Geschichte

Haferbrei statt Gelage: Ausstellung im Korbacher Museum informiert über Esskultur im Mittelalter

Räumt mit Mythen über die Esskultur im Mittelalter auf: Alice Selinger, Kunsthistorikerin aus Frankfurt, vor einem Bienenkorb in der Sonderausstellung.
+
Räumt mit Mythen über die Esskultur im Mittelalter auf: Alice Selinger, Kunsthistorikerin aus Frankfurt, vor einem Bienenkorb in der Sonderausstellung.

Gelage, bei denen Unmengen von Fleisch verzehrt wurden und die Bratensoße nur so von den Bärten tropfte – mit dem Alltag der meisten Menschen im Mittelalter hat das nur wenig zu tun: Die neue Sonderausstellung „Hirsebrei und Austernfleisch – Esskultur im Mittelalter“ im Korbacher Museum räumt mit solchen Klischees gründlich auf.

Korbach – Die Ernährung der einfachen Leute war eintönig und alles andere als ein Genuss. „Ungesalzener Haferbrei, mit Wasser angerührt, war Jahrhunderte hindurch das Hauptnahrungsmittel der Landbevölkerung“, erklärt Alice Selinger, Kunsthistorikerin aus Frankfurt, die die Wanderausstellung konzipiert hat. Molke und dünnes Bier wurden häufiger getrunken als das oft verunreinigte Wasser.

Während große Teile der bäuerlichen Bevölkerung unter Mangelernährung litten oder von Hungersnöten bedroht waren, schwelgte der Adel oft in ausschweifenden Festmahlen. Die Klöster leisteten dagegen Pionierarbeit im Acker- und Weinanbau, bei der Fischzucht, der Käseproduktion, dem Bierbrauen und der Züchtung von Obstsorten.

Die Wanderausstellung erzählt außerdem von kostbaren Gewürzen, der Bedeutung des Honigs, von höfischen Tischsitten, eingelegten Heringen und fantasievollen Wegen, die strengen Fastengebote zu umgehen.

Beteiligt sich an der Ausstellung: Die Geschichtswerkstatt der Alten Landesschule in Korbach steuert Bilder, ein Video und Hörstationen bei.

Exponate, die am Eisenberg bei Goldhausen ausgegraben wurden, ergänzen die Ausstellung und geben einen Eindruck von der Esskultur der Waldecker Grafen. Auf deren Speiseplan standen schon mal Austern, die in feuchte Tücher gewickelt von der Nordsee nach Korbach gebracht wurden. Die Geschichtswerkstatt der Alten Landesschule steuert zudem Bilder, Hörstationen und einen Kurzfilm über Korbachs Geschichte bei.

„Man erfährt viel über das Mittelalter“, sagte Museumsleiter Dr. Arnulf Scriba bei der Ausstellungseröffnung am Donnerstag. „Es geht um das tägliche Brot, das für den Durchschnittsbürger kein Honigschlecken war“, ergänzte Erster Stadtrat Heinz Merl.

Das Museum hat dienstags bis sonntags von 11 bis 16.30 Uhr geöffnet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.