Serie: Die weite Welt und wir

Ackern in Kanadas Prärie: Strother Christoph Bangert arbeitet auf einer Farm in Saskatchewan

Christoph Bangert aus Strothe arbeitet seit mehr als zehn Jahren auf der Parkland-Ventures-Farm in Kanada. Auf rund 6000 wird Getreide angebaut.
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Christoph Bangert aus Strothe arbeitet seit mehr als zehn Jahren auf der Parkland-Ventures-Farm in Kanada. Auf rund 6000 Hektar wird Getreide angebaut.

Die Landschaft ist flach, das Klima rau: Christoph Bangert aus Strothe arbeitet seit 2011 auf einer Getreidefarm mitten in Kanadas Prärie.

Korbach-Strothe - Die Parkland-Ventures-Farm liegt etwas außerhalb der Kleinstadt Humboldt in der Prärieprovinz Saskatchewan im Süden Kanadas. Der nach Alexander von Humboldt benannte Ort hat knapp 6000 Einwohner, die Region ist landwirtschaftlich geprägt. Für Christoph Bangert ist die Farm zur zweiten Heimat geworden: „Ich verbringe etwa die Hälfte meiner Zeit in Kanada und die andere Hälfte in Deutschland“, sagt der 43-Jährige. In Deutschland ist er meistens bei seiner Freundin in Delbrück, die dort ihr eigenes Gartencenter führt. „Ich bin aber mindestens einmal die Woche in Strothe.“

Der Agrar-Ingenieur arbeitet seit mehr als zehn Jahren für den Farmer Kenton Possberg. „Der Kontakt ergab sich durch eine Stellenanzeige in einer deutschen Fachzeitschrift für Landwirtschaft“, so Bangert. Aus dem Wunsch, eine Saison im Ausland zu arbeiten, sei dann mehr und mehr ein festes Arbeitsverhältnis geworden: „Man könnte auch sagen, ich bin hier irgendwie hängen geblieben.“

Riesige Mähdrescher sind bei der Ernte im Einsatz – bei der es auch schon mal Schnee gibt. Das Klima in der Provinz Saskatchewan ist rau.

Mittlerweile ist er einer von Possbergs erfahrensten Mitarbeitern. Er fährt Sämaschine und unterstützt seinen Chef in allen möglichen Bereichen, etwa bei der Kontrolle der Pflanzenbestände und der Bodenprobennahme. „Vor allem kümmere ich mich um das Anlernen und Ausbilden von neuen und unerfahrenen Kollegen auf allen Maschinen“, sagt Bangert.

Neben ein paar wenigen Festangestellten beschäftigt der Betrieb mehrere Saisonkräfte aus der ganzen Welt, sowie ein paar Rentner und ehemalige lokale Farmer. „Das macht das Arbeiten mit den Kollegen sehr interessant und abwechslungsreich. Jeder bringt seine ganz eigenen Sichtweisen und Erfahrungen mit und dank flacher Hierarchien auf der Farm, trägt jeder zum Gelingen der Anbausaison bei“, berichtet Bangert. „Auch die Altersunterschiede zwischen den Mitarbeitern von 18 bis 80 lassen es nie langweilig werden.“

Bangert kontrolliert die Pflanzenbestände.

Die Farm befindet sich etwa eine Viertelstunde außerhalb der Stadt. „Die Saisonkräfte sind alle in einem großen modernen Haus in Humboldt untergebracht, dass mein Arbeitgeber gegen eine geringe Miete zur Verfügung stellt.“ Die ersten Familien, die sich in Humboldt um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert ansiedelten, waren Deutsche. „So findet man auch heute noch viele deutsche Familien- und Ortsnamen und mit ein bisschen Glück einen älteren Menschen, der noch ein bisschen Deutsch versteht oder spricht“, sagt Bangert. Die Stadt Humboldt zählt heute knapp 6000 Einwohner und ist durch die Landwirtschaft geprägt. Darüber hinaus befinden sich in der größeren Umgebung auch mehrere Kalibergwerke in denen Kalisalz für Dünger abgebaut wird.

Die Landschaft in Humboldt ist flach und von einem rauen kontinentalen Klima geprägt. „Das bedeutet, dass die Winter sehr kalt und sehr lang sind. Minusgrade bis 30 Grad unter Null sind keine Seltenheit, genauso wenig wie Schneefall während der Ernte“, erklärt der Agrar-Ingenieur. Daher gebe es nur einen begrenzten Zeitraum, um Landwirtschaft zu betreiben und Getreide anzubauen.

Ein Homestead mit Stall, Behausung und Getreidelager, den die ersten Siedler um 1900 errichtet haben.

Zudem sei die Prärie eher eine Trockenregion mit rund 350 Millimeter Jahresniederschlag. Zum Vergleich: Die Niederschlagssummen bewegen sich im langjährigem Mittel zwischen 500 Millimeter im unteren Edertal und 1100 Millimeter auf den Höhenlagen des Waldecker Uplandes. Bangert: „Allerdings haben wir hier gute und fruchtbare Schwarzerdeböden. Wir bauen derzeit Raps, Gerste, Hafer und Weizen an und erreichen sehr gute Qualitäten für Braugerste, Haferflocken, Brotgetreide, Speiseöle.“ Die Farm setzt auf eine spezielle Ackerbaumethode: „Das besondere an unserem Betrieb ist, dass wir in Direktsaat arbeiten und keine Bodenbearbeitung mehr machen“, erklärt Bangert. Auch das Stroh verbleibe komplett auf dem Acker. So ist der Boden vor Winderosion und Austrocknen geschützt. „Die Direktsaat ist in Deutschland bis jetzt nur wenig verbreitet, wobei immer mehr Landwirte beginnen, sich dafür zu interessieren.“

Die Landwirtschaft hat Bangert schon von Kindesbeinen an begeistert. „Wir hatten keine Landwirtschaft, aber ich habe auf dem nachbarlichen Bauernhof schon als kleiner Junge mitgeholfen“, erzählt der Strother. Die Begeisterung teilt er mit anderen: Wenn Besuchergruppen aus Deutschland kommen oder er Fotos von der Aussaat und Ernte nach Hause schickt, steht die beeindruckende Landtechnik der kanadischen Farm im Fokus. „Egal ob eine 28 Meter breite Sämaschine oder fünf Mähdrescher gleichzeitig in einem Feld – die Größe und die Leistungsfähigkeit sind beeindruckend“.

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