Altes Kreisspritzenfahrzeug steht heute in Sachsenberg

Bombennacht 1943 in Kassel: Dieses Fahrzeug aus Korbach half beim Löschen

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Vor 75 Jahren in der Bombennacht in Kassel im Einsatz: Das ehemalige Kreisspritzenfahrzeug des Kreises Eisenberg, Baujahr 1934, das die Sachsenberger Feuerwehr wieder fahrbereit machen möchte. Unser Foto zeigt den Magirus bei einem Einsatz in Sachsenberg. 

Ein Feuerwehrauto spiegelt Geschichte wieder: Heute auf den Tag genau vor 75 Jahren, am 22. Oktober 1943, wurde Kassel bombardiert. Auch Feuerwehrleute aus Korbach eilten nach Kassel, um beim Löschen zu helfen.

Mit dabei: das Kreisspritzenfahrzeug des Kreises Eisenberg, ein LF 15, Magirus, Baujahr 1934 – eines der ältesten verbliebenen Feuerwehrfahrzeuge im Landkreis Waldeck-Frankenberg. Erlaubte Höchstgeschwindigkeit: 62 Stundenkilometer. Seit 1961 gehört es der Freiwilligen Feuerwehr in Sachsenberg. Der 84-jährige Senior hat viel mitgemacht in seinem Dasein als Feuerwehrauto und ist aufgrund bester Pflege rüstig und aktiv geblieben, bis ein Riss im Motorblock ihn 2017 zum Stillstand zwang. Die Sachsenberger Feuerwehrleute möchten den Magirus wieder fahrbereit machen, doch eine Reparatur kostet eine höhere fünfstellige Summe.

Viel haben sie schon gesammelt, doch es muss noch mehr werden: Die Feuerwehr lädt die Bevölkerung am Wahlsonntag, 28. Oktober, zu einem Frühschoppen für die ganze Familie zugunsten des LF15 ans Feuerwehrhaus ein.

„Das LF 15 hat für uns alle einen großen ideellen Wert, wir hängen dran. Es ist unser Schätzchen“, sagt Wiltrud Haase. Seit April 2017 ist sie Wehrführerin bei der Sachsenberger Feuerwehr, ihr Mann, Dirk Klein, ist Vorsitzender des Feuerwehrvereins und stellvertretender Stadtbrandinspektor in Lichtenfels. 

Beide setzen sich zusammen mit den anderen Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr für die Reparatur des Autos ein. „Wir könnten auch einfach nur die Karosserie irgendwo ausstellen, aber wir haben uns entschlossen, es fahrbereit zu halten. Denn abgesehen von dem Motorschaden steht das Fahrzeug da wie eine 1“, betont Dirk Klein. „Dank Emil Beisenherz, einem KFZ-Meister, der das LF 15 liebevoll pflegte, konnten wir es so lange im Einsatz halten“, erinnert Dirk Klein. 

Selbst als der Magirus nicht mehr zum Feuerlöschen genutzt wurde, hielten ihn die Kameraden fahrbereit. „Wir präsentierten ihn bei Ausstellungen, etwa bei Continental, wo der LF 15 anfangs unterstellt war und auch eingesetzt wurde, beim Hessentag in Frankenberg und sogar in der Lichtenfelser Partnerstadt Tannroda in Thüringen“. 

Auch bei einer historischen Fahrzeugschau in Kassel wurde das LF 15 gezeigt – „denn es war in der Bombennacht am 22. Oktober 1943 aus Korbach nach Kassel beordert worden und dort im Einsatz“, erklärt Dirk Klein.

Bereits in der Nacht vom 9. zum 10. März 1940, als Schloss Waldeck ein Raub der Flammen wurde, und am 17. Mai 1943, als die Edersee-Sperrmauer bombardiert wurde, eilte die Korbacher Wehr mit der Kreismotorspritze zu Hilfe. Später gehörte das LF 15 bei Umzügen zum Pfingstmarkt dazu, und es diente sogar als „Hochzeitskutsche“. „Wenn Kameraden heirateten, wurde das Löschfahrzeug richtig schön geschmückt und fuhr vor der Kirche vor“.

Nach so vielen Einsätzen – von dramatisch bis romantisch – und bei so viel Geschichte ist das Kreisspritzenfahrzeug ein Teil der Sachsenberger Feuerwehr geworden. Und das soll es bleiben, betonen Wiltrud Haase und Dirk Klein.

Frrühschoppen am 28. Oktober

Zum Frühschoppen gibt es neben Bratwürstchen auch Erbsensuppe, nachmittags werden frische Waffeln gebacken. Der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr spielt mittags sein Ständchen und für Kinder gibt es von 12 bis 14 Uhr zahlreiche Spiele. 

Wiltrud Haase und Dirk Klein freuen sich, wenn am 28. Oktober auch weitere Geschichten und Fotos rund um das Kreisspritzenfahrzeug mitgebracht werden.

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