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Continental investiert in Korbach zehn Millionen Euro in Geruchsreduzierung

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Von: Lutz Benseler

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Erläutern die Maßnahmen zur Geruchsreduzierung bei Continental in Korbach: (von links) Bernd Heinrich Emde, Jörg Zenke und Kim Jeanette Neubauer.
Erläutern die Maßnahmen zur Geruchsreduzierung bei Continental in Korbach: (von links) Bernd Heinrich Emde, Jörg Zenke und Kim Jeanette Neubauer. © Lutz Benseler

Insgesamt zehn Millionen Euro hat Continental in Korbach seit 2009 in ein neues Abluftsystem investiert, um Gerüche aus der Produktion zu neutralisieren, bevor sie in die Umwelt gelangen. Eine Rasterbegehung soll jetzt klären, ob die Bemühungen gefruchtet haben. Dabei riechen Prüfer zu verschiedenen Tageszeiten an festgelegten Messstellen und protokollieren ihre Wahrnehmungen.

Korbach – Für Continental ist es der Duft des Erfolges: Wo Kautschuk für jährlich rund zehn Millionen Pkw-Reifen verarbeitet wird, riecht es naturgemäß auch nach Gummi. Gesundheitsschädlich sind die Gerüche nicht, aber sie können die Anwohner belästigen. Die gesetzlichen Vorgaben sind klar: Zulässig sind in Wohn- und Mischgebieten zehn Prozent und in Gewerbe- und Industriegebieten 15 Prozent der Jahresstunden mit Geruch. Das regelt die Geruchsimmissions-Richtlinie (GIRL).

Ein von Continental in Auftrag gegebenes Gutachten hatte 2009 ergeben, dass die statistischen Werte östlich des Werkes in Richtung Arolser Landstraße überschritten wurden. Das Unternehmen ließ ein neues Abluftsystem installieren, das verschiedene Geruchsquellen aus dem Werk zusammenfasste und – noch ohne Filter – über acht hohe Kamine ableitete.

So seien die Geruchsemissionen in dem angrenzenden Wohngebiet deutlich verringert worden. Ein Kontroll-Gutachten auf der Basis neuester Mess- und Berechnungsverfahren brachte anschließend laut Salokat die Überraschung: Die Emissionen waren danach höher als ursprünglich nach altem Modell berechnet – die Reduzierung reichte nicht aus, Continental musste nachlegen. Werksleiter Lothar Salokat erläutert: „Ziel ist, die Geruchsbelästigungen vor allem im Wohnbereich östlich des Werkes um mehr als die Hälfte zu reduzieren.“

Dazu hat Continental mehrere Anlagen gebaut, in denen die Abluft aus verschiedenen Bereichen der Produktion über ein Rohrsystem zunächst zusammengefasst und danach durch einen Oxidationsprozess behandelt wird, dem so genannten nicht-thermischen Plasmaverfahren (Cold-Plasma-Verfahren). Dabei haben die Korbacher Pionierarbeit geleistet: „Das war im Detail sehr kompliziert. Das Cold-Plasma-Verfahren ist in der Reifenindustrie so bisher noch nicht eingesetzt worden“, erklärt Salokat. Die Technik musste auf große Volumenströme ausgerichtet werden. Auch von der Statik her eine Herausforderung: Die Gebäude waren nicht für zusätzliche Lasten durch schwere Rohre aus Stahl ausgelegt, Conti musste auf Rohre aus Aluminium zurückgreifen.

Ein Kernproblem waren die diffusen Emissionen, die früher einfach über geöffnete Fenster aus den Produktionshallen nach draußen gelangten. Enorme technische Aufbauten waren notwendig: Die Reifenpressen haben quasi riesige Dunstabzugshauben bekommen, über die die Luft abgesaugt und ins Abluftsystem eingeleitet wird.

Nicht nur die Investitionen in die Geruchsreduzierung, auch die laufende Kosten sind hoch: Der Energieverbrauch der Abluft-Anlagen liegt laut Jörg Zenke, Leiter des Gesundheits- und Umweltschutzes im Korbacher Reifenwerk, bei drei Gigawattstunden im Jahr, die Betriebskosten bei 725 000 Euro. Der jährliche notwendige Austausch der Cold-Plasma-Geräte kostet zusätzlich 135 000 Euro.

Auf dem Papier hat sich das Geld bereits bezahlt gemacht. Zenke erläutert: „Die Berechnung hat eine deutliche Geruchs-Reduzierung ergeben.“ Ob sich das auch in der Praxis bestätigt, soll bei einer Rasterbegehung überprüft werden. Das aufwendige Verfahren dauert etwa ein Jahr. Prüfer schnuppern dabei in einem festgelegten Raster in den Gebieten rund um das Werk, wie stark es dort nach Gerüchen aus der Reifen- und Schlauchproduktion riecht. Ganz ohne Gummi-Geruch geht es auch künftig nicht in Korbach. Eine hundertprozentige Lösung gebe es nicht, sagt Werksleiter Lothar Salokat. Die Herstellung von Reifen und technischen Schläuchen sei mit Gerüchen und Geräuschen verbunden, die man nach heutigem Stand nicht völlig ausschließen könne. (Lutz Benseler)

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