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Wie Corona Seniorenheime belastet – am Beispiel des Hauses Burgwald

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Von: Martina Biedenbach

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Seniorenheim Haus Burgwald: Die Betreiberinnen Tanja Guth (links) und Heike Bartl-Fackiner im Innenbereich der Anlage. Die Bewohnerzimmer sind alle ebenerdig. So konnten Angehörige auch in der Zeit des Besuchsverbots die Bewohner bei gekipptem Terrassenfenster sehen und mit ihnen reden.
Seniorenheim Haus Burgwald: Die Betreiberinnen Tanja Guth (links) und Heike Bartl-Fackiner im Innenbereich der Anlage. Die Bewohnerzimmer sind alle ebenerdig. So konnten Angehörige auch in der Zeit des Besuchsverbots die Bewohner bei gekipptem Terrassenfenster sehen und mit ihnen reden. © Martina Biedenbach

Wie Corona Seniorenheime seit zweieinhalb Jahren belastet, das beschreiben die Betreiberinnen des Hauses Burgwald.

Burgwald - Neben den Krankenhäusern belastet Corona vor allem die Seniorenheime erheblich. Wir blicken – als Beispiel – mit dem Haus Burgwald auf das Auf und Ab in zweieinhalb Jahren Pandemie zurück. Es herrsche aber „immer noch eine extreme Ausnahmesituation“

„Wir haben ganz schön Nerven gelassen und sehnen uns nach Normalität“, sagen Tanja Guth und Heike Bartl-Fackiner, die Betreiberinnen des Seniorenheims Haus Burgwald, zu den Belastungen durch die Corona-Pandemie.

Als sie im Oktober 2017 die Einrichtung mit 60 Einzelzimmern für Bewohner eröffneten, ahnten die beiden Frauen nicht, was da auf sie zukommen sollte. Sie hatten sich zuvor mit ihrem Tagespflegezentrum Gut Eichhof bei Rosenthal in der Region einen Namen gemacht, das sie auch weiter betreiben.

Anders als viele andere Seniorenheime haben sie weder einen großen Sozialverband hinter sich, noch gehören sie zu einer Seniorenheimkette. Dennoch sei ihre Einrichtung, trotz geschundener Nerven der Betreiberinnen, bisher relativ gut durch die Pandemie gekommen.

„Wir hatten zwei Jahre lang keinen einzigen Coronafall in unserem Haus“, sagt Tanja Guth, die für den pflegerischen Bereich zuständig ist. Erst in diesem Frühjahr, als die hochansteckende Omikron-Welle um sich griff, sei auch ihre Einrichtung betroffen gewesen.

Corona belastet Seniorenheim: Am schwierigsten war das erste Pandemiejahr

„Die schwierigste Zeit war das erste Pandemiejahr“, schildert Heike Bartl-Fackiner, die sich um Verwaltung und Finanzen kümmert. „Wir haben relativ schnell das Heim für Besucher geschlossen. Die Sorge, dass sich Bewohner und Mitarbeiter anstecken, auch die Sorge vor Ansteckungen in der Familie, war groß“, sagt sie.

Viele Gemeinschaftsangebote für die Bewohner mussten eingeschränkt werden oder wegfallen. Symptomfreie Senioren konnten sich aber immerhin noch in ihrer Wohngruppe – davon gibt es vier im Heim – treffen, mussten nicht auf ihren Zimmern bleiben.

Sehr hilfreich sei der Einsatz der Ernsthäuser Hausarzt-Gemeinschaftspraxis Dr. Kittel gewesen. „Wir hatten ziemlich schnell FFP2-Masken, und Praxismitarbeiter sowie die Mitarbeiter der Eder-Apotheke sorgten dafür, dass beim Impfstart Ende 2020 Bewohner und Personal umgehend geimpft werden konnten“, berichtet Tanja Guth. Es gab und gebe eine hohe Impfbereitschaft unter den Bewohnern und dem Team.

Corona belastet Seniorenheim: Infektionen erst mit Omikron-Variante

Im Februar/März 2022 erwischte aber Omikron nicht nur Mitarbeiterinnen, sondern auch viele Seniorinnen und Senioren. Bei den dreifach Geimpften sei die Infektion meist milde verlaufen. Allerdings seien drei Senioren im Zusammenhang mit dem Virus gestorben. „Sie waren alle vorerkrankt und zwei waren nicht geimpft“, erläutert Guth.

Von großem Vorteil sei, dass alle Bewohnerzimmer eine Terrasse haben. So konnten die Angehörigen auch während des Besuchsverbots die Bewohner durch die Fensterscheibe sehen und bei gekipptem Terrassenfenster mit ihnen reden. „Es war trotzdem eine schlimme Zeit für die Bewohner, die Angehörigen und auch für uns“, sagt Bartl-Fackiner. Wie in anderen Senioreneinrichtungen fehlt es auch im Haus Burgwald an Fachkräften für die Pflege. Zudem war zunächst zusätzliches Personal nötig für die Corona-Tests bei den Besuchern, bis die Bürgertestzentren öffneten.

„Durch die Eröffnung neuer Heime im Umkreis gibt es viel Fluktuation unter den Pflegekräften. Manche wanderten ab, einige sind aber auch schon wiedergekommen“, beschreibt Bartl-Fackiner die Situation. Bewerberinnen und Bewerber seien jederzeit willkommen, gerne auch Hauswirtschaftskräfte. Reinigungs- und Betreuungskräfte seien aber genug vorhanden.

Von den 55 Mitarbeitenden, die derzeit knapp 50 Bewohner versorgen, seien fünf nicht geimpft. Das sei dem Gesundheitsamt beim Landkreis gemeldet worden. Nichtgeimpfte Mitarbeiter müssen vor jedem Dienstantritt getestet werden, ebenso Mitarbeiter, die Kontakt mit Infizierten haben oder hatten sowie bei eindeutigen Coronasymptomen. Die Tests werden weiterhin kostenlos zur Verfügung gestellt, anfallende Kosten werden erstattet.

Auch die Besucher brauchen immer einen aktuellen negativen Schnelltest. Bestätigungen, dass sie Angehörige in der Einrichtung haben, stellt ihnen die Heimverwaltung aus. Wie berichtet, sind diese Bestätigungen nötig, damit die Angehörigen die Bürgertests weiterhin kostenlos erhalten können.

In Seniorenheimen herrscht immer noch eine extreme Ausnahmesituation

Eigentlich hatten Tanja Guth und Heike Bartl-Fackiner, die tatkräftig unterstützt werden von Pflegedienstleiterin Dagmar Chemnitz-Radtke, gehofft, dass sich in diesem Frühjahr und Sommer vieles entspannt. Die Senioren treffen sich immerhin wieder im Foyer. Einige Gemeinschaftsangebote laufen wieder. Und glücklicherweise konnte Anfang Juli bei schönstem Wetter auch ein Sommerfest gefeiert werden, das im Freien stattfand.

Doch aufgrund immer wieder sprunghaft steigender Infektionszahlen im Landkreis wurde die Eingangstür im Heim zeitweise wieder geschlossen. Grund: Das Team weiß so genau, wer ins Haus kommt.

„Wir sehnen uns nach Normalität, einer Zeit wie vor Corona, als bei normaler Grippe keine Sondermaßnahmen nötig waren“, sagen Guth und Bartl-Fackiner. Masketragen sei kein Dauerschutz, denn dadurch werde das Immunsystem runtergefahren und das mache anfälliger auch für andere Infektionen. Doch wann wieder mehr Normalität möglich ist, das sei nicht absehbar. „Wir sind immer noch in einer extremen Ausnahmesituation – und auf das Verantwortungsbewusstsein von Mitarbeitenden und Besuchern angewiesen“, sagen sie. (Martina Biedenbach)

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