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App zum Korbacher Gedenkportal für Nazi-Opfer auf Android-Geräten erschienen

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Von: Wilhelm Figge

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An historischer Stätte präsentieren (von links) Karl Oppermann, Klaus Friedrich, Jakob Chrobacsinsky, Christoph Aßmann und Dr. Marion Lilienthal die Gedenkportal-App: Am Rathaus stand das Haus der von den Nationalsozialisten entrechteten Familie Mosheim.
An historischer Stätte präsentieren (von links) Karl Oppermann, Klaus Friedrich, Jakob Chrobacsinsky, Christoph Aßmann und Dr. Marion Lilienthal die Gedenkportal-App: Am Rathaus stand das Haus der von den Nationalsozialisten entrechteten Familie Mosheim. © Wilhelm Figge

Die App zum Korbacher Gedenkportal vereint Information und Stadtführungen – und erreicht nun mehr Menschen: Eine Version für Android-Geräte ist erschienen.

Korbach – Die Gedenkportal-App, welche die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus festhält und ihre Nutzer durch die Hansestadt führt, wird für mehr Nutzer verfügbar: Nachdem eine Variante für Apple-Geräte schon vergangenes Jahr erschienen ist, ist nun die Android-Version erhältlich.

Sie gibt einen kompakten Überblick über die Inhalte des Gedenkportals Korbach und hält Nutzer über das Pressearchiv auf dem Laufenden, bietet aber auch Funktionen über die Webseite hinaus an: 27 Stationen mit drei Führungen sind in der App enthalten. Sie leitet den Nutzer durch die Stadt und liefert die entsprechenden Texte und Bilder.

Die kürzeste Führung ist 30 Minuten lang: Sie beleuchtet Einzelschicksale und wie sich Gleichschaltung und Verfolgung vollzogen – dabei wird auch deutlich, dass Antisemitismus nicht erst seit 1933 existierte, erklärt Dr. Marion Llienthal, die Initiatorin des Gedenkportals. Die 90-minütige Führung baut darauf auf, geht detaillierter auf die schrittweise Entrechtung, den Entzug der Lebensgrundlagen und Themen wie die NS-Euthanasie ein. Die Runde kann um einen Besuch des jüdischen Friedhofs erweitert werden. Die längste Führung stellt derweil in zwei Stunden Orte nationalsozialistischer Machtdemonstration in den Mittelpunkt: Die politische Instrumentalisierung von Gebäuden und Plätzen ist dabei ebenso Thema wie ihre heutige Nutzung.

Das Mosheimsche Haus stand am heutigen Rathausvorplatz.
Das Mosheimsche Haus stand am heutigen Rathausvorplatz. © pr

„Ich denke, die App sensibilisiert vor Gefahren, wie sie damals und heute von extremistischen, rassistischen und antisemitischen Gruppen ausgehen und schärft den Blick für demokratiefeindliche Entwicklungen und Strukturen“, erklärt Dr. Marion Lilienthal. Das Wissen im öffentlichen Bewusstsein zu verankern, helfe zu verstehen, unter welchen politischen und rechtlichen Bedingungen Menschen zu Opfern und Tätern werden.

Den Anstoß, die Idee für die App umzusetzen, hatte der Lions-Club Korbach-Bad Arolsen vor gut zwei Jahren gegeben, der auch die Entwicklungskosten trug: In der Coronazeit sollte eine Möglichkeit bestehen, sich auch alleine oder in sehr kleinen Gruppen mit der Geschichte der Stadt zu beschäftigen. Doch auch darüber hinaus sei die App eine zugängliche, interaktive Möglichkeit, zu gedenken, erinnern und informieren, sagt Marion Lilienthal. Auch im Unterricht an der Alten Landesschule werde sie genutzt.

Die Idee sei das eine, die Umsetzung das andere: Abiturient Jakob Chrobacsinsky hat in zwei Jahren hunderte Stunden Arbeit investiert, um die beiden Versionen der App fertigzustellen. Ehrenamtlich, abseits des Unterrichts habe er alleine geschafft, wofür sich in größeren Städten eine Fachschaft zusammentue, würdige Marion Lilienthal: „Die Schule kann froh sei, so einen Schüler zu haben“, ist sie sich mit Schulleiter Christoph Aßmann einig. Dank gelte auch Lisanne Schwalenstöcker für den Entwurf des Logos und der Stadt Korbach, welche als Anbieter der App auftritt und die Folgekosten bezahlt. Bürgermeister Klaus Friedrich begrüßte die zeitgemäße Form der Gedenkarbeit als „digitales Denkmal“. Mit dieser Art der Erinnerung setze Korbach ein Zeichen: „Es ist nachahmenswert“, hält Karl Oppermann als Präsident des Lions-Clubs Korbach-Bad Arolsen fest. (wf)

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