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Immer noch kein neuer Elektrofachmarkt in Korbach

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Von: Philipp Daum

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Steht seit fast zwei Jahren leer: Die Immobilie an der Briloner Landstraße/Ecke Skagerrakstraße, in der bis Ende März 2020 noch der Elektrofachmarkt Expert Medialand seine Waren angeboten hatte.
Steht seit fast zwei Jahren leer: Die Immobilie an der Briloner Landstraße/Ecke Skagerrakstraße, in der bis Ende März 2020 noch der Elektrofachmarkt Expert Medialand seine Waren angeboten hatte. © Philipp Daum

Es gibt einen Satz, den Wilhelm Schneider im Gespräch mit der WLZ mehr als einmal anbringt: „Korbach ist größer als die Fußgängerzone“.

Der 86-Jährige beugt sich dabei nach vorne und blickt einem freundlich, aber bestimmt in die Augen. Für ihn steht fest: Würde sich der Magistrat in Korbach hinsichtlich der städtischen Bauleitplanung deutlich flexibler zeigen, hätte sich der Leerstand an der Briloner Landstraße/Ecke Skagerrakstraße schon längst erledigt.

Konkret ist die Rede vom ehemaligen Expert-Medialand. Das Gebäude ist eines von vielen in Korbach, das Wilhelm Schneider – oder besser gesagt seiner Firma Schneider Grundbesitz GmbH&Co.KG – gehört. Ende März 2020 schloss der Elektrofachmarkt – untergebracht auf knapp 1500 Quadratmetern Verkaufsfläche – seine Pforten. Seitdem ist nichts passiert, Schneider wartet weiter auf einen neuen Mieter für sein „Haus in bester Lage“.

Zuletzt hatte Woolworth Interesse bekundet, um während der Bauphase in der Fußgängerzone sein Geschäft weiter betreiben zu können. Der Bebauungsplan sieht für die Immobilie an der Briloner Landstraße aktuell aber nur einen Elektrofachmarkt vor – wobei dies nicht in Stein gemeißelt ist. Es besteht die Möglichkeit, auch andere Segmente dort unterzubringen – solange diese zum so genannten „zentrenunschädlichen Einzelhandel“ gehören. Was verkauft werden darf, regelt diesbezüglich die „Korbacher Liste“. In der Peripherie sind demnach Elektro-, Bau-, Möbel-, oder Teppichmärkte zulässig, nicht jedoch Modeläden oder Juweliere.

Wilhelm Schneider beantragte bei der Stadt Korbach daher Ende 2020 die Änderung des Bebauungsplanes. Damit sollte der Weg frei gemacht werden für nahezu alle Segmente des Einzelhandels. Auch die Freien Wähler in Korbach sprechen sich dafür aus (wir berichteten). Der Magistrat gab dem Antrag aber nicht statt und betonte, dass es für Korbach als ausgewiesenes Mittelzentrum unabdingbar sei, eine Möglichkeit zur Ansiedlung eines Elektrofachmarktes in dieser Größenordnung vorzuhalten. Heißt im Klartext: Die Stadt hat großes Interesse daran, dass nach dem Weggang von Expert Medialand wieder ein Elektrofachmarkt nach Korbach kommt – am liebsten in das Schneider-Gebäude an der Briloner Landstraße. Doch das scheint schwieriger zu sein, als erwartet.

„Es gab in den vergangenen Monaten mehrere Interessenten aus sämtlichen Branchen. Doch den meisten musste ich mit Verweis auf den geltenden Bebauungsplan leider absagen“, berichtet Firmenchef Wilhelm Schneider. Namen wolle er keine nennen. Auf die Frage, warum es nicht gelinge, Marktführer wie Saturn oder Media-Markt nach Korbach zu locken, sagt der 86-Jährige: „Für solche Unternehmen ist Korbach ein Dorf, das Kunden-Einzugsgebiet ist für sie viel zu klein.“

Schneider wehrt sich auch gegen den Vorwurf, für das Gebäude und die dazugehörigen 80 Parkplätze eine überzogene Miete zu fordern. „Was wir verlangen, sind marktübliche Mietpreise.“

Die Hoffnung, dass der Bebauungsplan im Bereich Briloner Landstraße/Ecke Skagerrakstraße irgendwann doch noch geändert wird, hat Schneider nicht aufgegeben. Er hofft diesbezüglich auf Unterstützung aus den Reihen der Stadtverordneten. „Ich bin überzeugt davon, dass beispielsweise ein größeres Bekleidungsgeschäft an der Briloner Landstraße keinen negativen Einfluss auf die Kaufkraft in der Fußgängerzone haben wird. Auch wenn immer von der Peripherie die Rede ist, liegt in Korbach doch alles eng zusammen.“

Was die Fußgängerzone angehe, hänge der Umsatz der Einzelhändler nicht von einem weiteren Modemarkt in der Briloner Landstraße ab. Vielmehr seien Konzepte zur Steigerung der Aufenthaltsqualität in der City nötig – Stadt und Politik müssten hier einen „offensiveren Weg“ beschreiten.

„Müssen das Ganze im Fokus haben, um allen gerecht zu werden“

Die Stadt Korbach und ihre Gremien sind grundsätzlich flexibel und handeln immer unterstützend, dort wo es geht“, sagt Bürgermeister Klaus Friedrich mit Blick auf die von Wilhelm Schneider geübte Kritik an der Einzelhandelspolitik in Korbach. Für die Stadt sei eine Kontinuität und Zuverlässigkeit gegenüber allen Immobilienbesitzern und Geschäftsleuten wichtig.

„Genauso sind wir als Stadt an gesetzliche Regelungen gebunden. Grundlage für vergangene und auch zukünftige Entscheidungen waren und sind von der Stadt aufgestellte und fortzuschreibende Einzelhandelsgutachten“, so Friedrich.

Die Stadt müsse das Ganze im Fokus haben, um allen Gewerbetreibenden und Immobilienbesitzern gerecht zu werden. „Nach wie vor fehlt in Korbach das Segment Elektronik. Das ist gutachterlich nachgewiesen“, erklärt der Bürgermeister. Hinsichtlich des aktuellen Leerstandes im Bereich der Briloner Landstraße sei festzuhalten, dass auf Basis der Korbacher Liste umfangreiche Verkaufsmöglichkeiten zugelassen seien.

Klaus Friedrich, Bürgermeister in Korbach
Klaus Friedrich, Bürgermeister in Korbach © Lutz Benseler

Friedrich: „Ein Leerstand in der Innenstadt – in der Fußgängerzone – lässt sich nicht dadurch beseitigen, indem man das gleiche Marktsegment in den Außenbereich verlagert.“ Anders sehe es aus, wenn mit unternehmerischem Engagement Geschäfte nach Korbach geholt würden, die hier noch fehlten.

Der Bürgermeister widerspricht daher auch Wilhelm Schneider. „Ein weiteres Modegeschäft in der Peripherie würde auf jeden Fall Frequenz aus der Fußgängerzone abziehen. Es ist empirisch belegt, dass von den Innenstadtkunden 30 Prozent Zufallskunden sind. Für sie sind ein ausreichendes Angebot von Parkplätzen und eine gute Erreichbarkeit entscheidend“, so Friedrich. Daher werde lieber das Bekleidungsgeschäft auf der grünen Wiese angesteuert. „Ist der Einkauf erledigt, kommen diese Kunden nicht mehr in die Fußgängerzone.“

Letztlich seien es gerade auch Geschäfte aus der Textilbranche, die für hohe Mieteinnahmen sorgten. „Und die brauchen wir in der Fußgängerzone“, sagt Friedrich.

Der Bürgermeister weist zwar auch darauf hin, dass er die wirtschaftlichen Interessen der Firma Schneider verstehen könne und dass die Stadt auch gerne mit ihm zusammenarbeiten wolle. Letztlich gehe es aber um eine Einzelhandelsentwicklung für die gesamte Stadt. Das sieht auch Jürgen Tent, Vorsitzender der Korbacher Hanse, so: „Wenn zentrumsrelevante Segmente auch in der Peripherie zu finden sind, sorgt das für eine Zersiedelung und gleichzeitig für eine Schwächung des innerstädtischen Einzelhandels.“

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