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Fußball-Fans in Waldeck-Frankenberg: Wenig Interesse an erstem deutschen WM-Spiel

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Von: Denise Dörries, Stefanie Rösner

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Fußballfans: Christoph Knebel (links) und Manni B. Bönisch schauen im Ritterkeller in Korbach das erste Spiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar.
Fußballfans: Christoph Knebel (links) und Manni B. Bönisch schauen im Ritterkeller in Korbach das erste Spiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar. © Stefanie Rösner

In Korbach und Frankenberg ist am Mittwochnachmittag während des ersten Spiels der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM auf den ersten Blick nichts los. Wer Fans treffen will, muss eine Ebene tiefer gehen.

Korbach – Euphorie geht anders. Kaum hörbarer Jubel beim Tor der deutschen Mannschaft, nur wenige Menschen in Trikots. Schals und Fahnen in Schwarz-Rot-Gold wehen nirgends. Sogar Christoph Knebel, eingefleischter Fußball-Fan aus Korbach, tippt zunächst nur auf ein Null-zu-Null und glaubt nicht, dass seine Mannschaft Weltmeister wird. Doch darin stimmt sein Kumpel Manni B. Bönisch überhaupt nicht mit ihm überein. „Was?“, fragt er ungläubig. Man müsse doch an seine Mannschaft glauben. Zum Anpfiff tippt er auf ein 3:1 für die DFB-Elf.

Fans im Ritterkeller in Korbach

Christoph Knebel und Manni B. Bönisch verfolgen das Spiel neben ein paar weiteren in der Kneipe Ritterkeller. Sie kennen sich aus mit Fußball, halten sich aber mit rechthaberischen Kommentaren zurück. Auf die Frage, ob der Trainer denn die richtige Aufstellung gewählt habe, antworten sie gelassen: „Das wird sich am Ende zeigen.“

Auch Jan-Hendrik Rampelt schaut sich hier im Ritterkeller das erste Spiel des Teams von Hansi Flick gemeinsam mit Freunden an. Die jungen Leute hoffen auf einen Sieg gegen Japan. Dann gäbe es für sie einen weiteren Grund zu feiern, denn Jan-Hendrik Rampelt wird an diesem Tag 29 Jahre alt. Darauf stößt er mit seinen Freunden an.

Nach der Schule in den Bierpichler in Frankenberg

Der Bierpichler am Obermarkt in Frankenberg hat immerhin den Fernseher eingeschaltet. Hier schauen Hendrik Brand und Jeremia Seibert relativ einsam das Spiel – die beiden Edertalschüler sind direkt vom Unterricht in die Kneipe gekommen. Von WM-Euphorie ist bis auf die geschminkten Deutschland-Flaggen im Gesicht der beiden nichts zu sehen.

Im Bierpichler in Frankenberg verfolgten Hendrik Brand (links) und Jeremia Seibert das deutsche WM-Spiel gegen Japan.
Im Bierpichler in Frankenberg verfolgten Hendrik Brand (links) und Jeremia Seibert das deutsche WM-Spiel gegen Japan. © Dörries, Denise

„Es kommt keine WM-Stimmung auf durch die Situation in Katar, daran hat die Uhrzeit des Spiels keine schuld“, sagt Brand. Sein Kumpel stimmt ihm nickend zu. „Zur Fifa und zum Austragungsland kann man einfach nichts mehr sagen, es ist einfach nur noch schlimm.“

Die Jahreszeit halten die beiden nicht für den Grund der fehlenden Stimmung. „Wenn ich sage, ich möchte keine WM mehr im Winter, dann schließe ich zahlreiche mögliche Austragungsländer aus, die beispielsweise auf der Südhalbkugel liegen und gerade Sommer haben“, findet Hendrik Brand.

Jahreszeit passt nicht

Für viele ist die Zeit des Spiels Arbeitszeit. Jan Eric Günther und Michaela Huber haben das Glück, dass sie im Telekom-Laden in der Professor-Bier-Straße in Korbach das Spiel am Fernseher verfolgen können, so lange keine Kunden zu bedienen sind. Sie konzentrieren sich hier auf das Sportliche, während viele andere das Interesse an dieser denkwürdigen Weltmeisterschaft verloren haben.

Einige Passanten erklären dazu, dass die politischen Umstände in dem Gastgeberland Katar dazu geführt haben, dass sie keine Lust aufs Fußball schauen haben. Manche betonen auch, dass vor allem die Jahreszeit kein Fußballfieber aufkommen lasse. In Deutschland verbinde man eine Fußball-Weltmeisterschaft eher mit einem sonnigen Sommer und lauen Abenden im Biergarten.

Auch die Arolser Musikkneipe Berlinchen ist von früheren WM-Spielen im Sommer ganz andere Besucherzahlen gewohnt, sagt Wirt Stefan Brauer. Beim Spiel gegen Japan sind fünf Gäste da. Das passt am Ende auch zum ernüchternden Ergebnis. 

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