdeutscher Produktion durch die Brille eines automobilverwöhnten Wessis betrachtet.

Derart abgehoben ist der 42-jährige Sören Strietzel nicht. Im Gegenteil: Für den gebürtigen Brandenburger ist er eine Erinnerung an seine Kindheit in der damaligen DDR. Diese wird umso intensiver, je länger er in Frankenberg lebt. Im Jahr 2001 kam er durch einen beruflichen Wechsel aus dem Osten Deutschlands in die Illerstadt. Heute ist er Notfallsanitäter beim Deutschen Roten Kreuz, Kreisverband Frankenberg. Und er fährt seit August 2019 einen Trabant 601 S, wie Strietzel Baujahr 1978.

Vom Wunsch bis zum Besitz dieses Wagens führten einige Umwege – über seinen Vater, einen Onkel, und einen befreundeten Kfz-Mechaniker schließlich in die alte Heimat Brandenburg, wo das pastellweiße Objekt der Begierde stand. Das hatte gedauert. Aber bei weitem nicht solange, wie DDR-Bürger einst nach Bestellung auf ihren „Trabi“ warten mussten. Anfang der 1970er-Jahre betrug die durchschnittliche Wartezeit 17 Jahre!

Der Name „Trabant“ bedeutet „Begleiter“ oder „Weggefährte“. So sieht ihn auch Sören Strietzel. „Ich bin mit einem Trabant groß geworden, denn meinen Eltern hatten früher auch einen.“ Er verbindet viele schöne Erinnerungen mit diesem Fahrzeug. Auch an die Zeit, als damals die fünfköpfige Familie jährlich Urlaubsfahrten an die Ostsee oder nach Thüringen unternahm: vorne die Eltern, hinten Sören Strietzel und seine zwei Brüder. „Es war eng, aber kein Problem.“

Derart abgehärtet, bereitete ihm im August 2019 die Abholfahrt seines heutigen Trabant 601 S von Brandenburg nach Frankenberg keine weiteren Probleme. Acht Stunden dauerte die Fahrt. Es ging meist über Landstraßen.

Auf den Landstraßen des Frankenberger Landes ist der 42-Jährige mit seinem Trabant heutzutage immer wieder mal zu bestaunen, wenn er Ausfahrten unternimmt. Muss getankt werden, hat er Zweitakt-Motoröl dabei. Der Benzin-Tank fasst nur 26 Liter. Neigt sich der Inhalt dem Ende zu, gibt es einen versteckten Schalter, der das Reserve-Benzin freigibt – wenn man denn weiß, wo der Schalter ist. In Strietzels Auto befindet er sich im Beifahrer-Fußraum. Ist die Tankstelle erreicht, mischt er das richtige Motoröl-Benzin-Verhältnis 1:50 per Hand: „Einen Trabant zu betanken, braucht seine Zeit. Es entschleunigt.“

Der 42-Jährige hat mit seinem Trabant seit August 2019 rund 3000 Kilometer gefahren. Er freut sich nicht nur über den guten Zustand des 26-PS-Motors, sondern auch der Karosserie.

Letzteres dürfte mit einer Spezialität dieses Wagens zusammenhängen: Weil Blech teuer und für die DDR schwer zu beschaffen war, wurde einst die Außenhaut der Trabant-Karosserie aus Kunststoff gestaltet. Er wurde über ein Stahlgerüst gezogen. Dieser Kunststoff, genannt Duroplast, war stabil und wetterfest.

Der Trabant bekam im Laufe der Zeit einige Spitznamen verpasst: „Gehhilfe“, „überdachte Zündkerze“, „Plastebomber“ oder „Pappe“ lauteten die abfälligen Bezeichnungen. Der Begriff „Rennpappe“ wurde für Trabants verwendet, die im Motorsport fuhren. Dabei übrigens machte der kleine Wagen durchaus eine gute Figur.

Als Rennmaschine betrachtet Sören Strietzel seinen knatternden Weggefährten nicht: „Mit maximal 90 km/h wird er ausgefahren.“

Seit seiner Kindheit hat er eine enge Beziehung zu diesem Wagen-Typ. Und auch seine achtjährige Tochter Stina hat inzwischen eine Bindung zu dem Auto. „Am Anfang war es ihr peinlich, mitzufahren“, schildert Strietzel. „Aber als sie festgestellt hatte, dass sich Trabi-Fahrer beim Begegnen mit ihren Fahrzeugen grüßen, änderte sich das rasch. Jetzt fährt sie gerne mit – und findet das cool.“

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