Bauern stellen auf Bio um

Zahl der Bio-Landwirte im Kreis Waldeck-Frankenberg steigt an

Sprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft: Reinhard Nagel.

Twistetal/Korbach. Die Zahl biologisch wirtschaftender Landwirte steigt kontinuierlich. Das wurde bei der Versammlung der Bioland-Regionalgruppe Korbach in Elleringhausen deutlich.

Gastgeber war Albert Brand, Ortsvorsteher und Verbandsmitglied. Rinder- und Schweinezüchter, Schäfer, Getreide- und Gemüsebauern, Eierproduzenten, Ziegen- und Kuhmilch-Lieferanten aus dem ganzen Landkreis Waldeck-Frankenberg, aus dem Landkreis Kassel und dem benachbarten Nordrhein-Westfalen gehören der Gruppe an, die sich im Dorfgemeinschaftshaus traf.

Bioland-Bundesdelegierte Tanja Schnell aus Neukirchen hält 6000 Legehennen und wirtschaftet seit 1982 nach Bioland-Kriterien. Sie berichtete von der Delegiertenkonferenz, bei der unter anderem über die Anpassung von Richtlinien gesprochen wurde.

Plastikteilchen im Kompost, Eutergesundheit oder die Positionierung von mobilen Hühnerställen gehörten zu den Themen.

Überschrift der Tagung war das Stichwort „Bio 3.0“. Nach den Anfangsbewegungen in den 1970-er Jahren fand in der zweiten Stufe die Harmonisierung der Verordnungen statt. Jetzt heiße es „Raus aus der Nische“.

Seit 2015 strebt Bioland laut Gruppensprecher Horst Meyer eine Änderung hin zur biologischen Bewirtschaftung der gesamten Landwirtschaft an. Meyer ist Milchlieferant der Upländer Bauernmolkerei. Er hat seinen Betrieb 2012 umgestellt.

Die Zahl der Bioland-Betriebe hat sich bei der Gruppe Korbach innerhalb der letzten fünf Jahre um 30 Prozent erhöht und spiegelt das Verbraucherverhalten wider. Von 1748 Betriebe im Kreis sind es der neuesten Agrarstatistik zu Folge 164 biologisch wirtschaftende Betriebe.

Eine zunehmende Skepsis gegenüber chemischen Rückständen in Lebensmitteln sieht Reinhard Nagel aus Nieder-Waroldern durch neue Anforderungen des Discounters Aldi-Süd bestätigt.

Nagel ist Gründungsmitglied der Upländer Bauernmolkerei und und meinte: „Der Discounter fordert in einem aktuellen Schreiben von seinen Lieferanten maximal 20 Prozent Glyphosat-Rückstände gegenüber dem gesetzlichen Höchstwert. Wir liegen 99 Prozent darunter.“ Für Bio-Landwirte, die auf chemischen Einsatz verzichten, ist die mechanische Bodenbearbeitung ein besonders wichtiges Thema.

Mit großem Interesse verfolgten sie daher die Neuentwicklungen von Geräten zur Bodenlockerung und Unkrautbekämpfung, die Mario Nink vom österreichischen Landmaschinenhersteller Einböck vorstellte.

Hintergrund: 6800 Betriebe bundesweit

„Bioland“ ist ein Erzeuger-Verband, der auf Gentechnologie, chemisch-synthetische Dünger und Spritzmittel und Massentierhaltung verzichtet. Die Richtlinien übersteigen die gesetzlichen Mindeststandards, die Bio-Lebensmittel nach EU-Normen einhalten müssen. Bundesweit gehören inzwischen 6800 Betriebe dem Verband an, darunter Landwirte, Bäckereien, Molkereien, Winzer, Metzger und Gastronomen. Die strengeren Richtlinien verursachen höhere Kosten gegenüber konventionell hergestellten Produkten, die sich in den Verkaufspreisen niederschlagen. Dank stetig steigendem Bedarf an Bioland-Produkten ist die Ertragslage der Verbandsmitglieder dem Vernehmen nach gut.

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