Kommunalwahl-Kandidat zu Impfskandal

Tyche Feddersen: Hat Korbach eine Zwei-Klassen-Gesellschaft?

Tyche Feddersen kandidiert für das Korbacher Stadtparlament.
+
Tyche Feddersen kandidiert für das Korbacher Stadtparlament.

Korbachs Bürgermeister Klaus Friedrich hat sich vorzeitig gegen Corona impfen lassen. Das kritisiert Tyche Feddersen, Kandidat bei der Kommunalwahl in Korbach.

Vom Anruf bei Klaus Friedrich bis zur Impfung ist Zeit vergangen. Genug Zeit, dass er sich nochmal überlegen konnte, dass das nicht richtig wäre. Man kann daher schwerlich von unbedachtem Handeln sprechen. Tatsächlich hätte er auch sofort ablehnen müssen, so dass die- oder derjenige geimpft worden wäre, wie es nach der Risikoeinstufung vorgesehen ist. Für das Verhalten des Bürgermeisters gibt es daher auch keine echte Entschuldigung.

Dass Klaus Friedrich aber nun von den politischen Parteien zum Teil in Schutz genommen wird, ist der noch größere Skandal. Gerade die Parteien sind jetzt gefragt, diesen Vorgang entsprechend aufzuarbeiten. Doch CDU-Fraktionsvorsitzender Heinz Merl regt sich nur über den offenen Zorn und Unmut der Korbacher/innen auf. Und die Einberufung des Ältestenrates sieht er als unangemessen an. Für ihn hat die Arbeit von Klaus Friedrich als Bürgermeister auch nichts mit dessen vorgezogener Impfung zu tun. Damit stellt Heinz Merl im Namen der CDU öffentlich einen Persilschein für den Bürgermeister aus.

Ich stehe zwar als parteiloser Kandidat auf Liste 1, distanziere mich aber scharf von der Aussage von Herrn Merl. Die Nerven der Bürger/innen liegen blank. Da muss man in erster Linie Verständnis für den Unmut zeigen. Die CDU trägt ja nicht ohne Grund das „C“ wie christlich voran. Stattdessen nimmt Heinz Merl aber den Verursacher in Schutz. Und stellt seine Verteidigung über die Gemeindeordnung und das Recht auf freie Meinungsäußerung. Auch wenn der ein oder andere Kommentar vielleicht übers Ziel hinausgeschossen war, ist das für mich ein ganz starkes Stück.

Kai Schumacher, Fraktionsvorsitzender Freie Wähler, setzt noch einen drauf, indem er sagt, dass „es richtig war, dass jemand geimpft wurde, der erreichbar und greifbar war.“ Für Schumacher scheint also das Korbacher Telefonbuch nur aus dem Namen „Friedrich“ zu bestehen. Das sehen die Bürger/innen, die selbst, oder deren Angehörigen, zur Impfung vorgesehen waren, sicher ganz anders. Bezeichnenderweise lautet der Wahlslogan von Schumacher „Bürgerwillen durchsetzen!“

Er wäre gut beraten, wenn er sich an seine eigenen Worte halten würde. Doch Schumacher geht noch weiter mit seiner Verteidigung und legt nach. Eine mögliche Strafe von 25.000 Euro hält er sowieso für nicht statthaft und schiebt zum Schluss auch noch den schwarzen Peter zur Bundesregierung. Das hat mehr als ein „Geschmäckle“. Da denken viele an eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Und die darf es aber nicht geben. Heinz Merl und Kai Schumacher aber heizen durch ihre Äußerungen diesen Gedanken gerade an.

Leider gibt es bereits viele negative Beispiele von öffentlichen Amtsträgern, die sich vorgezogen impfen lassen haben. Jetzt reiht sich auch Korbach in diese unrühmliche Liste ein. Aber während sich anderenorts die Parteien für die Bürger/innen einsetzen und solche Vorgänge strikt verfolgen, gelten für Heinz Merl und Kai Schumacher wohl andere Spielregeln. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass sie mit ihrer Haltung die geschlossene Meinung ihrer Fraktionen CDU und FW repräsentieren. Denn solche Aussagen fügen der Kommunalpolitik in Korbach Schaden zu, der wahrscheinlich auch in den Wahlergebnissen abzulesen sein wird.

Gut, dass sich SPD, FDP, die Grünen und die aktiven Bürger schon eindeutig gegen das Verhalten von Bürgermeister Friedrich öffentlich ausgesprochen haben.

Als parteiloser Kandidat und überzeugter Demokrat habe ich für diese Vorgänge kein Verständnis. Vielmehr ist dies für mich beschämend. So etwas kann das Vertrauen der Bürger/innen in die Politik und die Unabhängigkeit der kommunalen Organe nachhaltig schädigen. Ich hoffe daher, dass meine Kandidatur als parteiloser Kandidat ausreichend erfolgreich verläuft. Damit ich nach dem 14. März 2021 beginnen kann, für alle Korbacher/innen meinen ehrlichen und standhaften politischen Beitrag leisten zu können.

Tyche Feddersen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

der Inhalt dieses Artikels entstand in Zusammenarbeit mit unserem Partner. Da eine faire Betreuung der Kommentare nicht sichergestellt werden kann, ist der Text nicht kommentierbar.

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.