114 Teams gehen in die Saison

Kein Corona-Unheil: Fußballkreis Waldeck verliert nur drei Jugendmannschaften

Drin ist er: Die C-Junioren der JSG Friedrichstein können dem Ball nur noch hinterherschauen.
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Drin ist er: Die C-Junioren der JSG Friedrichstein können dem Ball nur noch hinterherschauen.

Wie groß wird wohl der Schwund sein, den Corona bei den Nachwuchsfußballern hinterlässt? Das fragten sich viele. Die aktuellen Zahlen besagen: gar nicht so groß.

Korbach – Kinder und Jugendliche, die sich massenhaft vom Sport abwenden: Diese Folgen des von der Politik verordneten Corona-Stillstands haben die Spitzenverbände des organisierten Sports gern und oft vorhergesagt, die Vereinsleute befürchtet. Der Fußball hält sich nicht an die Prognosen. „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt Joachim Schmolt, Kreisjugendfußballwart und stellvertretender Verbandsjugendwart.

Schmolt münzt diese Aussage auf Waldeck. Der Fußballkreis bringt aktuell drei Jugendmannschaften weniger als im Vorjahr auf die Plätze – statt 117 zur Saison 2020/21 nun 114. Der Hessische Fußball-Verband als Ganzes steht besser da. Die Vereine meldeten mit Stand 1. August 6221 Nachwuchsteams, ein Plus von 106 im Vergleich zum Vorjahr. „Das klingt erst mal schön“, sagt Schmolt. Die Wortwahl verrät: Die Statistik hat auch ihre anderen Seiten.

Neue Spielformen sorgen für Plus an Mannschaften

Gewachsen ist in erster Linie das, was Schmolt den „Kleinfeldbereich“ nennt, also die Altersklassen der F-Jugend und Bambini. Das Mehr an Teams – 86 bei den Bambini, acht bei der F-Jugend – bedeutet nicht zwingend ein Mehr an Spielern. Schmolt führt es auf die wachsende Akzeptanz der „neuen Wettbewerbsformen“ zurück – unter diesem Begriff führt der DFB Funino und ähnliche Turniervarianten, die den Kinderfußball umkrempeln sollen. Pro Team werden dann nur vier oder fünf Jungen und Mädchen benötigt. „Durch Funino haben da mehr gemeldet“, sagt Schmolt für die Bambini.

Einen Verlust von 24 Mannschaften hat der Verband für die D-Junioren festgestellt, was Schmolt erschreckend findet. „Das ist ein wichtiges Alter“, sagt er, es markiere den Übergang zum Großfeld. Die Klubs in Hessen haben zudem auch 37 E-Jugenden weniger gemeldet.

Fußballkreis Waldeck: Betreuerproblem bei der E-Jugend?

Woher rührt diese Entwicklung? Bei den E-Junioren gebe es oft ein Betreuerproblem, sagt Schmolt. Über Ursachen für das Weniger an D-Junioren kann er nur spekulieren. Erfreulich findet Schmolt die hessenweiten Zuwächse bei A- (+ 27), B- (+ 13) und C-Junioren (+ 23).

Die Zahlen in der Region Kassel fallen in der Tendenz ähnlich aus wie im Verband – auch in Nordhessen verlieren E- und D-Junioren. Insgesamt büßte die Region zwei Mannschaften ein. „Das ist nicht so schlimm, wie ich es eigentlich erwartet hatte“, sagt Schmolt. „Wir sind gesund geblieben“, findet er, „aber im Bereich D- und E-Jugend haben wir zu viele Mannschaften verloren.“

Der Ausgleich durch zusätzliche Meldungen von Bambini und F-Jugendlichen fand in den fünf Kreisen der Region nicht in ähnlicher Größenordnung statt wie im Süden. Funino und seine Spielarten stoßen nach Schmolts Erfahrungen auf stärkere Vorbehalte. „Wir im Norden brauchen da erfahrungsgemäß länger als der Süden.“ Der Kreis Bergstraße etwa habe alternative Modelle schon für die E-Jugend getestet.

„Das Problem liegt im Kopf“, sagt Schmolt, der ein überzeugter Verfechter der alternativen Wettbewerbsformen ist. Sie sollen über kurz oder lang flächendeckend mindestens für Kinder bis zehn, elf Jahren den gewohnten Ligaalttag ergänzen oder ersetzen, und zwar in jeweils altersgerechten Varianten. Für die Bambini soll Funino ab der Saison 2022/23 Pflicht werden (WLZ v. 9. Juli).

Der HFV nutzt den nächsten „Tag der Qualifizierung“ am 29. August, um für die neuen Wettbewerbsformen zu mobilisieren. Die Referenten wollen Trainern und Betreuern auch mit Argumenten ausstatten – damit sie Kinder und Eltern überzeugen können, „dass diese Form der Wettbewerbe für die Entwicklung des Kindes vorteilhafter ist“. Zentraler Qualifizierungsort für die Region Kassel ist der Platz des SC Edermünde in Haldorf.

Unvollendet: Die B-Jugend des TSV Korbach – hier mit Eric Fuchs (rechts) – hofft auf eine komplette Verbandsliga-Saison.

Die B-Junioren des TSV Korbach geben auch in der neuen Saison Waldecks klassenhöchstes Nachwuchsteam: Sie stehen vor ihrer zweiten Runde in der Verbandsliga. Der Kreisstadt-Verein hat außerdem A- und D-Junioren in der Gruppenliga; die Jüngeren erhielten auf Antrag einen der frei gewordenen Plätze, nachdem andere Klubs zurückgezogen hatten.

Dafür meldete der TSV seine C-Jugend nur noch für die Kreisliga. Eine Klasse höher spielen außerdem die JSG Twistesee (B-Jugend), die JSG Edersee, der TuSpo Mengeringhausen (beide C-Jugend) und die D-Jugend der JSG Friedrichstein.

Damit die Saison im Falle eines neuerlichen Abbruchs gewertet werden kann, gelten bei der Jugend die gleiche Bedingungen wie bei den Senioren: 75 Prozent der Teams müssen die Hälfte der Spiele absolviert haben.

Die Altersklassen im Überblick

A-Junioren
Wie im Vorjahr sieben Mannschaften. Waldeck stellt sechs für die gemeinsame Kreisliga mit Hofgeismar/Wolfhagen ab, der Nachbarkreis steuert nur zwei bei. „Die kleine Gruppe könnte wegen Corona ein Vorteil sein, aber so richtig prickelnd ist das auch nicht“, sagt Schmolt.
Einziger Gruppenligist aus Waldeck ist bei den Ältesten der TSV Korbach.

B-Junioren
Verzeichnen von eins auf neun ein kleines Plus. Die Kreisliga zählt elf Teams – sieben aus Waldeck, vier aus Hofgeismar/Wolfhagen. Hinzu kommt neben Verbandsligist Korbach als Gruppenligist die JSG Twistesee.

C-Junioren
Die Altersklasse verliert drei Mannschaften auf nur noch zehn, acht davon spielen Kreisliga. Wenig. Eine gemeinsame Liga mit Hofgeismar/Wolfhagen hätte eine Großstaffel mit 15 Mannschaften in einer Normalrunde bedeutet. Alternative Spielmodelle wie die Teilung der Vereine nach einer Einfachrunde in Playoffs und Playdowns hätte laut Schmolt zum Verzicht auf einen Aufstiegsplatz geführt. Die viele „Fahrerei“ war ein weiteres Argument.

Die Runde mit 14 Spieltagen soll zunächst gespielt, womöglich gibt es ja anschließend ein „Extra“ mit dem Nachbarn. Die JSG Edersee und der TuSpo Mengeringhausen vertreten die heimischen Farben in der Gruppenliga.

D-Junioren
Der Kreis verliert zwei auf 21 Mannschaften; allerdings machen zusätzlich drei C-Mädchenteams bei den Jungen mit. Die Kreisliga umfasst sieben Neunermannschaften, darunter entsteht eine Kreisklasse mit acht Neuner- und eine mit sieben Siebenerteams. „Wegen der Mädchen hat es genau gepasst, deshalb spielen wir keine Qualifikation“, sagt Schmolt. In der Gruppenliga ist Waldeck vertreten mit der JSG Friedrichstein und dem TSV Korbach.

E-Junioren
Schmolt nennt die Meldung von 26 Mannschaften erfreulich – ihre Zahl bewegt sich auf dem Stand des Vorjahres, allerdings damals mit D-Mädchen, die nun fehlen. Die Junioren spielen in fünf Gruppen um die Qualifikation für Kreisliga und -klassen.

F-Junioren
Zuwachs von einem auf 20 Teams. Für die Saison bringt Schmolt ein Hybridmodell ins Spiel, heißt: zwei Spieltage, ein Funino-Turnier, immer im Wechsel. „Das wäre denkbar, um den Übergang ein bisschen zu üben.“

Bambini
14 statt 13 Mannschaften. „Ich bin überzeugt, da werden wir noch mehr dazu bekommen“, sagt Schmolt. Die Jüngsten sollen komplett in neuen Wettbewerbsformen spielen. Demonstrations-Turniere sind für 12. September und 24./25. September sowie 6./7. November geplant. Die Turniere werden jeweils mit Kurzschulungen verknüpft. Vereine können grundsätzlich auch auf gewohnte Art gegeneinander spielen. (Gerhard Menkel)

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