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Freilichtbühne Korbach begeistert bei Premiere ihr Publikum mit „Hans im Glück“

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Tierisch: Die Bauersfrau (Natascha Oswald) ist hier mit der Gans (Angela Oswald), dem Schwein (Daniel Pengart) und Hans im Glück (Johanna Gluch) zu sehen.
Tierisch: Die Bauersfrau (Natascha Oswald) ist hier mit der Gans (Angela Oswald), dem Schwein (Daniel Pengart) und Hans im Glück (Johanna Gluch) zu sehen. © Hans Peter Osterhold

Wild und turbulent geht es bei „Hans im Glück“, dem aktuellen Familienstück der Korbacher Freilichtbühne zu. Das Stück hatte am Samstag Premiere und bringt viele Gags und Pointen sowie einen Grundkurs in Sachen Grimmsche Märchen.

Korbach - „Endlich wieder Theater“, sagte die Vorsitzende Sabine Lessing bei der Begrüßung und traf auf ein Publikum, das sich auf eine neue Saison freute. Die „Christel von der Post“ und die Taube „Theo Taubenschön“ im Postamt im Märchenwald machen den Anfang und bilden auch den Rahmen für die weitere Handlung. Zunächst gibt es Nachhilfe zum Thema Märchen. Eine der Hauptfiguren aus bekannten Märchen kommt ins Postamt, dann wird zurückgeblendet in die Handlung der eigentlichen Geschichte.

Die Müllerstochter und das Rumpelstilzchen, die hochnäsige Prinzessin aus König Drosselbart, der gestiefelte Kater, der Prinz aus Aschenputtel: Immer wieder werden aktuelle Bezüge in die alten Märchen eingebaut: Der Prinz bringt einen goldenen Schuh ins Postamt, der zu „Deichmann“ geschickt werden soll zu Marketingzwecken. Dann wieder Rückblende ins Original: Hier sind viele Rollen mehrfach besetzt. Lydia Conradi (Christel von der Post) und Theo Taubenschön (Ralf Oswald) schlüpfen jeweils blitzschnell in andere Märchenrollen, was hervorragend funktioniert. Auch die Drehbühne passt: Eine Kulisse für das Postamt, eine für die Rückblicke mit der Inschrift „Es war einmal“ und eine, die für die restlichen Szenen jeweils aktualisiert wird. Eine aufwendige Leistung der Regie und des Bühnenteams.

Plötzlich erscheinen Max und Moritz und machen jede Menge Blödsinn. „Was wollt ihr denn hier? Ihr seid doch von Wilhelm Busch“, heißt es, aber die beiden schaffen den Übergang zu der Familie von Hans im Glück. Szenenwechsel: Hier erleben wir Hans’ sieben Jahre Lehre mit. In köstlichen Dialogen zwischen Hans (Johanna Gluch) und Alberich (Lothar Mettenheimer): mal Smalltalk, mal wird gereimt, mal gesungen, mal albern, mal ernst. Dann zieht Hans los. Er tauscht und tauscht und tauscht, bis er nichts mehr hat. Die Geschichte ist bekannt.

Es geht wieder und wieder zurück zum Postamt und zu den Märchen vom Anfang, die weitergespielt werden. Man muss als Zuschauer konzentriert bleiben, um bei den schnellen Szenenwechseln den Überblick zu behalten. Die Moral am Ende kommt nicht mit dem Holzhammer, sondern leise, aber überzeugend. Obwohl Hans mit leeren Händen dasteht, fühlt er sich als Glückspilz und bemerkt, dass alles Geld der Welt und alles Materielle nicht zwingend glücklich machen müssen.

Die gut 70 Zuschauerinnen und Zuschauer sparen nicht mit spontanem Beifall. Sie sehen ein Team der Freilichtbühne, das mit viel Hingabe, Leib und Seele die Rollen verkörpert. Christiane Schild hat bei ihrer ersten Regie ganze Arbeit geleistet – und sie hatte mit Günther Treptow einen Profi zur Seite. Am Ende lässt sich das Ensemble zu Recht feiern und präsentiert sich mit dem gesamten Team und Feuerwerk im Hintergrund auf der Bühne dem begeisterten Publikum.

Von Hans Peter Osterhold

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