Gymnasiasten verlassen Standort in der Altstadt

Alte Landesschule in Korbach übernimmt vor 50 Jahren offiziell ihren Neubau

Die fertige Bildungsstätte: der Neubau der Kreissporthalle und der Alten Landesschule an der Solinger Straße in Korbach im Oktober 1971.
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Die fertige Bildungsstätte: der Neubau der Kreissporthalle und der Alten Landesschule an der Solinger Straße in Korbach im Oktober 1971.

Am Freitag vor 50 Jahren übernahm die Alte Landesschule in Korbach offiziell ihren Neubau an der Solinger Straße. Der Altbau in der Altstadt hatte ausgedient. Ein Rückblick.

Korbach – „Alte“ Landesschule? Passte der Name überhaupt noch zu den neuen Räumen, in die die Gymnasiasten eingezogen sind? Denn mit dem Charme des barocken Hauptgebäudes am Rande der Korbacher Altstadt war es vorbei. Mit den Karzern, mit knarrenden Dielen, alten Holztüren, mit so manchen eingravierten Hinterlassenschaften von Schüler-Generationen.

Festakt in der neuen Kreissporthalle

Seitdem lernen die Gymnasiasten in kühl-modernen Kästen aus Glas und Beton, errichtet nach dem Geschmack der Zeit: Heute vor 50 Jahren begann ein neues Kapitel in der Geschichte des Gymnasiums, das die Grafen von Waldeck am 7. Mai 1579 als humanistische Gelehrtenschule gestiftet hatten – mit einem Festakt in der neuen Kreissporthalle wurde die neue Alte Landesschule am Freitag, 29. Oktober 1971, ihrer Bestimmung übergeben.

Wobei: Modernität ist seit jeher der Anspruch des Gymnasiums, schließlich will es den Heranwachsenden das Wissen der Zeit vermitteln. Und das wandelt sich schnell.

Das stellte auch Dr. Hermann Hieke in seiner Festrede fest, die der damalige Lokalchef Dr. Karl Strätz in der WLZ am nächsten Tag in seinem Bericht wiedergibt. Der auch heute noch aktuelle Titel: „Was erwartet die Wirtschaft von der Schule?“

Bildung sei ein dynamischer und lebenslanger Prozess, sagte er. Schule in einer „dynamischen Industriekuktur“ müsse Brücken zwischen dem „Gestern und Morgen“ schlagen, zwischen „Herkunft und Zukunft“. Schule sei:

  • Stätte geistig-dynamischer Auseinandersetzung,
  • Orientierungsfeld für das arbeitsteilige Berufsleben,
  • Raum für soziale Reifung,
  • ein Weg zur mündigen Gesellschaft mit freiheitlich demokratischer Grundordnung in einem sozialen Rechtsstaat.

10 000 Mark pro Schüler investiert

Jeder Einwohner des Kreises Waldeck habe 124 Mark für den Neubau aufgewandt, rechnete Landrat Dr. Hermann Reccius vor. In jeden Schüler der ALS hätten sie 10 000 Mark investiert. Der Ruf der Schule werde bestimmt durch die Leistung der Schüler und der Lehrer.

Keine „Juxstätte“

Der Kasseler Regierungspräsident Alfred Schneider ermahnte die Schüler: Er erwarte, dass sie den „Schaffenden“ ihren Dank abstatteten, indem sie die Schule als „Haus zum Lernen“ nutzten – und nicht als „Juxstätte“.

In der neuen Bibliothek: Regierungspräsident Alfred Schneider und Schulleiter Erwin Hartmann.

Der seit 1962 amtierende Schulleiter Oberstudiendirektor Erwin Hartmann erklärte, zu den Aufgaben der Schule gehörten heute das Zuhören, „die Öffnung zur Welt und das Wecken des Informationsdurstes“. Und im Zeichen der Völkerverständigung ist auch der Direktor des Gymnasiums in der nordfranzösischen Partnerstadt Avranches, Vernet, zu Gast.

Alter Name beibehalten

Der Verleger Dr. Hermann Bing blickte als Sprecher der Ehemaligen auf die illustre Schar berühmter Lehrer und Schüler zurück. Er zeigt sich erleichtert, dass der traditionsreiche Name beibehalten worden ist: Auch in neuen Räumen bleibt das Gymnasium die Alte Landesschule.

Angefangen im Franziskaner-Kloster

Die Alte Landesschule zog nach ihrer Gründung 1579 ins ehemalige Korbacher Franziskaner-Kloster ein. 1770 entstand ein Neubau, der in den Aufbruchjahren nach dem Zweiten Weltkrieg mehrfach erweitert wurde.

Dennoch reichte der Platz wegen steigender Schülerzahlen Ende der 1960er Jahre nicht mehr aus: 1968/69 musste in zwei Schichten – vormittags und nachmittags – unterrichtet werden.

Zählte die Alte Landesschule 1964/65 noch 666 Gymnasiasten, stieg ihre Zahl 1969/70 auf 1223 an. Auch moderne Fachräume fehlten.

Neubau auf der „grünen Wiese“

Da die Erweiterungen am Standort in der Altstadt ihre Grenzen erreicht hatten, entschied sich der Kreis Waldeck als Schulträger nach einigen Diskussionen für einen Neubau auf der „grünen Wiese“ – im Neubaugebiet an der Solinger Straße.

Der Korbacher Architekt Hans Fladung und sein Fuldaer Kollege Franz Ollerz entwarfen die Betonklötze und hatten auch die Bauaufsicht. Im Mai 1969 begannen die Arbeiten, im August 1970 wurde ein Richtkranz aufs Flachdach gesetzt. Mehr als 120 Firmen waren am Bau beteiligt, die meisten kamen aus Waldeck.

11,5 Millionen D-Mark investiert

Zehn Millionen D-Mark haben der Schulbau und die Sporthalle gekostet. Hinzu kamen 1,54 Millionen Mark für die Innenausstattung. Finanziert haben dies der Kreis Waldeck und das Land.

Schon im September 1971 waren die Schüler umgezogen – die offizielle Übergabe der Schule folgte aber erst am Freitag, 29. Oktober. Unterrichtet wurden damals 1143 Gymnasiasten in 44 Klassen, darunter 22 Klassen der Oberstufe. Zum Kollegium gehörten 64 Lehrer.

Modere Ausstattung: Blick ins damals angesagte Sprachlabor für den Englisch- und Französisch-Unterricht.

Moderne Ausstattung

Das neue Gymnasium stand auf einem Grundstück von 29 000 Quadratmetern Größe, Nutzfläche der Bauten: 5220 Quadratmeter. Es gab 46 Klassenräume, moderne Fachräume und die neue Kreissporthalle mit ihren 14 000 Kubikmetern umbautem Raum. Auch ein Werkraum, ein Nadelarbeitsraum und eine Lehrküche gehörten zur Ausstattung, damals angesagt waren auch das Sprachlabor für Fremdsprachen, der „Funkraum“ mit Fernseher oder das Fotolabor.

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