Bredelar

Ballonabsturz: Behörde legt Untersuchungsbericht vor - Unfallursache bekannt

Bei einem Ballonabsturz nahe der Bundesstraße 7 in Marsberg-Bredelar wurden am 4. Juni 2019 neun Passagiere sowie der Pilot (64) zum Teil schwer verletzt.  
+
Bei einem Ballonabsturz nahe der Bundesstraße 7 in Marsberg-Bredelar wurden am 4. Juni 2019 neun Passagiere sowie der Pilot (64) zum Teil schwer verletzt.  

Im Jahr 2019 stürzte ein Ballon bei Bredelar ab. Nun ist die Unfallursache klar.

Korbach/Bredelar – Bei einem Ballonabsturz bei Bredelar im Juni 2019 sind zehn Menschen aus Waldeck-Frankenberg verletzt worden. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) kommt fast zwei Jahre nach dem Unglück zum Ergebnis: Es war ein Pilotenfehler. Das bestätigte ein Sprecher der Behörde.

Bei dem Unglück nahe der B7 in Bredelar am 4. Juni 2019 waren neun Passagiere sowie der Pilot (64) zum Teil schwer verletzt worden. Sie erlitten Brandverletzungen 1. bis 3. Grades, Rippenfrakturen, Prellungen und Schürfwunden. Ein weiterer Passagier blieb unverletzt.

Der Ballon war kurz vor der Landung ins Trudeln geraten und hart aufgeschlagen. Die BFU hat in einem mehrseitigen Untersuchungsbericht den Unfall analysiert. Die wichtigsten Ergebnisse:

Der Heißluftballon

Der Ballon war ordnungsgemäß zum Verkehr zugelassen und befand sich in einem guten Wartungszustand.

Die Ballonfahrt

Laut Zeugenaussagen hatte der Pilot die prekären Windverhältnisse an dem Tag des Unglücks im Blick. Er habe gesagt, die Fahrt werde nicht durchgeführt, falls der Wind nicht nachlasse. Gegen 20 Uhr traf er die Entscheidung abzuheben. Start war gegen 20.15 Uhr auf dem Korbacher Flugplatz.

Am Flugplatz in Korbach startete der Ballon mit zehn Passagieren aus Waldeck-Frankenberg.

Es habe eine Sicherheitsunterweisung gegeben, heißt es im BFU-Bericht. Die Fahrt sei ruhig verlaufen. Der Pilot habe sich zur Landung bei Bredelar entschieden. Der Begleitmannschaft im Verfolgerfahrzeug habe er per Funk seinen Standort und das Landegebiet mitgeteilt und erwähnt, dass der Wind „kernig“ sei.

Das Unglück

Bodenspuren belegen laut BFU, dass das erste Aufsetzen des rechteckigen Korbes mit der Breitseite erfolgte. Das Aufsetzen wird als hart bewertet. Der Ballonführer habe höchstwahrscheinlich die Schnellentleerung der Hülle erst voll aufgezogen, als der Korb aufgesetzt oder nach dem ersten Aufsetzen wieder abgehoben hatte. Ein fataler Fehler. Denn unter den Windbedingungen habe sich folgendes Szenario ereignet:

Gegen 21.10 Uhr setzte der Heißluftballon zur Landung an. Beim ersten Aufsetzen pendelte die Ballonhülle nach vorn, der Korb blieb zurück. Der Korb hob daraufhin wieder vom Boden ab, pendelte nach vorn und beschleunigte dabei. Beim Zurückpendeln setzte der Korb wieder auf und blieb am Boden. Durch den Bodenkontakt verlor der Ballon an Geschwindigkeit, er wurde sozusagen abgebremst, und hatte somit eine geringere Geschwindigkeit als die umgebende Luft. Der Korb wurde nun unkontrolliert über den Boden geschleift. Vom ersten Aufsetzen bis zur Endlage des Ballons konnten Bodenspuren über eine Distanz von 150 Meter festgestellt werden. Die BFU kommt zum Schluss: „Der Ballonführer hatte keinen Einfluss mehr auf das weitere Geschehen.“

Beim Überschlag des Korbes in der letzten Phase der Bruchlandung wurde ein Brennerventil ausgelöst. Die Flamme traf den Piloten und einen Passagier. Ein Helfer der Ballonmannschaft habe von außen den Korb ein Stück anheben können, sodass sich die Insassen aus dem Korb befreien konnten.

Der Ballonpilot

Der 64 Jahre alte Ballonführer gilt als erfahrener Pilot. Er war seit 27 Jahren als Ballonfahrer aktiv, davon 24 Jahre im gewerblichen Personentransport. Der Mann wurde bei dem Unglück so schwer verletzt, dass er von Mitarbeitern der BFU erst im November 2019 vernommen werden konnte. Der Untersuchungsbericht kommt zum Schluss, dass er sich mit den Wetterbedingungen beschäftigt hatte.

Unter den gegebenen meteorologischen Bedingungen habe er ein gut geeignetes Gelände für die Landung ausgewählt. „Den letzten Teil der Anfahrt, kurz vor dem Aufsetzen, führte er richtigerweise entsprechend flach aus.“ Aber: „In dieser Phase der Landung hätte er sowohl die Pilotflamme löschen, als auch das Ventil des Brennstoffbehälters schließen müssen. Diese Handlungen hätten etwa zwei bis drei Sekunden Zeit in Anspruch genommen.“ Diese Fehler führten zu dem verhängnisvollen Aufprall, so die Experten.

Die Schlussfolgerung

Der Ballonführer selbst gibt gegenüber der BFU an, in einer Höhe von etwa acht bis zehn Metern begonnen zu haben, die Schnellentleerung zu öffnen. Diese Aussage widerspreche aber dem Verlauf von Landung und Unfall, heißt es im Unfallbericht. Bei der Lösung des Ventils wäre die Luft aus dem Ballon sozusagen raus gewesen. Auch die Aussage des Piloten, dass der Ballon nach dem ersten Aufsetzen wieder abgehoben habe und dabei der Korb ins Pendeln gekommen sei, widerspreche dem Verlauf. „Mit einer vollständig geöffneten Schnellentleerung hätte dies nicht geschehen können, weil der Tragkraftverlust bei rechtzeitiger Öffnung - auch bei großen Hüllen - so hoch ist, dass ein Abheben und Pendeln des Ballons nahezu ausgeschlossen ist“, so die BFU.

In dem Abschlussbericht heißt es: „Der Unfall ist darauf zurückzuführen, dass bei der Landung mit erhöhter Windgeschwindigkeit das Fast Deflating System (Schnellentleerung) zu spät eingesetzt wurde und somit das erneute Abheben des Ballons und die nachfolgende Ausbildung der Hülle zum Spinnaker begünstigt wurde; es vor dem Aufsetzen unterlassen wurde, die Brennstoffzufuhr zu schließen und die Pilotflamme zu löschen und somit das unkontrollierte Zünden eines Brenners ermöglicht wurde; der Korb sich hangabwärts überschlug und sich dabei die Flamme in den Korb richtete.“ (Boris Schopper )

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.