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Waldeckisches Kammerorchester transportiert Hoffnung und Zuversicht

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Ein Crossover über zwei Jahrhunderte und zahlreiche Stilrichtungen: Das Waldeckische Kammerorchester wich bei seinen Neujahrskonzerten in Korbach und Bad Arolsen von traditionellen Vorbildern ab.
Ein Crossover über zwei Jahrhunderte und zahlreiche Stilrichtungen: Das Waldeckische Kammerorchester wich bei seinen Neujahrskonzerten in Korbach und Bad Arolsen von traditionellen Vorbildern ab. © Dr. Hartmut Wecker

Nach drei Jahren der pandemiebedingten Einschränkungen sind die meisten Auflagen jetzt aufgehoben und das öffentliche Leben nimmt wieder Fahrt auf. Die Menschen können sich wieder zu gemeinsamen Unternehmungen zusammenfinden und offensichtlich besteht dafür auch ein großer Nachholbedarf.

Jedenfalls wenn man das Neujahrskonzert des Waldeckischen Kammerorchesters hier als Referenz sieht.

Die beiden Konzerte in der Korbacher Stadthalle am Samstagabend und in der Fürstlichen Reitbahn Bad Arolsen am Sonntagnachmittag waren restlos ausverkauft.

In seiner kurzen Begrüßung erinnerte Dirigent Rainer Böttcher daran, welche verbindende Kraft die Musik in der ersten Phase des Lockdowns entfaltet hatte. Da gab es spontane Balkonkonzerte oder gemeinsames Singen an offenen Fenstern, an dem sich ganze Straßenzüge beteiligt haben. Böttcher empfahl, sich die verbindende Kraft der Musik zu bewahren und in den wieder gewonnenen Alltag hinüberzuretten.

Das Programm des Neujahrskonzertes wich von traditionellen Vorbildern ab und umfasste ein Crossover über zwei Jahrhunderte sowie zahlreiche Stilrichtungen. Es vereinigte Werke von Beethoven und Sibelius mit Namen wie John Lennon, Ennio Morricone und John Miles. Die Zusammenstellung unter dem Motto „Hoffnungen und Träume“ war aber keineswegs zufällig, sondern folgte einer stringenten Dramaturgie.

Dirigent und Solisten: Rainer Böttcher mit Florian Brauer und Bernd Uteschil (hinten, von links) sowie mit Andrea Eiselt, Larissa Niederquell und Maria Montejo.
Dirigent und Solisten: Rainer Böttcher mit Florian Brauer und Bernd Uteschil (hinten, von links) sowie mit Andrea Eiselt, Larissa Niederquell und Maria Montejo. © Dr. Hartmut Wecker

Werke wie Beethovens „Egmont-Ouvertüre“ oder Sibelius´ Tondichtung „Finlandia“ thematisieren den Freiheitskampf eines unterdrückten Volkes bzw. das Streben nach nationaler und kultureller Einheit und setzten damit unaufdringlich einen aktuellen Bezug. Stücke wie John Lennons „Imagine“ oder Richard Rodgers „You´ll never walk alone“ transportieren ebenfalls die Botschaft von Hoffnung und Zuversicht. Selbst die traditionellen Neujahrskonzertnummern der großen Wiener Walzerdyanstien fügten sich in dieses Gesamtkonzept ein: Der Walzer „Hoffnungsstrahlen“ von Joseph Lanner und die Schnellpolka „Ohne Sorgen“ von Josef Strauß.

Deutlich wurde auf jeden Fall, dass das Kammerorchester unter der musikalischen Ägide von Rainer Böttcher eine neue Stufe der Weiterentwicklung erreicht hat. Im Laufe des Abends fand das Ensemble immer besser zusammen und überzeugte mit Spielfreude, gegenseitigem Verständnis und interner Harmonie.

Zum positiven Gesamtbild trugen auch die Solisten erheblich bei. Die junge mexikanische Cellistin Maria Montejo begeisterte das Publikum mit ihrer einfühlsamen Interpretation von Gabriel Faurés „Aprés un réve“ ebenso wie im perfekten Duett mit Konzertmeisterin Andrea Eiselt in John Lennons „Imagine“. Sopranistin Larissa Niederquell riss mit der Vokalise aus Ennio Morricones Filmmusik zu „Once upon a time in the West“ zu Beifallsstürmen hin. Mit ihrer warm temperierten voluminösen Stimme die geschmeidig durch alle Lagen wandert, vermochte sie nachhaltige Akzente zu setzen.

Auch der Tenor Florian Brauer, der kürzlich erst als Evangelist im Weihnachtsoratorium in Korbach zu hören war, konnte einmal mehr restlos überzeugen. Seine Interpretation von John Miles´ „Music was my first love“ motivierte das Auditorium zu stehenden Ovationen. In zahlreichen Stücken wirkte auch Bernhard Uteschil als Pianist mit und leistete seinen Beitrag zu einem Konzertabend, der in allen, die das Glück hatten, ihn miterleben zu dürfen, noch lange nachklingen wird.

Für den nicht enden wollenden Beifall bedankte sich das Orchester mit einer Wiederholung von „Imagine“ sowie einem konzertanten Arrangement des Waldecker Liedes.

Von Dr. Hartmut Wecker

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