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Höchste Zeit fürs Singen: Bezirkskantoren werben für Zusammenkünfte der Chöre

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Von: Stefanie Rösner

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Blicken optimistisch nach vorn: die Bezirkskantoren Ingrid Kammerer und Jan Knobbe über die Zukunft der Kirchenchöre nach zwei Jahren Pandemie.
Blicken optimistisch nach vorn: die Bezirkskantoren Ingrid Kammerer und Jan Knobbe über die Zukunft der Kirchenchöre nach zwei Jahren Pandemie. © Stefanie Rösner

Die Pandemie hat das gemeinsame Singen erschwert, doch das Singen kann gerade in Krisenzeiten viel Gutes bewirken. Das betonen die Bezirkskantoren Ingrid Kammerer und Jan Knobbe.

Korbach – Sie und andere Chorleiter haben gezeigt, wie auch unter strengen Vorschriften der Chorgesang möglich ist. Mit ihrem Tatendrang wollen sie dafür werben, dass Chöre wieder ohne große Bedenken proben und auftreten können.

Während dieses Winters mit hohen Coronazahlen habe die Arbeit ihrer Chöre nie ganz geruht. Treffen online oder auf Abstand, mit regelmäßigem Lüften und unter Einhaltung aller Regeln wurde weiter gesungen. Gewiss tragen die Veranstalter eine gewisse moralische Verantwortung, wenn es trotz aller Vorkehrungen zu Ansteckungen komme. „Allerdings haben wir auch eine soziale Verantwortung“, sagt Jan Knobbe. „Vereinsamung der Menschen wurde durch die Pandemie stark vorangetrieben.“ Im Chor gehe es nicht nur darum, zusammen zu singen, sondern die Chorgemeinschaft habe einen sehr hohen sozialen Wert.

Manche Sänger würden sagen, dass sie mit dem Probenbetrieb erst wieder beginnen, wenn alles „ganz sicher ist“. Doch wann soll das sein? Jan Knobbe plädiert dafür, unter den vorgegebenen Hygieneregeln regelmäßig zu proben. „Wenn man nichts macht, zerstört man langfristig die Chorgemeinschaft.“

Rund zehn kirchliche Chöre bestehen zurzeit im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg. Einige wenige haben sich komplett aufgelöst. „Daran ist jedoch nicht alleine die Pandemie schuld“, erklärt Ingrid Kammerer. „Sie hat die Entwicklung nur beschleunigt.“ Denn das betreffe vornehmlich solche Chöre, deren ältere Sänger ohnehin bald aufgehört hätten.

Nachwuchs gebe es durchaus, vor allem bei den Kindern. Die Angebote der neuen Singschule Korbach würden sehr gut angenommen, berichtet Ingrid Kammerer. Und trotz der Abstandsregeln in den Chorproben sind bei den Kinderchören fast alle Kinder geblieben. Aus dem Kinderchor von Ingrid Kammerer stammen dann auch Nachwuchssänger für Erwachsenenchöre. Doch sonst seien es eher wenige Jugendliche und junge Erwachsene, die teilnähmen.

Kammerer leitet die Chorgruppen der Singschule, die Evangelische Kantorei Korbach sowie das Vokalensemble Cantabile. Jan Knobbe leitet den Kammerchor und Gospelchor in Bad Arolsen, ebenso die Kreiskantorei und darüber hinaus den Posaunenchor und das Flötenensemble der evangelischen Kirche in Bad Arolsen.

Die Kontinuität beim Singen ist beiden besonders wichtig. Eine Beliebigkeit bei den Proben sei wenig konstruktiv. Daher planen beide bereits Konzerte für den Sommer. „Ein Ziel motiviert“, sagt Ingrid Kammerer.

Als Nächstes möchte Jan Knobbe andere Chorleiter kontaktieren und Beratung anbieten. Er und Ingrid Kammerer rufen auf: „Es wäre überlebenswichtig für das gesamte Chorleben, wenn sich Chöre jetzt zum Singen entschließen könnten, auch wenn noch nicht alle Sänger sofort beim Neustart dabei sein möchten.“

Singen möglich machen

Die Bezirkskantoren im Kirchenkreis, Jan Kobbe, Ingrid Kammerer und Stefan Kammerer haben sich in der Pandemiezeit einiges einfallen lassen. So gab es beispielsweise Online-Treffen, entweder um etwas zu üben oder auch einfach zum „Klönen“.

Eine Online-Vortragsreihe über Bach und seine großen Chorwerke hat einige Probenabende ersetzt. Es wurden zahlreiche Musikvideos erstellt, für die alle Chorsänger und Sängerinnen allein ihre Stimme aufnehmen mussten, damit sie danach per Computer mit den anderen Stimmen zu einem Chorsatz zusammengesetzt werden konnten.

Und vor allem wurde im Rahmen der Möglichkeiten zusammen gesungen – ob in Open-Air-Proben oder in ganz kleinen Gruppen in großen Räumen. Auch Konzerte konnten, jeweils angepasst an die Regelungen, stattfinden. Raumgröße, Gruppengröße, Belüftungssituation, Abstände zueinander und Impfstatus seien die Parameter, aus denen sich die Möglichkeiten zum gemeinsamen Singen ergeben.

Wenn man die Abstandsregeln einhält, wenn sich Menschen impfen lassen und testen, wenn die Probenräume ausreichend groß und gut belüftbar sind, dann ist Chorsingen möglich, sagen die Bezirkskantoren.

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