1. Startseite
  2. Lokales
  3. Frankenberg / Waldeck
  4. Korbach

Alte Landesschule in Korbach: Wer folgt auf Ex-Schulleiter Christoph Aßmann?

Erstellt:

Von: Philipp Daum

Kommentare

Die Alte Landesschule in Korbach ist seit Juli ohne Schulleiter.
Die Alte Landesschule in Korbach ist seit Juli ohne Schulleiter. © Philipp Daum

„Für so eine traditionsreiche Schule wie die ALS ist die momentane Situation inakzeptabel.“ Es sind deutliche Worte, die Alexandra Tops wählt. Die zweite Vorsitzende des Elternbeirates kann nicht verstehen, dass es an der Alten Landesschule in Korbach noch immer keinen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für den Ende Juli ausgeschiedenen Schulleiter Christoph Aßmann gibt.

Korbach – Dass diesbezüglich endlich Klarheit herrschen müsse, habe vor allem auch mit angestoßenen Prozessen innerhalb der ALS zu tun. Denn: Laut Alexandra Tops hat die Alte Landesschule nach dem Ende dieses Schuljahres die Hälfte des Zehntklässler-Jahrgangs verloren – vorwiegend an das berufliche Gymnasium. „Wir sind gerade dabei, die Gründe dafür zu finden. Dazu gehört, dass wir alles offenlegen. Wir schauen auf die Stärken unseres Gymnasiums, aber natürlich auch auf die Schwächen. Es wird Klartext geredet, denn Modernisierungsprozesse sind nötig an der ALS. Das sehen wir im gesamten Elternbeirat so“, sagt Alexandra Tops.

Aus diesem Grund sei auch eine AG gegründet worden, in der Schüler und Lehrkräfte vertreten seien. Es gehe darum, Lösungen zu finden, um die Abwanderung von Schülerinnen und Schülern zu anderen Bildungsstätten zu verhindern. „Hierbei ist von zentraler Bedeutung, dass auch die Schulleitung eng eingebunden wird. Umso wichtiger ist es daher – mit Blick auf die Zukunft – dass ein neuer Schulleiter oder eine Schulleiterin schnellstmöglich an dem Prozess teilnimmt“, sagt die zweite Vorsitzende.

Der Elternbeirat habe deshalb auch schon beim staatlichen Schulamt in Fritzlar auf die Dringlichkeit hingewiesen. Passiert sei bisher aber noch nichts. „Von dort hieß es nur: Das Schulamt habe seine Hausaufgaben gemacht. Die Entscheidung treffe nun das Kultusministerium“, sagt Alexandra Tops. Aus ihrer Sicht hätte eine neue Schulleitung bereits zum neuen Schuljahr 2022/23 installiert werden müssen – spätestens aber bis zu den jetzt beginnenden Herbstferien. „Wie man hört, wird es aber wohl erst im nächsten Jahr etwas mit der Neubesetzung – im schlimmsten Fall erst zum neuen Schuljahr 2023/24. Warum das alles so lange dauert, können wir uns einfach nicht erklären.“

Unsere Zeitung fragte deshalb bei Stephan Uhde, dem Leiter des staatlichen Schulamtes in Fritzlar nach. Er bestätigte der WLZ, dass die Bewerbungsfrist für den Posten des Schulleiters oder der Schulleiterin an der Alten Landesschule am 21. Juni 2022 ausgelaufen sei. Wie viele Bewerbungen letztlich eingegangen seien und welche Kandidaten zur Auswahl stehen, dazu wollte Uhde nichts sagen.

Das hessische Kultusministerium, das in der Tat die finale Entscheidung bei der Neubesetzung trifft, hält sich bei dieser Frage ebenfalls bedeckt. „Zu laufenden Stellenbesetzungsverfahren können wir leider keine Auskunft geben“, teilte Ministeriumssprecher Moritz Becker auf Anfrage unserer Zeitung mit. Bei der Besetzung der Stelle eines Schulleiters oder einer Schulleiterin handele es sich zudem um eine Stelle mit herausragender Bedeutung für den Schulalltag von hunderten Schülerinnen, Schülern sowie Lehrkräften. Entsprechend intensiv erfolge die Prüfung im Sinne der Bestenauslese. „Dem Kultusministerium und allen beteiligten Gremien ist an einer möglichst zügigen Stellenbesetzung gelegen. Unabhängig davon wird die Schule auch seit dem Weggang Herrn Aßmanns vom Schulleitungsteam kompetent geführt“, führt Moritz Becker weiter aus.

Ähnlich formuliert es Schulamtsleiter Stephan Uhde: „Die Alte Landesschule in Korbach hat auch aktuell eine erfahrene und bewährte Schulleitung. Sowohl Frau Lange als stellvertretende Schulleiterin als auch ihr gesamtes Leitungsteam sind den anfallenden Aufgaben vollauf gewachsen.“

Der Weggang von Christoph Aßmann als Schulleiter der Alten Landesschule in Korbach kam für viele überraschend – hatte er bei seiner Ankunft im Oktober 2020 doch noch betont, wie sehr er sich freue, wieder an der Basis zu sein. Schließlich habe er sich bewusst für den Lehrerberuf entschieden.

Aßmann war aus dem Hessischen Kultusministerium in die Kreisstadt gekommen. Nach noch nicht einmal zwei Jahren hat er Korbach wieder verlassen – aus persönlichen Gründen, wie er im ALS-Info-Brief betont. Seit 1. August ist Aßmann am Staatlichen Schulamt in Marburg tätig. Dort hat er die schulfachliche Aufsicht über die Gymnasien und Gesamtschulen mit Oberstufe übernommen.

Wer an der ALS auf Christoph Aßmann folgt, ist immer noch nicht entschieden. Wie unsere Zeitung aus mehreren Richtungen erfahren hat, gibt es seit dem Auslaufen der Bewerbungsphase lediglich einen Kandidaten. Allerdings: Schule, Elternbeirat und Schulamt sind von der Person, die derzeit noch als Lehrer und Fachbereichsleiter an einer Gesamtschule in Waldeck-Frankenberg arbeitet, überzeugt. Warum aber bislang kein Okay vom Hessischen Kultusministerium kommt, ist unklar.

Geleitet wird die ALS derzeit kommissarisch von Katrin Lange-Onyeajam. Ihr zur Seite steht ein Leitungsteam aus erfahrenen Oberstufen- und Fachbereichsleitern. Für Lange-Onyeajam ist die Aufgabe keine neue – nachdem der langjährige Schulleiter Robert Gassner Anfang 2020 in den Ruhestand gegangen war, hatte sie für rund neun Monate ebenfalls die Leitung der Alte Landesschule übernommen. Als Dauer-Job sieht sie ihre Tätigkeit aber nicht. „Mir macht die Arbeit Spaß und ich werde auch weiterhin gewissenhaft ausüben. Aber dauerhaft die Verantwortung für eine ganze Schule haben, möchte ich nicht“, sagte Katrin Lange-Onyeajam im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie sei daher auch sehr daran interessiert, dass zeitnah eine Nachfolge für Christoph Aßmann gefunden werde.

„Anfang April dieses Jahres hatte uns unser damaliger Schulleiter eröffnet, dass er sich auf die Stelle beim Schulamt in Marburg bewerben werde. Dann ging alles ganz schnell. Schon ab Mai war Herr Aßmann dann einmal pro Woche an das Schulamt abgeordnet, um sich in seinen neuen Job einzuarbeiten.“ Warum Ähnliches mit einem neuen Schulleiter nun an der ALS nicht möglich sei und die Neubesetzung der Schulleiterstelle generell so lange dauere, dafür habe sie überhaupt kein Verständnis.

Für Katrin Lange-Onyeajam ist es obendrein inakzeptabel und zum jetzigen Zeitpunkt auch gar nicht möglich, dass ein Schulleiter oder eine Schulleiterin möglicherweise erst zum neuen Schuljahr 2023/24 an der ALS installiert wird. „Als stellvertretende Schulleiterin darf ich nämlich den Vorsitz beim Abitur gar nicht übernehmen. Ich frage mich, ob sich darüber schon mal jemand Gedanken gemacht hat.“

Auch interessant

Kommentare