Als die Erde bebte: Erschütterungen waren für mehrere Sekunden zu spüren

Schreibtische und Computerbildschirme wackelten, Gläser in Schränken vibrierten - die Erde bebte am Montagmittag gegen 13.46 Uhr in Hessen. Das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie teilte mit, dass ein Erdbeben östlich von Bad Ems im Rhein-Lahn-Kreis lokalisiert wurde.

Nach ersten Berichten aus dem Westerwald war das Beben dort zehn bis 15 Sekunden zu spüren. Geologen gaben einen Wert von 4,8 auf der Richterskala an.

Lesen Sie auch

Ausläufer des Erdbebens waren auch in Korbach zu spüren. Zwei Mal, für vier beziehungsweise zwei Sekunden. So auch in der HNA-Redaktion in Korbach. Das Geschäftshaus in der Flechtdorfer Straße schwankte leicht, aber doch deutlich spürbar.

Im Frankenberger Land war das Beben für etwa eine Sekunde zu spüren. In Richtung Marburg war das Beben aus dem Süden dagegen schon stärker zu spüren. „Bei uns haben jede Menge Leute angerufen und berichtet, dass bei ihnen zuhause die Schränke gescheppert haben“, sagte ein Polizist. Die Marburger Feuerwehr musste aber zu keinem Einsatz ausrücken.

Wie Menschen das Erdbeben erlebt haben, zeigt das Beispiel von HNA-Redaktionsassistentin Renate Naumann aus Rosenthal-Roda. Sie saß gerade im Esszimmer, als die Gläser im Wohnzimmerschrank zu klirren anfingen. Kurz überlegte sie, was die Ursache sein könnte, da fingen auch Tisch und Eckbank an zu vibrieren. Sekunden später war alles wieder ruhig. In Deutschland kommt es immer wieder zu Erdbeben: Beben der Stärke 4 werden bis zu 10.000 Mal pro Jahr verzeichnet und Beben der Stärke 5 noch etwa 1500 Mal.

Dass nur vereinzelt etwas von Schäden zu hören ist, liegt an den günstigen Verhältnissen: Dicke Sand- und Kiesschichten mildern die Stöße ab. Eine Stärke dieser Größenordnung sei für Deutschland schon etwas Besonderes, so ein Seismologe. Zur Ursache sagte der Wissenschaftler, die afrikanische und die europäische Platte drücken gegeneinander. Und da Deutschland im Spannungsfeld beider Platten liege, sei die Spannung in den betroffenen Gebirgen (Schiefergebirge, Westerwald) so stark gewesen, dass die Erde bebte. (mam/jpa)

Hintergrund: Während eines Erdbebens

Das GFZ rät, ruhig zu bleiben, Schutz unter einem schweren stabilen Möbelstück zu suchen und während der Erdbebenerschütterungen das Haus nicht zu verlassen. Es sei denn, man befindet sich zu Beginn der Erschütterung im Erdgeschoss in der Nähe einer Außentür, die direkt in einen Garten oder auf einen offenen Platz führt. Zudem sollten keine Fahrstühle benutzt und Treppenhäuser vermieden werden. Wer während des Bebens Auto fährt, sollte an den Straßenrand fahren und im Wagen bleiben. Brücken, Kreuzungen und Unterführungen sollten gemieden werden. Wer sich zu Beginn einer Erschütterung am Fuß eines Steilhanges befindet, sollte diesen umgehend wegen Erdrutschgefahr verlassen. (jmo)

Hintergrund: Nachbeben nicht ungewöhnlich

Nach einem Erdbeben muss mit Nachbeben gerechnet werden. Die können noch bis zu mehreren Tagen, Wochen oder sogar Monaten nach dem Hauptbeben auftreten. Deshalb sollen keine beschädigten Gebäude betreten und Schranktüren nur vorsichtig geöffnet werden. Zudem sei es wichtig, das Radio einzuschalten und Meldungen sowie Anweisungen des Katastrophendienstes zu befolgen. (jmo)

Hintergrund: Seismographen messen Stärke

Die Magnitude (auch als Richter-Skala bekannt) ist das Maß, das anzeigt, welche Energiemenge von einem Erdbeben in Form elastischer Wellen ausgestrahlt wird. Sie wird aus den Aufzeichnungen (Seismogrammen) einer Erdbebenstation berechnet. Die schwächsten Beben, die mit hochempfindlichen Seismographen beobachtet werden, haben Magnituden um -2. Das stärkste jemals beobachtete Beben (Alaska 1964) hatte eine Magnitude von 8,8. Für Hessen ist laut dem Landesamt für Umwelt und Geologie nur ein verschwindender Bruchteil der weltweiten Bebentätigkeit zu erwarten, und zwar vor allem auf den Oberrheingraben konzentriert. (may)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.