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Helfer von „Falschen Polizisten“ nach Korbach gebracht: Wuppertaler freigesprochen

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Von: Wilhelm Figge

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Das Amtsgericht in Korbach.
Am Korbacher Amtsgericht ging es in einem zweiten Prozess um einen Betrugsfall mit „Falschen Polizisten“. Dieses Mal kam es zu einem Freispruch. © Wilhelm Figge

Er war das „kleinste Rad“ in einem Betrugsfall, der eine Korbacherin um ihre Ersparnisse brachte: Ein 60-jähriger aus Wuppertal musste sich vor Gericht verantworten.

Korbach – Durch Telefonbetrug verlor eine 85-jährige Korbacherin im vergangenen Jahr ihre Ersparnisse von 172.000 Euro. Ein wegen Beihilfe angeklagter 60-jähriger Wuppertaler wurde Montag in Korbach freigesprochen: Es gebe keinen Hinweis, dass er wusste, was er da unterstützte, stellte das Schöffengericht fest.

Anfang Juni 2021 hatte er einen Bekannten nachts von Wuppertal nach Korbach und dann nach Berlin gefahren. 1000 Euro sollte er für die spontan anberaumte Reise bekommen, angeblich ging es um Bitcoin-Geschäfte, von denen er nichts verstand und nicht weiter fragte, so sein Verteidiger. Eine ähnliche Fahrt hatten die beiden bereits unternommen, es war eine Möglichkeit, an etwas Geld zu kommen.

Falsche Polizisten: Masche auch in Korbach versucht

Was vor Fahrtantritt geschah, war dem Angeklagten nicht klar: Aus Callcentern im Ausland rufen sogenannte „Keiler“ gezielt ältere Menschen an, geben sich als Polizei aus und machen ihnen weis, Einbrecher hätten es auf ihre Wertsachen abgesehen. Psychologisch geschult und subtilen Drohungen, dass Kooperation mit der Polizei zwingend erforderlich sei, reden sie auf die Opfer ein. „Die haben mich so kaputt gemacht, ich konnte nicht mehr geradeaus denken“, schildert die mittlerweile 87-jährige Korbacherin, welche die Anrufer dreieinhalb Stunden lang nicht los wurde. Schließlich stellte sie ihre Ersparnisse, dazu Schmuck im Wert von 5000 Euro und ein Sparbuch von 15 000 Euro vor die Tür – in der Erwartung, dass die Polizei auch sie selbst in „Sicherheit“ bringe. Doch plötzlich sei alles weg gewesen.

Genommen hat es der vom Angeklagten chauffierte „Abholer“, der im Juli zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt wurde (wir berichteten). Sie fuhren weiter nach Berlin, lieferten das Geld auf einem Parkplatz ab und fuhren mit ihrem Lohn heim.

Ertappt wurden sie, weil ein Zeitungszusteller das Auto am Haus gesehen hatte und sich daran erinnerte, als der Fall in der WLZ geschildert wurde. Die Polizei entdeckte, dass das Fahrzeug in Meineringhausen geblitzt wurde und fand den Halter.

Richter: Es gibt keine „fahrlässige Beihilfe“

Dass es bei diesen nächtlichen Fahrten um etwas illegales ging, liege auf der Hand, befand die Staatsanwältin. „Der Angeklagte war ein ganz kleines Rad, aber ein entscheidendes“, sagte sie und beantragte acht Monate Freiheitsstrafe. „Er hätte sich mehr Gedanken machen können“, räumte der Verteidiger ein – aber Beihilfe setze Vorsatz voraus. „Ich wollte nichts falsches machen“, schloss der Wuppertaler.

„Man muss wenigstens im Groben wissen, was man fördert“, fasste der Richter die Rechtslage zusammen – dass der Wuppertaler von irgendeiner Art des Betrugs wusste, wurde nicht erwiesen. Und dass „die kleinsten Rädchen“ im Unklaren gelassen würden, liege nicht fern.

Der „Logistiker“, der die Wuppertaler losschickte, kommt in Berlin vor Gericht, erklärte die Staatsanwältin. Weitere Täter seien kaum dingfest zu machen. Und das erbeutete Geld wurde längst transferiert, der Schmuck sofort eingeschmolzen. (wf)

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