Wer vom Kicken nicht loskommt, hat eine neue Möglichkeit bis ins hohe Alter

Beim Gehfußball ist Herumstehen erwünscht - Vereine gesucht

Laufen verboten: Der Gehfußball hat sich in England schon in über 1000 Vereinen etabliert. Der Ausschuss des Fußballkreises würde diese Variante auch gern in Waldeck einführen, damit ältere Kicker ihr Ballgefühl nie verlieren.
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Laufen verboten: Der Gehfußball hat sich in England schon in über 1000 Vereinen etabliert. Der Ausschuss des Fußballkreises würde diese Variante auch gern in Waldeck einführen, damit ältere Kicker ihr Ballgefühl nie verlieren.

Da hängen sie nun. Wenn die Fußballschuhe an diesem Nagel baumeln, ist die Kickerkarriere vorbei. Doch der Jubel darüber hält sich meist in Grenzen.

Korbach – Klar, im hohen Fußballalter ab 35 schmerzen die Knochen, Bänder und Gelenke schon mehr als in jüngeren Jahren, aber diese Lust auf den Ball am Fuß geht ein Leben lang nicht verloren. Das hatten im Jahr 2011 auch einige Altherrenkicker in England bemerkt und sich gesagt: Laufen geht nicht mehr gut, aber Fußball spielen schon. Das war die Geburtsstunde von Walking Football oder wie wir es sagen, des Gehfußballs.

Er richtet sich vor allen an die Altersklassen von 50 Jahren aufwärts und der Weltverband Fifa hat Gehfußball bereits als eigene Sportart anerkannt.

Das Kicken ohne Laufen ist mittlerweile auch in Deutschland angekommen, in manchen Gegenden wurden sogar schon Gehfußballligen gegründet.

Davon ist der Fußballkreis Waldeck aber noch weit entfernt. Hier werden die ersten Spieler für eine Mannschaft gesucht. Dafür hat Franz Mühlhausen, Referent für Freizeit- und Breitensport im Kreisfußballausschuss Waldeck, einen ersten Anlauf unternommen. Er schrieb Ende Mai die Vereine an, stellte ihnen Gehfußball grob vor und lud sie im Juni zu einer Online-Konferenz ein, in der diese Art des Kickens vorgestellt wurde.

Geringe Resonanz von den Vereinen

„Die Resonanz darauf war aber leider gering“, sagte Mühlhausen auf Anfrage. Aber er weist darauf hin, dass es momentan auch ein schlechter Zeitpunkt sei, den Vereinen etwas Neues vorzustellen, denn „sie seien momentan alle damit beschäftigt, nach dem Corona-Lockdown den Spielbetrieb wieder auf den alten Stand zu bringen. Doch Mühlhausen will hier am Ball bleiben und diesen Thema zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal anstoßen, um den Gehfußball in Waldeck doch noch ins Laufen zu bringen.

„Ich weiß, dass ich hier noch einige Vorurteile und Barrieren beiseite räumen muss, denn Gehfußball wird von vielen belächelt und nicht ernst genommen.“ In Südhessen sei der Fußball im Schritttempo anfangs auch abgewertet worden, aber nun herrsche dort ein großer Andrang.

Männer aus ihrer sozialen Isolation holen

Mühlhausen hat die Idee, dass im Waldecker Land drei Gehfußball-Stützpunkte im Norden, Mitte, Süden gegründet werden und sich die Vereine dort etwas Gemeinsames aufbauen könnten.

Dieser gewollte Standfußball war 2011 in der englischen Stadt Chesterfield aber nicht nur deshalb erfunden worden, damit alte, lädierte Männer weiterhin gegen den Ball treten können, sondern man wollte diese Herren auch aus ihrer sozialen Isolation holen. Diesem Beispiel folgten im Vereinigten Königreich inzwischen mehr als 1000 Vereine, die Walking Football anbieten.

Der soziale Gedanke und Sport in der Gemeinschaft ausüben, sei ein wichtiger Punkt, warum der Gehfußball auch im Waldecker Land aufgebaut werden sollte, betont Mühlhausen. Der Kick ohne Laufleistung kommt sehr flexibel daher. Er kann draußen und in der Halle gespielt werden, auf kleine und große Tore, in denen kein Torwart steht. Auch die Spielfeldgröße kann jeder selbst bestimmen. Kurzum: Die Fußballschuhe muss künftig keiner mehr an den Nagel hängen.  rsm

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