Landgericht Kassel

Bewährung trotz Gewalttat: 25-jähriger Korbacher hatte Tankstellen-Kassiererin schwer verletzt

Foyer des Landgerichts Kassel
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Das Landgericht Kassel: Wegen sexueller Nötigung und gefährlicher Körperverletzung ist ein 25-jähriger Korbacher vor dem Kasseler Landgericht zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und elf Monaten verurteilt worden.

Wegen sexueller Nötigung und gefährlicher Körperverletzung ist ein 25-jähriger Korbacher vor dem Kasseler Landgericht zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und elf Monaten verurteilt worden.

Kassel/Korbach – Sogar Richter Dr. Aldea sprach von einer „extremen Gewalttat“, die der 25-jährige Korbacher an einer 60-jährigen Tankstellen-Mitarbeiterin verübt habe. Gleichwohl kam der junge Mann im Prozess vor dem Kasseler Landgericht mit einem „blauen Auge“ (Richter Aldea) davon: Wegen sexueller Nötigung und gefährlicher Körperverletzung wurde er zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und elf Monaten verurteilt. Das Gericht erkannte dabei auf eine verminderte Steuerungs- und Schuldfähigkeit des Angeklagten, der rund 2,5 Promille Alkohol und Kokain intus gehabt hatte.

Auch wenn dem nicht vorbestraften Mann ein Gang ins Gefängnis erspart bleibt, wird die Tat in der Nacht zum 29. Juli vergangenen Jahres in der Korbacher Esso-Tankstelle an der Frankenberger Straße sein künftiges Leben prägen. Verteidigung und Nebenklage einigten sich auf einen Vergleich, nach dem der 25-jährige Zeitarbeiter dem Opfer 35 000 Euro Schmerzensgeld zahlen muss. Wenn 15 000 Euro davon beglichen sind, verzichtet die 60-Jährige auf den Rest.

In jener Juli-Nacht hatte der Angeklagte im Internet mit Freunden ein Ego-Shooter-Spiel gespielt und dabei eine Flasche Weinbrand geleert. Gegen zwei Uhr fuhr er im Kleinwagen seines Vaters zu der Tankstelle, um mehr Schnaps zu kaufen. Unterwegs erstand er bei einem Dealer in Korbach ein halbes Gramm Kokain und zog sich mehrere „Linien“ in die Nase.

Gegen 2.21 Uhr war er wohl völlig zugedröhnt, als er die 60-Jährigen fragte, ob er sie „sexuell befriedigen“ solle. Beide kannten sich, weil der 25-Jährige regelmäßig Alkohol kaufte und die Frau seit acht Jahren die Nachtschicht verrichtete.

Wenig später lockte der Korbacher die Frau mit der Finte, Backwaren kaufen zu wollen, aus dem gesicherten Kassenbereich heraus. Unvermittelt schlug er sie mit der Faust ins Gesicht, zerrte sie in einen Nebenraum und versuchte, sie in Vergewaltigungsabsicht zu entkleiden. Dabei schlug er fünf Minuten lang auf die zeitweise bewusstlose Frau ein, die zahlreiche Frakturen im Gesicht, ein Hals-Wirbel-Trauma und Prellungen davontrug.

Nur das beherzte Eingreifen eines 37-jährigen Zeugen, der auf die Hilferufe der Frau reagiert hatte und der ins Lager gekommen war, setzte der Gewalttat ein Ende. Der Angeklagte war Minuten später von der Polizei festgenommen worden, nachdem die Einsatzkräfte einen Schuss abgegeben hatten. (Thomas Stier)

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