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Aus Korbach in den Tod: Ausstellung an Alter Landesschule erinnert an Deportationen nach Riga

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Von: Lutz Benseler

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Die Wanderausstellung in der Alten Landesschule erinnert an die Deportationen 1941/42. Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 12 haben sie mit den Geschichten einzelner Schicksale aus Waldeck-Frankenberg ergänzt.
Die Wanderausstellung in der Alten Landesschule erinnert an die Deportationen 1941/42. Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 12 haben sie mit den Geschichten einzelner Schicksale aus Waldeck-Frankenberg ergänzt. © Lutz Benseler

Eine Ausstellung in der Alten Landesschule erinnert bis 21. Oktober an eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte: Die Deportationen aus Deutschland nach Riga begannen im Dezember 1941. Auch aus Waldeck-Frankenberg wurden Menschen verschleppt.

Korbach – Die Wanderausstellung des Riga-Komitees widmet sich den Ereignissen jener Monate, bei denen mehr als 25 000 Männer, Frauen und Kinder aus mehreren Städten des Reichs in das Ghetto Riga verschleppt wurden. Viele von ihnen wurden getötet, zu Zehntausenden wurden sie namenlos in den Wäldern von Rumbula und Bikernieki vergraben. „Viele der Deportierten kamen aus Waldeck-Frankenberg, einige waren Schüler der Alten Landesschule“, erklärte gestern Geschichtslehrerin Dr. Marion Lilienthal bei der Eröffnung.

Mit ihrem Grundkurs Geschichte hat sie die Schicksale der Menschen aus der Region aufgearbeitet und die Ausstellung mit Texttafeln ergänzt. Zum Beispiel die Geschichte von Alfred Kaufmann: Er besuchte in den 1920er Jahren die Alte Landesschule. Am 9. Dezember 1941 wurde er nach Riga deportiert. „Ich erinnere mich, dass wir in Posen einen sehr langen Aufenthalt hatten und dort vergeblich um etwas Wasser bettelten“, heißt es in seinen Erinnerungen. Ein SS-Mann habe ihnen geantwortet: „Ihr braucht kein Wasser, ihr verreckt sowieso.“ Lilienthal: „Viele haben schon den Transport nicht überlebt, Tausende wurden direkt nach ihrer Ankunft in den Wald geführt und erschossen.“ Andere landeten im Ghetto, im Lager Salaspils oder im Konzentrationslager Kaiserwald.

„Das sind Ereignisse, die niemals in Vergessenheit geraten dürfen“, sagte Sybille Hoppmann, Vertreterin der Schulleitung. Die Abgrenzung von den „ungeheuerlichen Gewaltverbrechen der NS-Zeit“ bildeten die Basis dafür, ein Bewusstsein für die Grundwerte der heutigen Verfassung zu schaffen. Kreisbeigeordnete Hannelore Behle hob die Bedeutung der Erinnerungskultur hervor, die wichtiger denn je sei. Als Ehrenvorsitzender des Landesverbandes Hessen im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eröffnete Jürgen Damm die Ausstellung. Jennifer und Juliane Enns spielten Eingangs das Leitmotiv aus der Filmmusik zu „Schindlers Liste“ an Geige und Klavier.

Führungen bietet Jürgen Damm am Donnerstag, 20. Oktober, von 14 bis 17 Uhr an. Anmeldung per E-Mail an juedamm@freenet.de oder Tel. 05691/4268. Die Ausstellung kann aber auch ohne Begleitung besucht werden.

Riga-Komitee

Das Riga-Komitee ist ein erinnerungskulturelles Bündnis der Städte, aus denen die Menschen deportiert wurden. Es wurde im Jahr 2000 gegründet – unter Mitwirkung des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Aus den anfänglich 13 Mitgliedsstädten sind inzwischen mehr als 65 Mitglieder geworden. Unter dem Titel „Riga: Deportationen – Tatorte – Erinnerungskultur“ präsentiert das Komitee eine Ausstellung.

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