Vom Handy bis zum Gebiss: Kuriose Fundstücke im Kanal

Feuchttücher machen Ärger: Fasern verstopfen Kläranlage

Hat in der Kläranlage Ittertal alles im Blick: Werner Degowski, Fachkraft für Abwassertechnik.
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Hat in der Kläranlage Ittertal alles im Blick: Werner Degowski, Fachkraft für Abwassertechnik.

Feuchttücher, Tampons, Binden aber auch lange Haare und Nylonstrumpfhosen: Im schlimmsten Fall sorgen sie dafür, dass die Kläranlage an Verstopfung leidet. Heute, am internationalen „Tag des Toilettenpapiers“, schauen wir ans Ende des Abwasserkanals.

Korbach – Der Tag ist vergleichsweise trocken. Nur knapp 45 Liter Abwasser kommen pro Sekunde in der Kläranlage Ittertal an. Darin: Jede Menge Müll. Wattestäbchen zum Beispiel. Damenbinden. Und feuchte Toilettentücher. Normales Toilettenpapier ist kein Problem für die Kläranlage: Es besteht aus Zellulose und löst sich so stark auf, dass es für die Pumpen, die das Wasser im Klärwerk weiterleiten, keine große Rolle spielt.

Feuchtes Toilettenpapier besteht dagegen nicht aus Papier, sondern aus Textilfasern. Die Feuchttücher lösen sich nicht auf, verstopfen die Pumpen und müssen aufwendig entfernt werden. Und das kommt seit einigen Jahren immer häufiger vor. Die Folge: „Der Materialverschleiß ist höher, der Wartungsaufwand steigt und die Wartungsintervalle werden kürzer“, sagt Werner Degowski, Mitarbeiter der Kläranlage Ittertal. Die Kosten tragen letztendlich die Verbraucher – durch höhere Abwassergebühren.

Bitte lächeln: Zahnersatz ist eines der häufigeren Fundstücke aus der Kläranlage Ittertal.

Doch das feuchte Toilettenpapier ist nicht das einzige, was nicht in die Kläranlage gehört: Die Rechenanlage als erste Reinigungsstufe fischt den gröbsten Müll aus dem Abwasser heraus. Fremdstoffe, die größer als fünf Millimeter sind, werden automatisch entfernt und über Transportschnecken in einen Container befördert – darunter immer wieder auch Fundstücke, die man in einer Kläranlage kaum vermutet. In einer Vitrine haben die Mitarbeiter die kuriosesten Stücke ausgestellt: Spielzeug, ein gutes Dutzend alter Handys, ein silbernes Herz mit der Aufschrift „Michelle“, Nagelscheren, Besteck, Kreditkarten – und immer wieder Zahnersatz.

Auch eine Rasierklinge ist dabei – besonders gefährlich für die Mitarbeiter, wenn Kanäle mit Hochdruck gereinigt werden und die scharfen Metallblätter zu regelrechten Geschossen werden: „Einen Kollegen hat eine Rasierklinge knapp unter dem Auge getroffen“, sagt Degowski.

Anderes hat immerhin einen gewissen Nutzen: Im Sandfang und Sandklassierer wird anschließend Sand aus dem Abwasser geholt und gereinigt. Er kann zum Wegebau benutzt werden. Im Fettfang werden Fettanteile aus dem Wasser gezogen und in den Faulturm gegeben – quasi als Futter für die Mikroorganismen, die den Klärschlamm ausfaulen und dabei Methan erzeugen.

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