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Bessere Besetzung am Pool

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Von: Marcus Althaus

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Während selbst in der Hauptsaison bei einigen Schwimmbädern in Deutschland personelle Engpässe zu Einschränkungen führen, ist die Personalsituation in den heimischen Bädern eher stabil.

Dirk Dornseif leitet den Betrieb im Bärenbad in Battenberg.
Verstärkung am Beckenrand gelang zuletzt allen befragten Bädern im Landkreis. „Wir sind so gut wie nie aufgestellt“, sagt Dirk Dornseif vom Bärenbad. © T. HOFFMEISTER

Waldeck-Frankenberg – Das bestätigt auch die Energie Waldeck-Frankenberg (EWF), die Betreiber oder Gesellschafter diverser Bäder im Landkreis ist. Es gibt derzeit kaum Einschränkungen, höchstens wegen erhöhtem Krankenstand, insbesondere durch Corona-Infektionen. „Im Hinblick auf Fachpersonal sind wir gut aufgestellt“, so die EWF. In den Bereichen Betriebsaufsicht, die Technik und Organisation betreffen, wie auch bei der Aufsicht des Badebetriebes gebe es derzeit keine personellen Probleme.

2500 offene Stellen bundesweit

Deutschlandweit sei die Personaldecke indes dünn. „Es gibt rund 2500 offene Stellen bundesweit und rund 6000 Schwimmbäder“, rechnet Wolfgang Wilhelm, der Geschäftsführer der Bäderbetriebsgesellschaft Korbach. Insbesondere bei der Beckenaufsicht, die Gefahrensituationen vorbeugt, die Rettung vor dem Ertrinken gewährleistet und weitere Hilfeleistungen anbietet, gibt es bundesweit zunehmend Engpässe.

EWF: „Die Wasseraufsicht in unseren Bädern übernimmt unser eigenes, entsprechend qualifiziertes Personal und Fachpersonal und darüber hinaus Rettungsschwimmer der DLRG, mit der eine langjährige Kooperation in diesem Bereich besteht. Sollte es bei uns zu kurzfristigen Personalausfällen kommen, haben wir auf diesem Weg bislang immer schnell Unterstützung bekommen.“

Motivation für Rettungsschwimmer ist gesunken

Doch das wird bundesweit immer schwieriger. Das Personal für die Wasseraufsicht muss rettungsfähig sein, das heißt, die mit der Wasseraufsicht betrauten Mitarbeiter sollten eine Qualifikation, wie das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen in Silber vorweisen können. „Die Motivation von Privatleuten, sich bei dieser wichtigen Aufgabe gesellschaftlich einzubringen, ist bedauerlicherweise seit einigen Jahren rückläufig.“ Das Verhältnis zwischen der verantwortungsvollen Aufgabe gegenüber der als Einschränkung der eigenen Freizeit empfundenen Arbeitszeit und der Entlohnung werde in einem Missverhältnis wahrgenommen, so EWF.

Die Nachfrage nach Schwimmmeistern bleibt groß und die Auswahl gering. Wolfgang Wilhelm kennt die Problematik. Er kann aktuell aber auf genügend Fachkräfte für das Goldbad und das Freibad in Korbach zurückgreifen. „Wir sind in einer glücklichen Position“, beschreibt er. „Erst vor wenigen Wochen haben wir uns mit neuen Mitarbeitern verstärkt.“ Doch Wilhelm weiß auch, wenn eine Coronainfektion vorliegt, wird es schnell eng. „Selten wird dabei nur ein Mitarbeiter krank.“

Corona wirft im Nu Dienstpläne für Bäderbetriebe um

Eine Situation, die auch sein Kollege Christian Stahlhut von der Bäderbetriebsgesellschaft Bad Arolsen kennt. „Zur Corona-Hochzeit sind bei uns neun Kollegen gleichzeitig krankheitsbedingt ausgefallen. Der Betrieb des Arobella musste dadurch stark eingeschränkt werden.“ Auch aktuell sind die Öffnungszeiten dort um eine Stunde gekürzt. „Die Situation bleibt angespannt“, so Stahlhut mit Blick auf den derzeitigen Krankenstand. Aber auch das Arobella konnte und kann sich personell weiter verstärken. Die Übernahme einer Auszubildenden mit erfolgreichem Abschluss steht an und es wird weiter ausgebildet.

Personalkostendruck zwingt Heloponte zu Einschränkungen

Anders sieht die Personalsituation im Heloponte in Bad Wildungen aus, wo seit Jahren an den Personalkosten gespart werden soll, wie seitens des Stadtparlaments gefordert. Aktuell stehen nicht genug ausgebildete Fachangestellte sowie Rettungsschwimmer für die Badeaufsicht zur Verfügung, erklärt Hartmut Otto, Erster Stadtrat. Einige Fachangestellte mit befristeten Verträge haben sich für Einrichtungen entschieden, die unbefristete Anstellungen in Aussicht stellen. Darum müssen im Heloponte ab dem 16. August, die Öffnungszeiten eingeschränkt werden. Montags ist geschlossen, dienstags bis freitags kann das Freibad von 7 bis 9 Uhr und 13 bis 18 Uhr besucht werden. An den Wochenenden bis 4. September ist das Freibad jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Bei Freibädern ist die Situation oft schwieriger

Die Ausbildung von eigenen Fachkräften lohnt sich für Bäder, die das gesamte Jahr Fachkräfte engagieren können. Bei Freibädern, die nur Saisonkräfte beschäftigen können, ist die Situation schwieriger. Es finden sich kaum Fachkräfte, die nur für einen Sommer angestellt werden wollen. Das Steinbergbad in Diemelstadt-Wrexen greift beispielsweise auf ein privates Unternehmen zurück, das entsprechende Fachkräfte organisiert. „Das läuft dort problemlos“, wie Wolfgang Wilhelm weiß.

Dauerhaft externe Mitarbeiter in den ganzjährigen Betrieb einzubinden um Lücken zu füllen, hält Christian Stahlhut nach eigener Erfahrung für eine wenig praktikable Lösung. „Saisonkräften fehlt häufig die Bindung an die Arbeitsstätte.“ Festangestellte gingen meist engagierter zu Werke.

Ähnlich sieht es Dirk Dornseif, der den Betrieb im Bärenbad in Battenberg leitet. Verkürzte Öffnungszeiten oder einen eingeschränkten Badbetrieb gibt es dort nicht. „Wir sind derzeit gut aufgestellt. - So gut wie noch nie“, fügt er hinzu. „Wir haben ausgebildet und die Fachkräfte übernommen.“

Gemeinsam Schwimmmeister ausbilden

Seit Juni ergänzt auch hier ein Fachangestellter das Team, der gerade seinen Abschluss gemacht hat. „Neben unserer eigenen Ausbildung haben wir ein gemeinsames Ausbildungsprojekt mit dem Bad in Frankenberg begonnen. Dabei erhalten die Auszubildenden Einblicke in alle umliegenden Bäder. Dadurch kennt sich der neue Fachangestellte nicht nur im Bärenbad aus, sondern kann in Dodenau, und den Bädern in Frankenberg jederzeit und ohne Einarbeitung eingesetzt werden. „Das ist von Vorteil, wenn es personell eng werden sollte“, unterstreicht Dornseif.

Allerdings weiß er auch, dass die Suche nach dem nächsten Azubi herausfordernd bleibt. „Viele wissen nicht, dass der Beruf des Schwimmmeisters ein Ausbildungsberuf ist, an dessen Ende die Gesellenprüfung steht und man auch seinen Meister machen kann.“

Mehr als nur eine Aufsicht

Fachangestellte für Bäderbetriebe bzw. Schwimmmeister sind mehr als nur eine Aufsicht. Zu den Aufgaben gehören Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit im Bad, Überwachung der Wasserqualität, Wartung der Wasseraufbereitung und Steuerung der Betriebsabläufe. Die Schwimmmeister sind vielseitig einsetzbar, manche sagen „wie ein Schweizer Taschenmesser“. Ihnen obliegt auch die Führung des Schwimmbad-Personals, die Ausbildung von Schwimmern und in vielen Bädern auch die Verantwortung für die Finanzen. Wer derzeit eine Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe erfolgreich absolviert hat, muss nicht lange nach einer Anstellung suchen, wie Dornseif weiß.

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